10 Januar 2013

global/plastik


vor einigen jahren entdeckte man weit draußen im nordpazifischen ozean eine kreiselnde strömung mit etwa 100 millionen tonnen plastikmüll. das phänomen fand sich auch im nordatlantik. inzwischen vermuten strömungsforscher einen müllstrudel auch südlich des äquators. wissenschaftler versuchen herauszufinden, was plastik im meer eigentlich anrichtet. 

dabei geht es nicht nur um strangulierte seelöwen, erstickte vögel und tödlich verletzte schildkröten. chemiker und meeresbiologen haben festgestellt, dass die eigentliche gefahr in der toxischen wirkung des plastiks auf die meeresfauna und -flora liegt. sie scheint wesentlich höher zu sein, als bisher angenommen.

erst kürzlich fanden wissenschaftler heraus, dass sich in weitaus größerem rahmen als bisher angenommen in der arktischen tiefsee große mengen müll am meeresboden befinden. so ist der plastikmüll längst zu einem globalen problem geworden, dessen lösung der anstrengungen aller bedarf. 
film: plastik, der fluch der meere

09 Januar 2013

wohlstands/müll


niemals zuvor in der geschichte haben junge menschen so viel einwegmüll und elektroschrott verursacht, elektrizität infolge der digitalen kommunikation verbraucht, textilien verschlissen, konsumgüter angehäuft und vor allem flugreisen genutzt. heute schaffen es menschen locker, bis zum 20. lebensjahr mehr co2 zu verursachen, als mein großvater während seines gesamten lebens. eltern und lehrer überschlagen sich förmlich, kindern und jugendlichen hinter der fassade von weltoffenheit einen komfortablen und globalen lebensstil anzutrainieren. die stets bekundete alibi-hoffnung, dass die jeweils nächsten generationen zum träger einer nachhaltigkeitswende würden, ist vollends pervertiert.
volkswirt und attac-berater nico paech(jahrgang 1960) im interview mit elisabeth dostert, süddeutsche zeitung, 6. september 2012, s. 21

glücks/pfennig


die welt: also spielt geld doch eine wichtige rolle beim glück?
ruckriegel: ja, die glücksforschung hat herausgefunden, dass das subjektive wohlbefinden zunächst steigt, je mehr geld ein mensch zur verfügung hat. allerdings hat der glücksatlas 2011 gezeigt, dass in deutschland ab einem monatseinkommen von rund 5000 euro netto eine grenze erreicht ist. 
weitere steigerungen führen kaum mehr zu einer erhöhung der lebenszufriedenheit. 5000 euro sind nicht gerade wenig, aber es kommt hier nicht auf das absolute einkommen an, sondern auf die stellung in der gesellschaft, die darin zum ausdruck kommt.
weltweite befragungen zur lebenszufriedenheit im zeitablauf geben nämlich eine klare auskunft: obwohl in den westlichen industrieländern die einkommen seit den 60er-jahren massiv gestiegen sind, nahm die durchschnittliche lebenszufriedenheit in diesen ländern seither kaum mehr zu.
karlheinz ruckriegel. der 55-jährige volkswirt ist professor für makroökonomie und interdisziplinäre glücksforschung an der georg-simon-ohm-hochschule in nürnberg.

zäune/nur/so









von/allem/weniger


es wäre eine nachhaltige gesellschaft, die einem reduktiven paradigma folgt. das heißt, dass wir wesentlich weniger mobilität haben werden als jetzt, wesentlich weniger waren, viel weniger arbeitszeit, viel weniger fremdversorgung. das ist der vorzeichenwechsel für unsere ganze gesellschaftliche praxis. das bedeutet natürlich auch postwachstumsgesellschaft. mit wirtschaftswachstum geht das alles überhaupt nicht zusammen. politisch geht es um eine penetration aller gesellschaftlichen felder durch dieses “von allem weniger”.

harald welzer (jahrgang 1958), dozent für sozialpsychologie an der universität witten/herdecke im interview mit dem philosophie-magazin, ausgabe 1/2013


mid/sommer/nacht

nur drei bretter, nur drei pfosten
ich sah euch vor einiger zeit, das lächeln und der waldweg breit, abendrot, abendbrot; wir redeten uns durch die nacht, von der weinflasche bewacht, das tatoo am lagerfeuer, braun geblasste haut, sitzkreis im frieden der sucht, suchten wir uns, dich; knisternd das feuer, knisternd die gefühle, die fahne hing selten schlaff; baden in der midsommernacht.

robben/mörder

robbenmörder du spielst klavier, deine muse ist nicht hier; sieben/meilen/zone, rotes, totes meer, stumm, kein ton, hier; kadavertreiben in der flut, brauchst keinen mut; das schlachten geht weiter, blanke wut ist in mir, zuhause steht dein klavier; robbenmörder.

da/(bei)sein

ich will nicht da sein, wenn es uns schlecht geht, menschliche kälte herrscht, dominanz primär wird, musik verboten ist, kameras das leben bewachen, kinder teppiche weben, menschen der macht zustreben; ich will nicht da sein, wenn grasflächen betoniert, wände mit parolen verschmiert, gedanken der totenkopf ziert, wenn goldene uhren die zeit begrenzen, wir die erkenntnisschule schwänzen, totengräber zuviel arbeit haben, wir uns am mana egoismus laben, blumen der manipulation dienen, menschliche züge entgleisen den schienen; ich will nicht da(bei)sein; in diesem dasein.

toter/soldat

toter soldat; deine feldpost im regen der wie feuer fällt.

ihre kinder

07 Januar 2013

schreib/tisch

schreibtisch; jahrelang genutzt, beschmutzt, kaffee weggeputzt; steht bereit,  für eine neue, alte zeit; ein letztes mal die schubladen geprüft,  drehstuhl gerückt; denkpause; der nächste schreibtisch steht zuhause.