15 Januar 2026

Menschen/meines/Lebens

Was ist aus den Menschen meines Lebens geworden? Wer ist wo, und weshalb, wie und wieso? Wer lebt noch? Die Menschen meines Lebens – ich erinnere mich nicht mehr an alle. Sie sind aus meinem Leben gegangen, und ich erinnere mich meist verhangen, wenn überhaupt. Keiner hat mich so fasziniert, dass ich mich an ihn erinnere. 

An kleine Passagen ja, an Abschnitte, Phasen, die mich ansprachen, die mich weggehen ließen, und Menschen, an die ich mich erinnere, aber nicht mehr an deren Namen. 

Sie erinnern sich nicht an mich. Sicher nicht. Ihnen geht es wie mir. Das Leben ist so, das Leben ist jetzt hier, da nicht mehr. Das ist vorbei. Namen wie Schall und Rauch. Und stehen sie vor mir und erkennen mich, ich sie nicht, kümmert mich das nicht, nicht mehr. Alles so lange her. So lange her.

Manchmal wartet da ein kleines Licht auf mich, und ich erinnere mich, dann wieder nicht. Ich erinnere mich eher an den Bösewicht, an andere vielleicht nicht. Nicht so. Ich wünsche mir, dass ich mich nur noch mit dem befasse, was jetzt ist, das wird nicht mehr von mir gehen: meine Freunde, das momentane Geschehen. Denn um sie zu vergessen, lebe ich nicht mehr lange genug. Also hier gilt kein Selbstbetrug, und das ist gut.


Rainer Schulz 15. Januar 2026

12 Januar 2026

Rote/Linien

"Sie ziehen rote Linien, die eingehalten und verwaltet werden. Warum sind sie rot? Hast du schon mal darüber nachgedacht? Rot wie das Feuer, wie das Blut. Sie könnten grün sein, bunt, alle Farben dieser Welt könnten diese Linien tragen, doch sie sind rot – deshalb soll keiner darüber gehen. Bei Bunt wäre die Versuchung groß; bei Gelb, Blau und Grün würde man es verzeihen. Vielleicht sogar bei Schwarz? Nein, das auch nicht; das wäre die nächste Farbe nach Rot. Schwarz wie Asche, wie der Tod. Rot und Schwarz sind Teufelsfarben; die wählen sie gern aus, um Menschen nicht zu legitimieren, um Grenzen in den Asphalt zu ziehen. Boshaft und meistens schnell, um die Durchfahrt zu verstellen. Linien, an denen ihre Hunde bellen und auf 'Fass!' nach vorne schnellen; räudige Gesellen, die sie ausgebildet haben, um sich an fremdem Leid zu laben. Und jene, die diese Teufelslinien ziehen, als wäre ihr Leben nur geliehen – doch stehen sie mal vor dem Jüngsten Gericht, ist Linienziehen keine Pflicht. Vielleicht bleibt dann nur eine dünne rote Linie mit schwarzem Rand, die sie dann, aus dem Nirvana verbannt."

Rainer Schulz 12. Januar 2026

Blumen im Haar

"Wenn sie dich anfangen zu fragen, sage ihnen, dass du auch nichts weißt, und sie werden dich aufnehmen, wenn du schweigst. Danach schweigst du, wenn du das gesagt hast, was du zu sagen hattest, und wenn es ihnen gefällt, dann lassen sie dich bei ihnen ruhen, mit Blumen im Haar. 

Wenn du das nicht willst, gehe deinen Weg dahin, wo diese Menschen nicht sind – aber sie sind überall. Überall vorhanden stehen sie in ihren Geboten und hinter ihren Girlanden. 

Es ist egal, ob du stehst, dich bewegst oder einfach weitergehst; sie beachten und bewerten dich nach dem, was sie kennen, auch wenn es weniger ist als du weißt. Es gibt immer einen Häuptling, der ganz oben steht, nach dem du dich richten musst, ob es urban oder im Urwald ist. 

Du küsst seine Sympathie und nur so überlebst du. Gehst du weg, führt dein Weg wieder dahin. Es gibt immer Mächtigere, Bessere, Geweihtere im Leben, als du es je sein kannst; und hast du den Gipfel erreicht, wirst du gemeuchelt und  weggeschafft."

Rainer Schulz im Jänner 2026 dem 12.