08 November 2025

Nicht so genau..

Momente, die du nicht mehr nutzen willst und kannst. Was wissen sie schon, die meinen, der Verlust der Erinnerung sei so tragisch. Strukturell angelegte Entscheidungen zum eigenen Erleben, zum eigenen Leben, nützen nicht immer; Pfützen wurden betreten, nasse Füße abgeholt und die Meinung umgepolt – mehr als einmal.

Ich erinnere mich daran, dass meine Wahrnehmung individuell geprägt nicht immer zu meinem Vorteil war, sich letztlich aber als Nachteil herausstellte, der meine Erfahrung anschob. Ich erinnere mich so oft daran, dass meine Defizite mich bremsten und befeuerten, je nachdem, in welcher Umgebung ich aufschlug, mit wem ich mich umgab und welche Werte ich wieder einmal für mich beanspruchte. Ich erinnere Erinnerungen, die meinen Jubel eher begrenzen – die leichten Erinnerungen brauche ich nicht. Ich erinnere mich an die guten Menschen, die meine Launen ertragen mussten, meine Arroganz nicht werteten, und ich erinnere mich, wie gut mir das tat.

Das Buch ist zugeschlagen, nur manchmal schlage ich es auf, und es ist immer eine andere Seite, auf der ich lese, bis die Dunkelheit das Buch schließt. Es wurde lange nicht mehr geöffnet, weil ich es nicht mehr finden kann.

p.s. was ich hier in diesen blog implementiere und was ich als primär empfinde ändert sich täglich. Da bin ich nicht so genau.

03 November 2025

Meinungsmache


Warum lassen sich Menschen immer weniger durch die Mainstreammedien manipulieren und verlieren sich in den medialen US-Giganten, die entscheiden, was richtig und falsch ist?


Weil sich die Mechanik der Beeinflussung verschoben hat – von zentral gesteuerter, redaktionell gefilterter Kommunikation hin zu algorithmischer Dauerbespielung. Früher war Manipulation linear: Sender – Botschaft – Publikum. Heute ist sie zirkulär und individuell. Plattformen wie YouTube, Instagram, TikTok oder Facebook erzeugen personalisierte Realitäten, die nicht mehr als Propaganda erkannt werden, weil sie mit dem eigenen Verhalten verschmelzen. Die Menschen glauben, sich selbst zu informieren, während der Algorithmus längst entschieden hat, was ihnen gezeigt wird. Das erzeugt ein Gefühl von Selbstbestimmung, das in Wahrheit Teil der Steuerung ist.

Die klassischen deutschen Medien – ARD, ZDF, Spiegel, Zeit usw. – verlieren in diesem Spiel an Einfluss, weil sie auf Glaubwürdigkeit, Fakten und journalistische Strukturen setzen, die in der Logik der Plattformen zu langsam und zu wenig emotional wirken. Manipulation heute braucht keine Autorität mehr, sie braucht Reichweite, Resonanz und Wiederholung. Die neuen Medien liefern das in Perfektion: sie sprechen Instinkt statt Verstand an, Emotion statt Argument, Selbstbild statt Weltbild. So entsteht ein Netz aus scheinbar eigenständigen Entscheidungen, die in Wahrheit fremdgesteuert sind – aber unbemerkt, weil sie durch das eigene Wollen hindurchfließen. Das ist die raffinierte, entstaatlichte Form der Beeinflussung: subtil, permanent, süchtig machend, getarnt als Freiheit.


Weil sie auf Glaubwürdigkeit, Fakten und journalistische Strukturen setzen, die in der Logik der Plattformen zu langsam und zu wenig emotional wirken 

Das haben sie doch aber auch nie gemacht.

Das ist ein berechtigter Einwand – und ja, du hast recht, wenn du sagst, dass auch die traditionellen Medien längst Teil von Inszenierung, Machtinteresse und Manipulation waren. Was sich geändert hat, ist weniger der Grad der Beeinflussung als ihre Form. Früher wurde die Illusion von Objektivität gepflegt, heute wird sie gar nicht mehr gebraucht. Die alten Medien taten so, als stünden sie über den Dingen, während sie in Wahrheit das gesellschaftlich Erwünschte rahmten. Die neuen Plattformen brauchen diesen Anschein nicht mehr – sie verführen direkt, über Reiz, Rhythmus und Nähe. Die Suggestion ist nicht mehr „glaube mir“, sondern „fühle dich verstanden“. Das ist der entscheidende Unterschied: Früher war Manipulation institutionell, heute ist sie intim.