09 August 2024

Entscheidungen/die/Zweite

Menschen machen, was sie wollen. Und das ist gut so. Entscheidungen zu treffen, prägt uns, sie geben uns Richtung und Form. Wer sich jedoch vor Entscheidungen scheut, bleibt oft stehen, was nicht immer falsch ist, aber letztlich in Passivität mündet. Zögerlichkeit kann eine Tugend sein, doch nicht ohne Risiko.


Wer eine Überzeugung in sich trägt, aber nicht danach handelt, verliert sich in der Grauzone der Möglichkeiten. Ein solcher Mensch wird zum Zuschauer des eigenen Lebens, ein Opportunist, der seine Chancen verpasst. Diese Menschen fügen sich oft in ein System ein, das sie lediglich anleitet und lenkt, sie verlieren dabei ihre Eigenständigkeit und werden zu „Schafen“, die fremdbestimmt existieren. Das ist nicht mein Weg.


Menschen, die Entscheidungen scheuen, berühren mich selten. Mich inspiriert der spontane Entschluss, der Mut, der zur Reflexion und zum Hinterfragen anregt. Dies ist kein Drama im großen, bunten Spektrum unserer Selbsterfahrungen, die uns formen und beeinflussen. Aber es ist eine Frage des Charakters. Und gerade hier bin ich besonders aufmerksam. Denn Charakter zeigt sich im Handeln, und das ist es, was letztlich zählt. 2024


Modernes Märchenj/über/Akzeptanz/und/Kodex

Es war einmal eine Gruppe von Menschen, die sich aus Freude am Leben an einem Ort versammelten, der für jeden zugänglich war. Zu Beginn lief alles reibungslos: Jeder brachte sich ein, hielt sich zurück, akzeptierte die anderen, und so entstand eine angenehme Atmosphäre. Die Mitglieder kamen gerne immer wieder zurück, um gemeinsam Zeit zu verbringen, zu lachen und sich wohlzufühlen.


Doch mit der Zeit begannen einige Mitglieder, sich aufgrund ihrer selbstgewählten besonderen Positionen oder persönlichen Bedürfnisse als privilegiert zu fühlen. Sie erwarteten, dass ihre speziellen Umstände von den anderen besonders anerkannt würden. Die Mehrheit hielt sich dagegen an die gemeinsamen Regeln und genoss weiterhin die Gemeinschaft. Dies führte zu Spannungen.


Die Minderheit fühlte sich missverstanden und übersehen. Sie warf der Mehrheit vor, ihre Bedürfnisse nicht ausreichend zu berücksichtigen. Doch die Mehrheit konnte diese Vorwürfe nicht nachvollziehen, da sie sich an den allgemeinen Kodex hielt und nicht auf die spezifischen Erwartungen einzelner egoistischer Mitglieder einging.


Diese Diskrepanz führte zu einer belastenden Situation, da diese Menschen versuchten, ihre Unzufriedenheit auf die Gruppe zu übertragen. Die Geschichte verdeutlicht, wie eine einst harmonische Gemeinschaft durch unterschiedliche Erwartungen und Missverständnisse belastet werden kann.


Sollte sich die Situation nicht ändern, wird es interessant sein zu sehen, wie sich die Dynamik entwickelt, wenn die Toleranz der Mehrheit nachlässt. 


Die Lehre aus dieser Geschichte könnte sein, dass es entscheidend ist, die Vielfalt der Bedürfnisse und Perspektiven innerhalb einer Gruppe zu erkennen und zu integrieren. 


Das sollte jedoch nicht um jeden Preis geschehen, insbesondere dann nicht, wenn die Minderheit keine Bereitschaft zur Anpassung zeigt und ihre eigenen Ansichten als unantastbar betrachtet. 2024




08 August 2024

Pony/Hof

Floskeln bestimmen Teile des Lebens. Nicht auf der Weide, wo der Wohlfühlfaktor wirkt, nein, es muss der Ponyhof als Vergleich zu schwerem Erleben herhalten. “Das Leben ist kein Ponyhof.” Mal ganz davon abgesehen, dass kleine Pferde auch um ihre Anerkennung kämpfen und somit der Frieden nicht immer gewährleistet ist, muss es also ein einschränkender Hof sein, den man zum Vergleich mit dem Leben heranzieht. Wer bitte denkt sich denn so etwas aus und wer bitte nimmt es so ernst, es in die Gesellschaft zu tragen? Und welche Gesellschaft akzeptiert diesen Vergleich? Ein banales Beispiel von manipulierender Wirkung und doch nur eine Floskel, die alles tarnt.

Diese Redewendung wird oft verwendet, um die Schwierigkeiten des Lebens zu betonen, als ob ein Ponyhof ein Ort der reinen Freude wäre. Dabei kämpfen selbst dort die Ponys um ihren Platz, und Frieden ist keine Selbstverständlichkeit. Der Vergleich hinkt also und zeigt, wie einfach und irreführend Floskeln sein können. 


Solche Floskeln tragen dazu bei, dass wir die wirklichen Herausforderungen des Lebens übersehen. Es ist wichtig, diese Redewendungen kritisch zu hinterfragen und ihre manipulative Wirkung zu erkennen. Nur so können wir eine klarere und ehrlichere Sicht auf das Leben entwickeln, die nicht von simplen Phrasen getrübt wird. 2024




07 August 2024

aus/gespäht

Es ist nicht damit getan, Bäume zu umarmen, wenn man nicht an die heilende Wirkung auf die Menschen glaubt. Was ich sagen will, ist, dass Menschen gerne Trends und Zeitgeistgeschichten nachlaufen, um dazuzugehören. Wenn Bäume umarmt werden, werden Bäume umarmt. Ob das im Einzelfall sinnvoll erscheint oder nicht, ist völlig sekundär. Dieses banale Beispiel setzt sich im weiteren Erleben von Menschen fort, die dem Zeitgeist genügen wollen, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Die Aufmerksamkeitsindustrie befeuert diese Trends immer wieder neu, auch alt.


Einzigartig sein, hervorzustechen, das will der Mensch. Vermutlich, um sein Dasein vor anderen so zu manifestieren, dass es zur Anerkennung reicht. Anerkennung wollen Menschen, also folgen sie dem Zeitgeist, den Trends der jeweiligen Zeit. Deren vermeintliche Authentizität ist von der Industrie längst ausgespäht. 20/24

Bis/auf/Wenige

Wer sich mit menschlichem Leben und Erleben beschäftigt, kann nur Spannung erleben, wenn ihm Erfahrung fehlt. Das ist eine steile These. Menschen überraschen mich nicht mehr. Nicht weil ich nicht mehr neugierig bin, ganz im Gegenteil. Ich kenne alle Liebeleien und Abgründe des menschlichen Lebens und nur deshalb, weil ich schon lange erlebe.


Spannend war es, Dinge zu erleben, die man nicht für möglich hielt: Landschaften, Botschaften, Machenschaften, Liebesglück und das, was dazugehört. Heute überrascht mich niemand mehr, weil ich mir arrogant einbilde, die Menschen in ihren unterschiedlichsten Facetten zu kennen. Die menschlichen Schemata laufen stets gleich ab und erschöpfen sich so in den Wiederholungen in anderer Zeit. In nächster Zeit, vor langer Zeit – Menschen sind zu allem bereit und nicht nur aus Neid.


Wer an das strikt Gute im Menschen glaubt, ist ein naiver Fantast, und wer nur an das Schlechte glaubt, scheint zumindest besser beraten, um abzuwehren. Man stelle sich eine Tasse Kaffee vor, ein Glas guten Wein – um wie viel besser geht es uns damit, als mit dem Umgang von Menschen, selbst dann, wenn wir sie lieben. Und das nur, weil wir dabei entspannen lernen, Gedanken fliegen lassen lernen, hin zu den Sternen. Mit Menschen geht das so nicht. Und das nur, weil jeder Mensch sich ach so wichtig nimmt, bis auf wenige, und selbst die suche ich nicht immer auf. 20/24

06 August 2024

Entscheidungen

 „Du musst an dich glauben, sonst wirst du dein Leben nicht ertragen. Verzweifle nicht an der Ambivalenz deiner gedanklichen Prioritäten. Bleibe auch beim Zuhören stabil. Du kannst nehmen, was du brauchst, und lassen, was du nicht brauchst, solange du gesund bist."

Deine Wahl, deine Freiheit endet nur mit dem Tod. Du kannst immer wählen: auswählen, erwählen. Die Qual der Wahl gehört ebenfalls zu deinem Leben. Das muss man wissen, bevor man Entscheidungen trifft.“ 2024

Sein/Defizit

Mutlosigkeit erlaube ich mir selten. Wenn ich den Mut zur Selbstfindung der eigenen Energie verliere, vermodere ich im grauen Rest meiner Selbst. Energisch wehre ich mich, was nicht immer gelingt. Doch oft genug, wenn ich daran denke - hier im Alltag vorgegebener struktureller und vergeblicher Verbindlichkeit.


Ich kaufe da kein Hochzeitskleid. Gehe lieber vorüber, wenn ich die Kraft dazu aufbringen kann. Das hilft. 


Manchmal jedoch wird der Mut überfordert, dann klagt sich das Unheil ein und nagt an meinem selbstbewussten Hilfeschrei. Das ist dann nicht einerlei. Bewusstes Erleben hilft? Wie geht das? Der Mut unterstützt doch nur die Mutigen und das ist sein großes Defizit. 2024

Das/Unwissende/in/uns

Natürlich krame ich im Ungewissen, wie jeder Mensch. Der eine hat einen großen Pool an Unwissenheit, der andere meint zu wissen und weiß doch nur das, was er sich zugeordnet hat. Jedes Wissen erschöpft sich, nicht jeder weiß alles, aber Erfahrung löst sich ein. Diese Erfahrung, die das eigene Wissen spät nährt, ist bei jungen Menschen weniger wert, es sei denn, die jungen Menschen haben mehr erlebt als die alten, was seltener vorkommt.

Die eigene Ungewissheit quält Menschen, die meist nach totaler Kontrolle streben, auch wenn sie sich noch so progressiv geben. 


Das eigene Erleben wirbt sie jedoch irgendwann ab, und sie erkennen, dass sich das eigene Wissen dennoch beschränkt, selbst dann, wenn man über sehr viel Erfahrung verfügt. 


Es bleibt also alles unscharf: das eigene Leben, der Schutz vor sich selbst, vor anderen, das Ungewisse in uns. 2024


Mein/Pessimismus/gegenüber/der/Spezies/Mensch

Mein Pessimismus gegenüber der Spezies Mensch bleibt. Bei aller Wertschätzung des vermeintlichen Fortschritts für das eigene Leben bleibt der kritische Mensch planlos zurück, planlos, was er mit der Menschheit anfangen soll, wie er kapieren soll, was Menschen tun und auch anderen Menschen antun.


Sie legalisieren ihren vermeintlichen Gewinn an Macht und sterben doch wie alle anderen Menschen. Selbst wenn sie morden, sterben sie. Lebt es sich nicht besser, wenn man sich menschlich, sozial und empathisch durch den eigenen Zeitbereich tastet?


Die Macht des eigenen Vorteils greift allen sinnlich-seelischen Versuch einfach ab. Das zu ändern versuchte die Religion und scheiterte kläglich. Wie kann der Mensch die Lösung finden, dass es allen Menschen gut geht, gleich gut geht, gleich, von mir aus, auf niedrigem Niveau, Hauptsache gleich? Nicht im Ansinnen? Doch! Denn anders wird es nicht gehen!


Die gesellschaftlich ernannten sogenannten „Übermenschen“ müssten sich zurücknehmen und ihre Fähigkeiten zur Entwicklung der Allgemeinheit einsetzen und würden allein schon dadurch privilegiert bleiben. Doch der Mensch ist nicht so. Wie soll das denn bitte alles funktionieren? 2024


P.S. „Lass uns in Illusionen schwelgen,“ sagte die Zuversicht. „Das interessiert mich nicht,“ entgegnete der pragmatisch-geschichtliche Ansatz.


Zeitlos


Manchmal fühle ich mich zeitlos, als wäre ich aus der Zeit genommen und vom Zeitenwind verweht. Natürlich dominiert die Zeit stets, aber ich schleiche mich davon. Diese Fluchten geben mir eine tragende Struktur und ein Gefühl der Freiheit. 2024

05 August 2024

Kranker/Mann

Tröste dich. Tröste dich weg von deiner Mutlosigkeit. Empfinde dich. Überschätze dich. Schätze dein Ich. Es gibt nur dich, wenn niemand neben dir steht, hinter dir. Dein Ich.


Gehe damit um. Wie du das machst, bleibt dir. Nur dir. Es ist niemand da, fremde Kritik ist nicht da. Entwickle dich. Bereite dich vor. Am besten auf das Nichts. Oder auf mehr, wenn du mehr erwartest.


Ströme von Menschen leben so. Sie sehen nicht die Sehenden, die Blinden. Nicht mal das. Es kann gut gehen, wird gut gehen, denn du bist in diesem Moment nur dir verantwortlich, wenn du dich selbst betrügen möchtest, von mir aus ein Leben lang.


Schau, so stirbst du genauso wie ein Mensch, der anderes wählte. Legal egal verkörperst du den Schein deines Seins, das du für dich priorisierst und niemand, niemand kommt dann gegen dich an, es sei denn, du bist ein kranker Mann.  20/24

Nichts/Wert

Weisheiten, die niemand hören will, sind nichts wert. Es sind sowieso Kleinigkeiten vor dem Hintergrund unwissender Lethargie. Fehlende Bereitschaft zur intellektuellen Selbstpflege in Ermangelung von Stilmitteln tut das Übrige dazu. Loyal zu bleiben ist da großer Mist; kritisiert doch einfach im Gleichschritt und ihr werdet sehen, eure Weisheiten verbrauchen sich im Schatten der eigenen Bedürfnisse nach populären Aussagen. 


Schreibt doch, was ihr wollt. Sie lesen es, oder nicht, werten es, oder nicht, finden ihr Gleichgewicht, oder nicht. Wohl an, ihr Ritter des ausgewogenen Defizits, beglückt uns weiter mit den Wahrheiten, die ihr als wahr empfindet, bis ihr wieder Besseres findet. 2024

Ganz/Sicher/Nicht

Launen sind einfach da. Boshaftigkeiten können sich entwickeln. Man schüttelt sich, wehrt sich nicht. Ein Ungleichgewicht entsteht, die Balance verschiebt sich, Pflöcke werden in den Boden getrieben. Scheinbar hat das seinen Wert, der sich mir nie erschließen wird. Launig, das harte Brot der subjektiven Einschätzung, als Laune der Natur? Mitnichten.


In Freiheit gibt es keine Pflichten? Das ficht an, irgendwann. Kehrt zu dir zurück. Man muss das nicht einmal zulassen wollen. Launen erträgt man nur von Menschen, die den eigenen Lebensraum entgrenzen, von anderen ganz sicher nicht. 2024


Dazwischen

Ich fühle mich manchmal dazwischen. Zwischen meiner Arroganz um das Leben und der Erkenntnis, nur dieses kleine Licht im Kosmos zu sein. Dazwischen, zwischen Eitelkeit und Toleranz, Authentizität und Mummenschanz, zwischen selbstbewusst und Babykind. Dazwischen lebe ich, dazwischen bete ich. Zwischen emotionalem Kassensturz, Blutwurz, meiner Lethargie, der Reiselust und aufgeschürftem Knie. Verunsichert versichere ich mir mein Dazwischen. Es ist der Raum, der zulässt. Der Zwischenraum. Man sieht ihn gar nicht, oder doch. Räume sind per se interessant. Zwischenräume. Dazwischen Träume. 2024

04 August 2024

Tanzen

Tanzen. 

Miteinander bewegen. Zueinander. Vielleicht allein, aber nie ganz allein. Wer tanzt, lebt. Wer nicht tanzt, lebt auch, wenn er singt. Wenn die Melodie noch in ihm klingt, wie beim Tanz. Menschen wollen tanzen. Wenn das Leben pulsiert, beginnt der Tanz im Leben, mit dem Leben. Selten daneben.


Tanzen. 

Der Ausdruck von Leidenschaft. Rhythmische Bewegungen im Einklang mit Musik. Bekenntnisse an Körper und Natur. Töne dringen in die Seele und der Tanz beginnt. Es ist die Musik, die uns bewegt, und die Leidenschaft, die uns antreibt.


Erschöpfung. 

Ein Teil der Wiederherstellung der Balance. Schrittfolgen in die Zukunft. Diese Tanzfläche verlässt man nicht. Es ist unsere Tanzfläche. Wenn Musik und Tanz enden, endet auch die Illusion von der Unsterblichkeit, leider. Doch solange der Rhythmus uns trägt, bleibt der Tanz des Lebens lebendig. 2024