12 Februar 2024

fließen oder ich/und/ich


Meine Intention beim Schreiben ist nicht, unbedingt verstanden zu werden oder gar den Anspruch zu erheben, Allgemeingültigkeit herzustellen. Auch nicht, Menschen in ihren Meinungen zu bestärken, Meinungen zu hinterfragen, mich darzubieten oder dem „Ob das wohl stimmt?“ auszuliefern. Ich schreibe auf, was mir durch den Sinn geht – auch dann, wenn es nicht verständlich scheint, nicht angepasst wirkt, Verwirrung stiftet oder für andere gänzlich daneben ist. Das bemüht mich nicht. Ich lese und schreibe, um meinen Kopf zu beschäftigen, meine Klarheit zu vermuten, zu hinterfragen – und letztlich meist ratlos zurückzubleiben.

Meine eigene Philosophie kenne ich dabei nicht. Ansprüche werden mir unwichtiger, fremde sowieso. Mein Weg führt mich vielleicht in meine mir eigene Anarchie, doch das bewerte ich nicht. Auch dann nicht, wenn es nicht stimmen sollte – weil ich mich zu wichtig, zu wenig wichtig nehme. Alles in mir und um mich herum soll fließen. Dafür bewerbe ich mich, strenge mich unangestrengt an. Glaube ich. Wenn ich mich in (m)einer Eitelkeit erwische, feiere ich das nicht. Denn beides liegt mir nicht. Ich könnte irren. Irrtümer sind eh so mein Ding. Denn Irre irren gern – und in dem Sinn fühle ich mich irr und wirr und trotze dem vielleicht auch. Aber nicht bewusst. Oder offensiv.

Ich bin auf einem Weg, doch Wege sind mir per se suspekt, weil sie meistens ausgetreten sind. Ob ich gesellschaftlich ausgetreten bin – als innerlicher Außenseiter? Das glaube ich nicht. Oder es stimmt. Meine Angst verwalte ich nicht, auch dann nicht, wenn sie zu mir spricht. Denn so bin ich nicht. Das Wort, das mich zum Schwingen bringt, heißt: „Fließen!“ Ob ich hier abgestimmt ehrlich bin? Was ich bezweifle. Vielleicht bezwecke. Und wo ich eigentlich hin will? Mein Gott – keine Ahnung!

Das mit meiner Anstrengung ist auch so ein Ding. Ich strenge mich an, nicht an – und merke es manchmal. Und meistens eben nicht. Ich lenke auch nicht mehr bewusst. Ich lenke nicht einmal mehr mich. Jedenfalls nicht wissentlich. Ich lenke nicht unbewusst aus der Routine heraus – oder vielleicht immer noch. Aber das gebe ich mir nicht zu. So vermute ich. Der Versuch, fließen zu lassen, ist mir seit jeher missglückt. Vielleicht deshalb, weil ich mich manipulieren ließ, es nicht merkte – und deshalb zu sehr gesellschaftliches Anlehnen lernte.

Anlehnen, ablehnen muss ich mich nun nur noch peripher. Weil ich ein alter weißer Mann bin, den sowieso niemand mehr auf dem Schirm hat. Was Vorteile bietet, die ich nicht für mich beanspruchen will, weil sie mir deutlich gleichgültig geworden sind. Wenn das alles zum nihilistischen Ansatz reichen sollte, wurde einiges falsch verstanden. Doch jeder wählt sein eigenes Portfolio an substanzieller Dynamik. Oder alles ist eh ganz anders. Was mir auch recht ist. Weil ich dann sowieso raus bin. Weil ich mein Inneres gelegentlich hin zur Zuversicht zu entkernen suche. Wenn ich mich da richtig verstanden habe?

Das wird mir nicht gelingen, wie ich vermute. Weil ich mich falsch einschätze, in Nuancen richtig liege, unehrlich zu mir bin – in meiner individuell angewandten Ehrlichkeit, die doch den Horizont verzieht. Den Horizont nämlich, in den ich gelegentlich schaue, um doch nicht zu erkennen, wann mich die untergehende Sonne zum Schlafen zwingt – und mein eigentlicher Traum beginnt, während meine gebrauchte Balance mit meinem Leben singt. Ringt.

 

 

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