ihr intellektuellen kleinverdiener – dieser text gehört euch. wenn jemand sagt, das leben sei sinnlos und gleichgültig, hört ihm zu.
nicht, weil er recht hat, sondern weil er etwas verstanden hat, das ihr vermeidet: erkenntnis ist kein trost. sie ist ein leises rauschen hinter einem system, das euch formt, verwertet und entlässt – während ihr euch einredet, frei zu sein.
zur erkenntnis gelangt ihr nur durch euer eigenes selbst – falls überhaupt. vielleicht hilft sie, das träge einverstandensein mit dem, was euch bestimmt, zu durchbrechen. vielleicht aber auch nicht. vielleicht lernt ihr es in einem anderen leben. wer will das wissen?
ich kann darauf nur hinweisen. helfen kann ich nicht. denn ich weiß nichts. gar nichts. sinnhaftigkeit ist mir fremd – auch in jener selbstreflexion, die ihr umgeht, indem ihr sie zur pose macht und dennoch dieses fünkchen hoffnung einverhandeln wollt, das euch nährt, weiterzumachen in etwas, das ihr nicht einmal bereit seid zu hinterfragen.
diejenigen, die euch führen oder begleiten, wissen ebenfalls nichts. sie haben nur gelernt, mit dem system umzugehen – besser als ihr, vielleicht. sie nennen das freiheit. um sie zu ertragen, brauchen sie zuversicht – ein placebo, das durch das endlose warten trägt, ohne je zu erlösen.
doch nur diese frühe erkenntnis hilft, den eigenen weg rechtzeitig freudig zu machen – nicht durch optimismus, sondern durch das bewusste loslassen all dessen, was nichts bringt. diese form von klarheit hat mit religion nichts zu tun. sie ist kein glauben. sie ist ein abstreifen. sie ist nackt.
wenn das sinnlose egal übernimmt, ist es längst zu spät. euer leben liegt dann bereits in scherben – oder in der freudigen anpassung, die wie ein lächeln auf einem toten wirkt. geboren, gestorben – mehr bleibt kaum. das übrige ist rahmenprogramm.
ihr könnt euer ich aufblasen, euch erhöhen, euch bewundern. doch das bedeutet nichts. ihr könnt menschen verführen, beeindrucken, binden – doch gerade sie werden es sein, die euch später stören, wenn das alter euch endlich ruhe anbietet.
alles vergeht. niemand erinnert sich. in tausend jahren werden kinder geboren, die das system erneut zu begreifen versuchen – vielleicht wiedergeboren, vielleicht als ein neuer mythos, vielleicht als ein weiterer jesus, den es gab oder nicht gab. es ist gleichgültig. das ego-egal-leben übernimmt sowieso.
ihr bleibt kleinunternehmer eurer eigenen unwissenheit. und die evolution kennt kein mitleid – nur funktion. euer überleben endet mit dem tod, der euch nicht verzeiht, dass ihr zu dumm wart, euer leben kennen zu lernen.
versüßt euch also euren kirchentod. fangt an, still zu werden. denkt – wenn auch spät. das system da draußen kennt keine pause, keine rücksicht, keine trauer. es läuft. auch über euren sarg hinweg.