22 Mai 2025

Erbärmliches Ende - oder alles hat seine Zeit

Ein erbärmliches Ende. Etwas, das irgendwann sein muss. Etwas, das um Gelassenheit ringt – und doch nur dem banalen Willen geschuldet ist, der sich nicht klar definiert, bekennt.  Dieser Blog schließt. Alles hat seine Zeit.

Man rollt so durchs Leben. Mal langsamer, schneller, bis alles irgendwann stoppt. Stockender Verkehr im  literarischen Einerlei einer längst nicht geprüften, von mir aus demütigen Verbindung zu jenen, die das lesen wollen  –  dazu bereit waren. 

Was nicht leicht war. Schon gar nicht dann, wenn Texte von Gedankenströmen getrieben werden, die mehr fordern, als die Gewohnheit zu dulden vermag. Ich bedanke mich da nicht, warum auch. Euer "Danke" würde ich ja auch nicht erdulden wollen.

Also, Akte zu. Schwamm drüber. Aus. 

P.S.Und morgen ist wieder alles ganz anders.

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Verweigerung

Menschen ringen mit kurzatmiger Erschöpfung. Sie suchen – nach Leitplanken, nach Führung, nach einer leisen, heimlichen Entführung ins eigene Erkennen, nach Einsichten und nach einem Stolz, der sich erlaubt, zu sein.

Ich ahne, was sie wünschen: Nicht Orientierung im diffusen Licht fehlplatzierter Laternen – deren Licht zwar brennt, aber am falschen Ort. Sondern das Verlangen nach Richtung, ohne flackernde Leuchten, ohne schmerzhafte Erfahrung, ohne unreflektierte, eitle Manie, ohne blutendes Knie.

Ich lese ihre Suche, aber ich biete keine Richtung mehr an. Lieber entziehe ich mich dem intellektuellen Reflex, der sich in Worten als Wegweiser tarnt.

Ameisenkolonie

Keiner will Ameise sein, und doch wandern wir durch ihre Gänge, als wären wir geboren, zu kriechen und zu tragen.

Teil einer Kolonie, die niemals schläft, ein Kosmos aus winzigen Füßen, die Berge erklimmen, für eine Königin, die nie spricht, nur herrscht.

Wir jagen den Ameisen nach, folgen unsichtbaren Pfaden, ohne zu wissen, dass wir selbst das Summen sind, der Pulsschlag eines Baus, der uns verschlingt.

Viele schuften im Verborgenen, ihr Streben fremdbestimmt, ihre Mühen namenlos, ein Tanz ohne Applaus, ein Leben ohne Spiegel.

Und so bleibt die Angst – die Furcht, die eigene Spießigkeit zu erkennen, das schmerzliche Wissen, nur ein kleines Rädchen zu sein, ersetzbar, austauschbar, doch unentbehrlich zugleich.

Manche flüstern von Ausbruch, von Rissen im Bau, von Furchen, die nicht mehr zu glätten sind. Doch wer es wagt, legt sich mit der Stille an, mit der Königin, die schweigt, doch alles hört.

Wir fliehen vor dem Bild, eine Ameise zu sein. Doch können wir entkommen, wenn wir selbst deren Wege pflastern? Du kannst laufen. Klettern. Fliegen. Doch dem Berg entkommst du nicht.

So kreist das Spiel weiter. Wir sind die Ameisen, die wir nicht sein wollen. Doch ohne uns läuft nichts. Die Königin bleibt stumm, während wir schweigend versuchen das Gewicht der Ordnung zu tragen. 

Wollen/können

So geht das nicht.

Doch. Es geht.

Wenn man will, geht fast alles.

Sagen sie.


Wenn man aber nicht wollen kann –

was dann?


Das Wollenwollen ist es nicht.

Es ist: Wollen können – nicht wollen können.


Ihr Brüder im Geiste des eigenen Wollenkönnens –

ihr versteht nicht.


Manchmal muss man Wollen erzwingen.

Manchmal ist das kontraproduktiv.


Wer erkennt, wann wer was wollen will, nicht wollen will?

Das müssen wir auch noch wollen.


Wer resigniert vor seinem Wollenwollen –

nicht können.


Oder: Können wir, obwohl wir wollen wollen

und glauben, nicht wollen zu können?


Diese Entscheidung trifft nicht jeder für sich allein.

Er muss es können: wollen können. 

Wohlwollend können wollen.


Der, der nicht wollen kann, ist noch nicht frei.

Aber der, der nicht mehr wissen will, ob er will –

der ist schon im Schatten seines letzten Angebots

an die gesellschaftliche Lethargie.

You`re wrong

Kalter Rauch (k)riecht ins T-Shirt. Zigarrenstummel nach Zigarrenstummel beschweren das gänsekotverseuchte Gras. Wieder wird  am falschen Ende das Leben angezündet.

You’re wrong.

Nicht zum ersten Mal.

Die Schachteln gehen nicht aus, die Zigarillos auch nicht. Keine Damenmundstücke. Die Zeit wird genutzt, um Pause zu machen – Zigarillospause. Es entsteht eine einzige, umfassende Pause. Einatmen, ausatmen. Keine Zeit zum Husten. Morgens vielleicht.

Kleine rote Schachteln priorisieren das eigene Ich. Sie vereinnahmen die innere Zensur – fast rund um die Uhr.

Schlafend raucht man nicht. Man schläft nur kürzer, wegen der Nikotinbalance. Ein Ausgleich zur innerlichen Veruntreuung eigener Werte.

Im Zentrum liegt immer nur das eigene Ich. Vielleicht sogar genetisch. Vielleicht auch nur als Ausrede.

Klappstuhl, sitzen, genießen

Wenn sie Blumen wollen, schenke sie ihnen. Sie werden nicht sagen, dass sie Blumen gern haben. Vielleicht einmal, zweimal – wenn du es vergessen hast. Sie wollen Blumen, glaube mir. Männer wollen keine Blumen kaufen. Sie haben keinen Bezug dazu. Einige vielleicht, aber nur deshalb, weil sie sich am Erfreuen freuen, nicht wegen der Blumen an sich.

Wobei hier nur Schnittblumen gemeint sind. Diese Schnellverblüher, die – abgeschnitten – nur dem Zweck dienen, die Damen zu vergnügen. Wie die Männer, die sie verschenken, um auch Ansprüchen zu genügen. Ansprüche zu stellen – das wird aber lieber vergessen.

Dann gibt es dieses Sommerblumenfeld. Das, liebe Damen und Herren, ist eine andere Nummer: 

Klappstuhl, sitzen, genießen. 

Doch dann kommen die Kolonien von Selbstpflückern – und vergessen zu bezahlen! Das gehört sich nun wirklich nicht.

21 Mai 2025

Regenjacke

An meiner Stelle wäre ich still. Ich muss mich aber erst an meiner Stelle verstehen lernen. So viele Jahre haben nicht geholfen. Das ist das Nichtverstehen – egal, wie alt man wird. Das Leben versteht man nicht. Es mag sie geben, diese überfliegenden, summenden Bienen. Doch wer Honig will, darf sich vor dem Stich nicht fürchten.

Leben heißt: verstehen lernen. So sagen die wahren Gelehrten. Denen traue ich sowieso nicht. Was verstehen sie schon von dem, was sie anderen anbieten – was jene zu verstehen hätten? 

Man kann da auch einfach wegbleiben. 

Gute Musik. Und da darf man streiten, was für wen gute Musik ist – sein soll. Manche finden eigene Musik nur gut, weil sie ein anderer gut findet. Als Leihgabe. Das ist ihr gutes Recht. Sie fühlen sich dabei nicht gefangen in dem, was ihnen angeboten wird.

Locker bleiben.

Wer bleibt denn schon locker, wenn sich in all den Jahren keine Entwicklung andeutet? Dadurch, dass man sieht, wie sich Leute verhalten, lernt man nichts existenzielles. Durch eigenes Wollen – und dem damit auch verbundenen Scheitern – vielleicht. Aber das weiß ich nicht so genau. 

Wer kann das sagen? Wer traut sich? Sind diese Menschen dann solide präpariert – oder haben sie wirklich ihr Leben kapiert, kopiert? Ich weiß das nicht. Schaue da mittlerweile nicht mehr hin.

Danach steht mir nicht der Sinn zu sehen– wie sie sich an das herantasten, was ihnen die eigene Realität, Wichtigkeit zuschiebt. Dieses Sieb.

Bullauge. Treffer. Hole in one. Alles falsche Siege, die den Verlierer vernachlässigen. Der wird dadurch auch nicht klüger. Und weiß nicht damit umzugehen.

Regenjacke an. Dann bin ich wenigstens gegen das Unwetter geschützt. 


Die Katze und der Elefant

Ein Elefant und eine Katze, zwei Wesen inmitten eines Wettlaufs, der niemals wirklich beginnen will. Die Katze, geistig unbeweglich, fast töricht, steht reglos da, während leise Tränen ihr Gesicht benetzen. Sie könnte gewinnen – wenn sie nur wollte –, doch der Wille fehlt, der Impuls, die Energie. Ihre Dummheit ist nicht einfach nur ein Mangel, sie ist eine stille Resignation, ein Verzicht auf das, was möglich wäre.

Der Elefant hingegen, schwer und mächtig, sucht Zuflucht im Rausch. Vierhundert Liter Bier oder mehr fließen durch ihn hindurch, bestellt und serviert von Pit, dem Piraten der Sinne, der weiß, dass Trunkenheit der einzige Schutz ist vor der bitteren Wahrheit: Der Sieg ist unerreichbar, das Rennen selbst ein Sinnbild des Absurden. Pit streichelt den Elefanten, mildert dessen Frustration, schafft einen Raum, in dem Verzweiflung und Trost sich mischen.

In stillen Momenten träumt der Elefant von einer anderen Katze – einer Katze, die aus ihm geboren wird, klug und siegessicher. Ein Wesen, das dort siegen könnte, wo er versagt. Doch diese Vision bleibt eine verborgene Sehnsucht, gefangen zwischen dem dichten Schleier des Alkohols und der nüchternen Erkenntnis, dass nichts hier wirklich gewinnt. Worte sind überflüssig, denn ihre Welt ist ein stiller Dialog aus Gesten, ein absurder Tanz ohne Anfang und Ende, eine Moritat des Scheiterns, zugleich verspielt, pikiert und resigniert.

So verweilen sie, der Elefant und die Katze, inmitten eines Rennens, das nicht stattfindet, gefangen in einer Welt, die zu widersprüchlich ist, um zu siegen – ein poetisches Bild für das Ringen um Sinn und die schmerzliche Schönheit des Scheiterns.

Fußnote zum Schluss

Diese Fußnote musst du nicht schreiben. Lass sie einfach ruhen. Sie durchzieht deinen Moment von Schluss – aber musst du den denn noch heroisieren? Mit Fußnote am Schluss adeln? Streite mit dir darüber. Mach es dir einfach, leicht – vielleicht lässt du sie dann besser weg.

„Blackout des Wir. Über die konstante Intoleranz“

Der Mensch lebt in der Konstanz seiner eigenen Intoleranz. In der engen Verknüpfung mit dem, was er Leben nennt. Wenn sein Ich bedroht scheint, zieht er sich zurück – in sich selbst. Es gibt Ausnahmen, ja. Aber ich bin ihnen noch nicht begegnet.

Am Ende bleibt immer das Ich. Das Ego, das offiziell verpönt ist, aber diskret kultiviert wird. Der eine kaschiert es geschickt, der andere stellt es schamlos zur Schau. Doch wehe, der Strom fällt aus – für Tage, flächendeckend. Dann zeigt sich, wer "wir" sind.

Ein Blackout würde das Ich enttarnen. Wie ein Panzer, der ein schlafendes Reh überrollt. Das Wir? Fortgespült. Die vielbeschworene Solidarität? Ein Gedanke, nicht mehr. Flüchtig, zart, schön vielleicht – aber nicht tragfähig.

Kritik will oft verbessern. Doch manchmal will sie nur den Schleier lüften. Ein Stromausfall wäre keine Metapher mehr, sondern Beweis: für die Fragilität all dessen, was wir uns als lebenswert zurechtgelegt haben.

20 Mai 2025

Nachmittag

Wer stellt mir eigentlich die Frage, was mir gefallen hat – oder zu gefallen hat? Dieser Nachmittag war gut. Einfach gut. Nur gut. Ich habe ihn zu meinem, zu unserem Nachmittag gemacht. Alle Beteiligten waren involviert, in mein Verständnis, in meine Zufriedenheit, die sich nicht schnell einstellt. Es war gut. Und doch: nie zu wiederholen. Es sind diese Momente, die einzigartig sind, weil sie einfach da sind, weil sie verschwinden, und nur wenige bemerken, dass gerade jetzt ist. 

Dieses Jetzt ruft nach dir. Immer. Es tut nichts anderes, denn es ist das Jetzt, der Bruder vom Hier – Hiersein. Kein Jing zwinkert mich an, kein Yang, kein höherer Sinn, der ruft: Achtung, Bedeutung! Darum geht es nicht. Jetzt nicht. Es geht ums Zurücklehnen, ums Lachen, um Freude, um Freunde, um Natur. Es war gut. Vielleicht lässt sich so etwas wiederholen – aber nicht dieser Moment.

19 Mai 2025

unterm/Radar

Man sieht sie am Straßenrand.

Still, neutral, offen positioniert.

Kein Busch, kein Hinterhalt.

Nur dieser Kasten.

Diese Haltung.

Diese Erwartung.


Da steht sie –

die Radarfalle,

die ein Grill ist.