17 September 2024

Immer/wieder

Die Wiederholung holt auf. Sie kramt immer wieder dieselben Themen hervor, und wer sie oft hört, wiederholt hört, ist entweder genervt oder beginnt zu glauben, was ihm erzählt wird – selbst wenn er vorher kritisch dem Sachverhalt gegenüberstand.

Wenn der und der dasselbe sagen und immer wiederholen, muss es doch Substanz haben? Je mehr Menschen also denselben Sachverhalt immer wieder betonen, desto mehr schließen sich andere dem an – denn alle können ja nicht falsch liegen?

Der Punkt ist jedoch, dass anfangs nur eine Person diesen Standpunkt immer wiederholte, den dann andere übernahmen. 

So entsteht der Eindruck, dieser Sachverhalt sei unumstößlich, weil viele Personen ja nicht irren können. Wiederholungen manipulieren die, die dafür empfänglich sind. 2024

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wir

Die kapitalisierte Welt, Menschen – verstehe ich. Was bleibt uns auch übrig, als uns an den Schwächen anderer zu bereichern? Das steckt tief in unserer Evolution, geformt von Millionen Jahren Überlebenskampf. Schon bei kleinen Kindern, die noch nicht an die Werte dieser Welt angepasst sind, siehst du es: Missgunst, das Ich-Denken. Das „meins“ kommt ganz natürlich, lange bevor wir verstehen, was es heißt, zu teilen. Später wird dieses Verhalten gesellschaftlich akzeptiert, sogar gefördert. Und so wird jeder zum Außenseiter gestempelt, der es wagt, anders zu denken. Der das friedliche Nebeneinander bevorzugt und den anderen so respektiert, wie er ist.

Materielle Vorteile bestimmen, wer zählt. Wer sich diese Vorteile erarbeitet, erkauft, erschwindelt oder erobert – egal auf welche Weise – ist jemand. Es interessiert niemanden, welcher Intellekt oder welches Wertegefühl dahintersteckt. Empathie? Eine verlorene Tugend. Es zählt nur der Status, der Besitz, der Gewinn.

Das ist hausgemacht, aber es hat seine Wurzeln tief in unserer Vergangenheit. Eine Norm, die von uns selbst erschaffen wurde, weil wir nie wirklich von unseren evolutionären Trieben losgekommen sind. Wir eifern jenen nach, die die Macht bereits haben – ob verdient oder nicht, spielt keine Rolle. 

Denn der Mensch bleibt, wie er ist. Das ändert niemand. Wenn es um den eigenen Vorteil geht, wird rücksichtslos gehandelt. Und der Mitmensch? Er wird zur Randfigur. Das „Du-oder-Ich“-System setzt sich immer durch. Lieber ich als du. Nur wenn es mir gut geht, kann es ein „Wir“ geben.

Dieses „Wir“ – wie oft ist es nur eine Maske? Ein Mittel, um durch Krisen zu kommen. Ein „Wir“ gibt es nur, wenn das „Ich“ davon profitiert. Wenn es jedoch der andere braucht, wird es hinterfragt, vielleicht sogar verraten – wenn es dem eigenen Vorteil dient.

Und Menschen sind nicht so? Es gibt doch auch andere? Ja, vielleicht. Aber selbst die, die an das friedliche Nebeneinander glauben, sind oft Außenseiter in dieser Welt. In einer Gesellschaft, die darauf aufgebaut ist, zu konkurrieren und sich zu behaupten, bleibt wenig Platz für diejenigen, die nach etwas anderem streben. Respekt, Toleranz, gegenseitiges Verstehen – schöne Worte, doch die Evolution hat uns andere Lektionen gelehrt. 2024

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15 September 2024

vergiß/das/nicht

Wenn man die falsche Wirklichkeit findet, wird man sich darüber Gedanken machen müssen, weshalb das einem selbst passiert. Man ist doch die eine reale Welt gewohnt, die einzige richtige Wirklichkeit, nämlich die eigene.

Warum sollte die falsche Wirklichkeit ausgerechnet mich belasten wollen? Was treibt sie dazu an? Sie soll doch da bleiben, wo sie hingehört, sagt mein Schutz zu mir, dem ich blind vertraue. Sollen sich doch andere darüber den Kopf zerbrechen, was mich nicht angehen kann. Meine Realitäten sind doch längst bekannt, durch mich benannt worden, wenn auch oft unbewusst, bewusst.

Später erst wurde mir das Unbewusste mehr bewusst gemacht. Das wollte sich dann zum Frust investieren, hochpotenzieren, ohne mich. Ich ging da dann weg. Weg von der Realität längst verbrauchter Tage, der für andere der Morgen war, als neue Erkenntnis für die eigene Bereitstellung der Lebensberechtigung an sich.

Da bin ich durch, dahin kehre ich nicht mehr zurück. Meine Erkenntnis, die Erleuchtung der anderen zum vermeintlichen Glück? Die Sonne, den bedeckten Himmel sehe ich genauso wie jene, die zu erkennen glauben, wie Leben funktioniert, so ambitioniert. Ich weiß das nicht, schon gar nicht pauschal. Wer wissen will, wie Leben geht, der kann gerne in seinen Illusionen aufgehen und weiter herumkramen an dem, was er glaubt als wichtig anzusehen, seine Wünsche definieren – sie werden nicht erfüllt werden, nicht allumfassend.

Das Leben trifft einfach ein. Der Tod auch. Beide fragen nicht nach. Nicht nach dir, mir. Sie stellen sich nicht vor, auch das Leben nicht. Es stellt sich vor dich hin: "Hier bin ich" und dann lernst du damit umzugehen oder eben nicht. Das Leben verlangt von dir, fordert dich immer wieder. Es will deine Priorität haben, gewinnen, egal mit welcher Wirklichkeit du dich identifizierst, oder mit welchem Glauben du dich ausstattest.

Du kannst dich auf die ständige Lauer legen - oder ganz einfach nur auf die Mauer liegend in den sich verändernden Himmel schauen, den Vögeln zuschauen und nichts für dich geschehen lassen. Vergiss das nicht. 2024

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