Was ist aus den Menschen meines Lebens geworden? Wer ist wo, und weshalb, wie und wieso? Wer lebt noch? Die Menschen meines Lebens – ich erinnere mich nicht mehr an alle. Sie sind aus meinem Leben gegangen, und ich erinnere mich meist verhangen, wenn überhaupt. Keiner hat mich so fasziniert, dass ich mich an ihn erinnere.
An kleine Passagen ja, an Abschnitte, Phasen, die mich ansprachen, die mich weggehen ließen, und Menschen, an die ich mich erinnere, aber nicht mehr an deren Namen.
Sie erinnern sich nicht an mich. Sicher nicht. Ihnen geht es wie mir. Das Leben ist so, das Leben ist jetzt hier, da nicht mehr. Das ist vorbei. Namen wie Schall und Rauch. Und stehen sie vor mir und erkennen mich, ich sie nicht, kümmert mich das nicht, nicht mehr. Alles so lange her. So lange her.
Manchmal wartet da ein kleines Licht auf mich, und ich erinnere mich, dann wieder nicht. Ich erinnere mich eher an den Bösewicht, an andere vielleicht nicht. Nicht so. Ich wünsche mir, dass ich mich nur noch mit dem befasse, was jetzt ist, das wird nicht mehr von mir gehen: meine Freunde, das momentane Geschehen. Denn um sie zu vergessen, lebe ich nicht mehr lange genug. Also hier gilt kein Selbstbetrug, und das ist gut.
Rainer Schulz 15. Januar 2026