Andechs, Bockbierfest, sofern man mich gewähren lässt. Anlässlich dieser vergorenen Zusammenkunft erneuere ich die älteste Übereinkunft des Menschen: die zwischen Durst und Bedeutung.
Das Bier und ich führen seit Jahren ein stilles Vertragsverhältnis; ich liefere die Vergänglichkeit, es liefert die Form, in der sie erträglich erscheint.
Kein Gram, kein moralischer Überbau, nur jener präzise Augenblick, in dem das erste Glas den Lärm der Welt auf Trinktemperatur herunterkühlt.
Was danach kommt, ist bereits beschlossen: das nächste Fest, der nächste Tisch, das nächste Gespräch, das sich erst im dritten Halben als Philosophie tarnt.
Mein Festgemach bleibt niemals unbewohnt; selbst der leere Krug enthält noch die Möglichkeit seines Gegenteils. Dieser Schluck noch, und dann der nächste – nicht aus Gewohnheit, sondern aus Konsequenz.
Denn wer im Bockbier den bloßen Rausch erkennt, hat dessen eigentliche Funktion verkannt: Es ist kein Getränk, sondern eine vorübergehende Aufhebung der Differenz zwischen Mensch und Moment.
Das Bockbierfest gibt mir nicht den Rest, sondern für wenige Stunden das Gefühl, keiner Ergänzung mehr zu bedürfen.
Hier sitze ich, mit mir, mit dem Lärm, mit der nächsten halben Ewigkeit im halben Bier.
Mai26`