Man sollte sich nicht zu sehr auf den Menschen einlassen? Wenn man sich entscheidet, es doch zu tun, dann sollte man mehr als nur Zuhörer sein. Zuhören kann nicht jeder.
Zuhören ist wichtig, denn nur so kann man den Gegenüber einschätzen und dessen Meinung kennenlernen, so man es wünscht. Wer selbst viel spricht, erfährt nichts. Der Zuhörende hingegen bleibt weitgehend unerkannt, wenn er schweigt, und wird aus nicht gestillter Neugier mehr respektiert. Allenfalls mehr als derjenige, der seine Meinung zu stark in den Fokus stellt, um zu überzeugen, denn zu überzeugen gelingt nur, wenn es der Zuhörer zulässt.
Der Mensch, durch den gesellschaftlichen Kampf manipuliert und trainiert, versucht, in der Manipulation perfekt zu werden, denn die Intention hierbei heißt: „Manipulation ist Macht.“ Es erscheint jedes Mittel recht. Meinungsmanipulation ist eine wichtige Einflussnahme, um dieses Ziel zu erreichen; denn wenn die eigene Ansicht von vielen Menschen gestützt und eventuell noch von medialen Jüngern vermarktet wird, erhält man zusätzliche Macht und wird unabhängig von dem Wahrheitsgehalt der Ausführungen gesellschaftlich privilegiert.
Vergessen wird jedoch, dass der vermeintlich Manipulierte diese Manipulation nicht zulassen muss, wenn er sie als solche erkennt. Dann läuft der Versuch der Einflussnahme ins Leere. Ergo: Manipulation führt nur zum Machtzuwachs, wenn der zu Manipulierende die Manipulation nicht erkennt und sie deshalb zulässt und im Sinne des Manipulierenden handelt.
Das führt zu der Frage: „Wozu braucht man Macht?“ Macht dient in erster Linie der Durchsetzung eigener Interessen, ohne Rücksicht auf die Begehren Dritter. Ist Macht in der heutigen Gesellschaft ein unabdingbarer Faktor, den es zu erreichen gilt, das Ziel schlechthin? Wer Macht hat, will mehr Macht; zumindest diese Macht nicht verlieren. Wer Geld hat, will mehr Geld. Die Gier kennt keine Klasse.
Macht macht Macht. Doch was nutzt immer mehr Macht unter dem Aspekt der Sterblichkeit? Macht ist ohnehin ein begrenztes Phänomen. Wer Machtansprüche ohne soziale Komponente auch gegen die Widerstände der Mitmenschen durchsetzt, verletzt häufig Menschenrechte. Ergo: Machtanspruch um jeden Preis verletzt Menschenrechte, denn die Macht steht über diesen.
Die Reduktion auf die Natur folgt dem jahrzehntelang gelebten Machtgehabe, sei es als Machthaber oder als Machtgeschädigter. Der Wald, die Berge, das Meer, die Natur helfen, die Ruhe zu entwickeln, die man zum Reflektieren benötigt. Allemal ist der Entscheidung zur Natur die Erkenntnis vorgelagert, dass man dieses Spiel um und mit der Macht nicht mehr wünscht. Vielleicht, weil man die eigene Intelligenz beleidigt sieht oder weil Selbstschutz einsetzt, sodass man keine weiteren Ambitionen zulässt, was beiläufig ein destruktives Verhalten in diesem Bereich nach sich zieht.
Ein weiteres Problem offenbart sich zusätzlich, nämlich die Arroganz, die verhindert, dass ältere Menschen als gleichwertig betrachtet werden. Sie werden eher als Ballast empfunden, den es sich zu entledigen gilt. Der übersteigerte Karrierewunsch zieht zudem eine geringere Geburtenrate nach sich, sodass sich die Industrie aus der Not geboren zunehmend auf ältere Arbeitnehmer und Konsumenten einstellen müsste. Der demografische Faktor wurde schon ausgiebig kommuniziert, doch passiert ist so gut wie nichts; außer dass die Politik zu dem Ergebnis kam, dass der Mensch am besten solange arbeitet, wie er lebt.
Wozu braucht man Macht? Wer verbietet mir, diese „Station“ auszulassen? Braucht man mehr Macht, wenn doch eigene Grundbedürfnisse gestillt sind? Wer spornt da an? Menschen sind gierig nach Beachtung. Warum? Leben sie dadurch besser, länger? Wird nicht all dies nach einer gewissen Zeit zur Gewohnheit? Ist die eigene Meinung so wichtig? Worin besteht der Kick, den anderen überzeugen zu wollen, ihn sportlich zu besiegen, ihm voraus zu sein? Wer denkt an die Verlierer?
Niemand scheint in der Lage zu sein, ein System herzustellen, in dem sich die Menschen wohl und sicher fühlen. Keiner ist aus dem Tod zurückgekehrt und hat somit den Sinn des Lebens erfassen können. Dennoch meinen so viele Menschen zu wissen, wie die Gesellschaft zu funktionieren hat. Diese "alleingültige" Erkenntnis vermitteln sie auch dann, wenn sie keine Lösung anbieten können.
So wird der Manipulation geschuldet, Angst und Panik geschürt, und wer sich von diesem System abwendet, wird zum Außenseiter. Wer kein Außenseiter sein möchte, heuchelt, spielt (s)einen Lebensstil; ist nicht er selbst. Der Schauspieler in sich wird bis zur Überreife perfektioniert. Die Authentizität bleibt zurück, so stirbt der letzte Rest an Ehrlichkeit. Korruption steigt auf; man verkauft sich, seine Seele und seine Überzeugungen. Die Gesellschaft pervertiert.
Wenige denken darüber nach. Wer es dennoch tut und sich kritisch äußern wagt, ist außerhalb der Norm und wird bekämpft, als Reaktionär verprügelt, gnadenlos denunziert, notfalls medial verbrannt. Die Hexen des Mittelalters kehren zurück.
So entstehen „Ja-Sager“ und vermeintliche Positiv-Boten, denen jegliche Eigenständigkeit abgeht und von denen keine über den Tellerrand blickende, zukunftsweisende Perspektive ausgehen wird. Ein sehr düsteres Bild, aber allemal besser als diese Fanatiker, deren Glas stets halb voll ist und die meinen, dass sie Scheiße zu Gold machen können, selbst wenn das Glas leer ist.
Die Menschheit wird von einer elitären Minderheit (Mehrmenschen) flächendeckend überwacht und ist schon so „geistig stillgelegt“, dass diese legalisierten Menschenrechtsverletzungen niemanden mehr interessieren. Die Facebook-Generation kennt nichts anderes, und die Alten schweigen?
Jeder ist sich selbst der Nächste und kennt nur sich und seine Interessen. Manche Menschen kennen sich aber nicht so gut, wie sie denken. Es gibt Menschen, die haben ein übersteigertes Selbstvertrauen, welches sich zu einer sturen „Ich-bin's“-Arroganz aufbaut. Hierbei ist der Pfad zwischen Selbstbewusstsein und Selbstüberschätzung sehr schmal. Kritisch gesehen werden muss, wenn deren eigenes Selbstwertgefühl keine tragende, fachliche und soziale Grundlage hat.
Je mehr Ego-Protagonisten gezüchtet werden und je mehr Generationen so leben, desto mehr verroht der Mensch, weil Empathie auf der Strecke bleibt. Die älteren Menschen, die noch ein Miteinander kannten, schweigen. Niemand wehrt sich. Unrecht wird normalisiert, vormals Verbrecherisches legalisiert, Standpunkte verschoben; manipuliert eben.
Also generiert sich der in der Gesellschaft weit verbreitete „Maulheld“, der die Menschen seiner unmittelbaren Umgebung blendet, weil er über die entsprechenden rhetorischen Mittel verfügt. Verbale Präsenz scheint in dieser Zeit wichtiger zu sein als stichhaltige Argumente aus Kompetenz geboren. Das führt zu falschen Richtungsentscheidungen, sodass diese „Maulhelden“ in entsprechende Positionen aufrücken.
Mangelnde Persönlichkeitsstruktur, oft gepaart mit fachlicher Inkompetenz, führt bei deren Mitarbeitern zu Frust und schließlich zur Resignation. Ergo: Maulhelden in Führungspositionen bedrohen soziale Kompetenz und die positive Entwicklung der Gesellschaft.
Wer Menschen aus Eigeninteresse nicht mitnimmt und nicht sozial betreut, wer keine Lösungen anbietet, erntet Widerspruch, der selten lautstark vorgetragen wird, da für die Betroffenen im abhängigen Verhältnis persönliche Restriktionen zu erwarten sind. Diese Drucksituation führt zu Lebensangst und letztlich in die psychische Einsamkeit.
Unsoziale Ungerechtigkeiten empfangen zu müssen, ohne sich aus Existenzangst dagegen wehren zu können, macht krank und psychisch krank. Psychisch Kranke werden jedoch, wie auch alle anderen Kranken oder alten Menschen, abgetan und gesellschaftlich isoliert.
Ergo: Wer seine Schauspielerei nicht durchhält und sich nicht gefestigt darstellt, ist schwach. Schwache werden isoliert. Also schauspielert man, solange es geht. Somit generiert sich eine Minderheit, die sich als Mehrmensch versteht und die ihre Jünger (die zu manipulierenden Menschen im Volksmund auch „kleiner Mann“) durch Angstparolen klein hält.
Wer Angst, gar Existenzangst hat, ist willig und handelt im Sinne des Mehrmenschen, der seine Macht weitlich benutzt, um mehr und mehr Einflussnahme zu erwirken. Die Zweiklassenmentalität entsteht: hier der wohlhabende, weil machtausübende Mehrmensch und dort der um seine Existenz kämpfende „Jünger“.
Der Jünger kann diesen einseitigen Kampf nicht gewinnen, es sei denn, er mobilisiert die Massen und Menschen protestieren mit Hingabe und Durchhaltevermögen für ihr Recht. Kleine, gewollte Erfolge suggerieren dem Jünger, Einfluss zu gewinnen, doch der Mehrmensch hat das längst in seinem Sinn eingeplant, innerlich abgeschrieben und steuert weiter stetig und geradeaus seine Ziele an, die letztlich mit der vollständigen Unterwerfung des kleinen Mannes („Jüngers“) enden sollen.
Fazit:
Eine kleine Elite beherrscht die „Jünger“ und deren Protagonisten (wie Politiker, Medien, Kirchen usw.). Diese Entwicklung kann mittelfristig nur zum völligen Zerfall der Sitten und dem Zusammenbruch der Gesellschaft führen. Das sind keine neuen erkenntnisse und so weint der Clown weiter und reitet ra(s)tlos auf dem Esel aus dem großen Zirkuszelt; aber vielleicht kehrt er ja irgendwann wieder zurück, dann können auch unsere Kinder wieder lachen.