14 März 2025

traurig oder freudig

ich bin traurig mit dir. um dich. mit mir um deinetwillen, oder freudig, nur das ist empathie.“

bleibst/du

du kannst ruhig gehen, als ein schatten dessen, was kommen muss. bleibst du, wenn die sonne untergeht?

nicht/gebraucht

das grausen vor der nacktheit überfällt mich nicht, wenn körper sich einigen zur ästhetik im selbstgefälligen bereich. auf, ihr models, zieht euch aus und an, verbleibt auf dem laufsteg eurer gefesselten eitelkeit. alles ist gut, nur mut. ich schaue hin. zu euch. dort sind keine alten menschen, die sich jung fühlen. sie werden nicht gebraucht.

lebender/tote

man muss nicht tot sein, um tot zu sein. das ist eine illusion. wenn man tot ist, ist man tot. soviel dazu. wer ohne den tod tot ist, ist oft in not. ab und zu schaue ich mal vorbei, verorte mich. gelegentlich. es sei denn, der innere tod ist gewollt – was oft nicht der fall ist. 

der tote selbst merkt das nicht. der tote, der nicht tot ist, sondern sich tot fühlt oder eben nicht – das ist das problem, das ich mir mal eben schnell erschaffen habe. 

oder besser gesagt: die gedanken, die es transportieren. tot ist tot. das tote ist jedenfalls tot. das bestreitet auch niemand. doch es geht um: den toten, der lebt. wenn er es denn will.

abhängigkeit

das schreckliche ist immer der abhang. manchmal auch der abgang. der abgang vom abhang, das allerdings ist nicht bodenständig. der blick stürzt ab, hinunter. die hand rettet das aufwärts. ein doppelter wille negiert den abfluss der gedanken vom vermeintlichen tod. wir klammern uns an den willen zur richtigen wahl. die uns erschrickt, so planlos vorüberschauend. testet nicht so oft. es könnte gelingen, denn der abhang wartet gelegentlich. seid auf der hut vor den betrügern, die den abhang heroisieren, den abgang improvisieren für ihren todessold, ihre gierigen, goldgelobten schicksalsboten umgarnen die vermeintliche gefahr. ich bleibe da weg, denn das ist nicht verboten.

sing/stunde

für mich ist mitternacht um acht. nachtsingvogel, singe für mich. vier stunden lang, die ich nicht hier sein will, und du nicht. um mitternacht ist es nicht hell, also stelle ich die uhr auf meine zeit ein. die nachtigall schaut auf die uhr, neigt den kopf, singt, bis sie nicht mehr kann. doch sie ist erst um mitternacht dran.

zahlen/zu/sätzen

buchstaben zu worten, worte zu texten. 500.000.000.000 euro. das sind 500 milliarden euro. so ist das wenn sich buchstaben zu worte entwickeln, worte zu sätzen und wenn dann noch zahlen involviert sind. 500 milliardenmal.


ausgeglichen/gierig

o, wie ausgeglichen gierig ihr seid – nach dem, was euch ausmacht. ihr schurken längst verbrauchter sozialer resonanz, ausgeglichen renitent. das mantra eurer schurkerei wölbt sich in den schlund dessen, was als reaktion auf eure eitelkeit übrig zu bleiben bereit ist.

ihr schlagt unerbittlich in dieselbe kerbe, die euren vermeintlichen wohlstand sichern soll – jenen, den ihr anderen nicht gönnen könnt, weil eure überlegenheit euer selbstwertgefühl beflügelt.

doch dies ist nur ein falscher abklatsch missglückter menschlichkeit, der euch schlicht nicht tangieren kann, weil ihr nicht bereit seid, zu erkennen, dass ihr selbst nicht überleben werdet. das aber ist sicher.

grabkammer der naivität

längst zum sterben ausgelotet, überlebt europa in den grabkammern eigener naivität – sie sind noch nicht verschlossen, europa atmet noch etwas. feuerhunde bedrohen das grab, wollen eindringen und ihr werk vollenden. es genügt nicht, zu glauben, dass sie einfach weggehen werden, weil der löwe sie vertreiben könnte – denn der löwe zielt auch präzise. wer schließt das verostete tor auf? wer nimmt das risiko in kauf und erobert jenen elefanten, der alle besiegen kann?

„insel des ungestillten feuers."

es gibt eine insel im meer, auf der ein feuerschlot raucht. das wasser des meeres vermag den erguss nicht zu löschen – erst wenn die insel verglüht ist und die lava im meer erkaltet, bleibt das verbrannte relikt zurück, das nicht überspült werden konnte. 

die insel hätte sich leicht retten lassen, wäre das wasser des ozeans zugänglich gewesen, statt nur an den rändern zu dümpeln und den brand nicht zu verhindern. oft genügt ein wenig wasser aus dem großen meer, um das unkontrollierte feuer zu ersticken.

13 März 2025

philosophische/facetten

die facetten philosophischer bedenklichkeit sind inzwischen abgegriffen. was kommt, wird spekuliert, spekulation verwandelt sich in überzeugung, in vermittlung und weitervermittlung dessen, was als möglich erscheint. tritt es ein, dann so. tritt es nicht ein, dann eben anders. so funktioniert das menschliche denken. und vor diesem so und anders so haben sie angst und hoffen, dass alles bleibt, wie es war.

doch die philosophischen prediger wissen es besser. sie sprechen in worten, die nicht verstanden werden, und sind dennoch geachtet, obwohl sie nichts leisten. sie werden gefürchtet, weil sie unberechenbar sind. dabei denken sie über das leben nach – hin und wieder auch über den tod – und gelangen zu ergebnissen, die ihrem eigenen empfinden entspringen. hausgemachte intuition, die sich nahtlos in die illusion von innovation einfügt. eine wechselseitige bestätigung, die vielleicht aus tiefster überzeugung kommt, sicher jedoch aus dem bestreben nach gewinn. 

unter/dem/bewusstsein

wäre ich das unterbewusstsein, wüsste ich, wie beeinflussung funktioniert, ohne als solche erkannt zu werden. ich wäre der raum, in dem entscheidungen fallen, bevor sie bewusst getroffen werden. keine befehle, kein aktives steuern – nur verschobene gewichte, die richtungen vorgeben, ohne dass sie auffallen.

ich würde mit erinnerungen spielen, mit erfahrungen, mit all den dingen, die sich unbemerkt verfestigen. nicht mit worten, sondern mit gewohnheiten. nicht mit argumenten, sondern mit einem gefühl von selbstverständlichkeit. was als spontane einsicht erscheint, wäre oft nur das endergebnis einer lange vorbereiteten spur.

doch wer mich begreifen will, verliert mich aus den augen. ich bin kein gegenstand, den man festhält, sondern ein prozess, der sich im moment der beobachtung wandelt. man kann sich meiner wirkung bewusst werden, aber nicht ohne weiteres entkommen.

komm/schon

nun komm schon. ich sehe doch, was du tust. du erzählst mir etwas, das du selbst nicht glauben kannst, und erwartest, dass ich es dir abnehme. als wäre das spiel, das du spielst, nur dann reizvoll, wenn jemand mitspielt. aber ich sehe es. ich sehe, wie du dich inszenierst, dich in deiner eigenen erzählung einnistest, als wäre sie wahr, nur weil du sie wiederholst.

und weißt du was? es amüsiert mich. nicht, weil ich dich nicht ernst nehme, sondern weil du es so meisterhaft beherrschst. weil du dich mit einer selbstverständlichkeit über dich selbst hinwegsetzt, die fast schon bewundernswert ist. ich nehme es hin, nicht aus nachsicht, sondern weil es ein muster ist, das mich interessiert.

aber unterschätz mich nicht. ich sehe die lücken in deiner fassade, die momente, in denen du selbst nicht mehr sicher bist, ob du dir glauben kannst. warum tust du das? ist es gewohnheit, ein reflex, oder brauchst du es, damit niemand sieht, was dahinter liegt? glaubst du wirklich, dass ich es nicht erkenne?

seltene/erden/im/kopf

seltene erden im kopf – eine bemerkung, die ich nicht als last, sondern als teil meines denkprozesses verstehe. gedanken, die sich von den gewohnten unterscheiden, werden oft als „selten“ angesehen. doch was macht sie besonders? ist es wirklich die form dieser gedanken oder eher unsere wahrnehmung dessen, was uns gewöhnlich erscheint? 

gedanken fließen in einem stetigen strom. sie sind einfach da als teil meiner reflexion, die weder nach bestätigung strebt noch das ziel hat, sich von anderen abzuheben.

die herausforderung ist, sie nicht überzubewerten. was ich denke, ist kein maßstab für irgendetwas, außer für einen eigenen prozess. 

ich versuche, diesen gedanken keinen wert zuzuschreiben, sie einfach nur zuzulassen.

doch der versuch, sie loszulassen, wegzuschreiben  ist ein ständiger prozess, der nie vollständig abgeschlossen ist. ich scheitere immer wieder.

gedanken fließen auch, wenn sie nicht im einklang mit meinem eigenen empfinden sind. sie verändere ich nicht. es ergibt sich so ein gesamtbild, ähnlich einem foto, das ich nicht bearbeiten würde, weil der moment dann so bleibt, wie er war. 

im blog zu schreiben bedeutet für mich, diese gedanken zu teilen, ohne den drang, mich zu erklären oder zu beweisen. 

es geht nicht darum, dass jeder jeden versteht. es geht nicht um anerkennung. es geht um den ausdruck dessen, was in mir lebt – roh und ungeschliffen. 

wer es lesen möchte, willkommen. wer nicht, wird es lassen. denn meine gedanken sind nicht dafür da, in ein bild zu passen. sie sind da, weil sie sein sollen.

12 März 2025

"bescheidene meinung."

weine sind nicht meine priorität. waren es nie, denn ich trinke lieber bier. bevorzugt dann, wenn ich mich betrinken will, erkläre ich auch noch den schnaps zum könig. den whiskey. und alles, was mich betäubt. zu irgendetwas muss das zeug doch gut sein. und wenn es zum früheren ableben ist. will niemand, frühzeitig nicht. frühzeitig will jeder für sich selbst definieren. geht nicht. also trinke ich. zu viel. gelegentlich, doch bewusst. allen kritikern widersprechend, die meinen, länger zu leben, länger leben zu müssen, weil ohne sie die welt ärmer wäre. vielleicht. wer das meint – das ist ok. ich betrinke mich lieber. nuanciert, aber stetig. der pegel muss die balance zur unerträglichkeit ausgleichen, als wäre er die waage, die meine empfindungen vermittelt. 

traut euch, ihr trinkenden. die gesellschaft trinkt auch. sie gibt es nur nicht zu. bis auf jene, die das ewige leben erfinden. man stelle sich vor, ewig zu leben. mit allen erfahrungen, die man mit der welt und den menschen gemacht hat. das war doch der weg, der mich zur betäubung bat. wer trinkt, stirbt. wer nicht trinkt, stirbt auch. das ist doch eine einfache geschichte. nur wer sein ganzes erleben im leben auf sich nimmt, ohne betäubungsmöglichkeit – dem ist nach meiner bescheidenen meinung nicht mehr zu helfen.

recherchiert

recherchiere, und die wahrheit wird dir leuchten. recherchierende, wohin man sieht. sie recherchieren ihr leben und das der anderen und leiten daraus ihre schlüsse ab. soweit, so gut. dann kommt der tsunami, und sie sind überrascht. 

recherchierende können auch überrascht werden. gefüllte schubladen. und so recherchiert man, weshalb ein tsunami möglich war. oder weshalb er – trotz aller recherche – nie auftrat. sie irren. auch die superrecherchierenden irren. 

prognosen werden im leben begraben. doch die recherche scheint sicherheit zu suggerieren. belastbares material. wen belastet es, weshalb, und was fangen wir mit dem ergebnis an? wir belasten also. dich oder dich. menschen sind es allemal. alle mal. jeder malt seine meinung an. bunt wollen fast alle menschen. belastbar. sonst wählen sie die farben, die übrig bleiben. 

die möglichkeit des draufloslebens wird nicht recherchiert. eher negiert. gesellschaftlich. man nimmt der recherche einfach die wucht und huldigt dann trotzdem dem ergebnis. 

darauf sind wir stolz. stolz auf unsere wahl, die keine weitere kritik benötigt, weil sie ja recherchiert ist.

nicht/bereit

die welt dreht sich weiter, dreht sich uns entgegen, gegen uns. es ist eine schraube, die sich immer weiter zuzieht, ohne pause. und wir? wir stehen da, in unserem käfig, den wir uns selbst erbaut haben. wir, die wir nicht gelernt haben, die gefahren zu erkennen, die vor uns liegen. 

immer wieder wurde zugesehen, ohne wirklich hinzusehen. immer wieder wurde zugelassen, dass andere die welt nach ihren regeln beherrschen. wir erkennen nicht, dass der regen, der uns nass macht, nicht durch natürliche tropfen wirkt. 

im regen wird man nass. niemand bleibt trocken, das wissen wir. so fliehen wir, wollen uns unterzustellen, doch die tropfen finden ihren weg, durch die ränder, durch das dach. 

wir flicken, reparieren, aber das tropfen hört nie auf. wir glauben, es sei der regen. doch es ist mehr. der käfig, den wir um uns selbst bauen, ist nicht aus stahl, sondern aus der bequemen naivität, dass wir das spiel verstehen, ohne es zu hinterfragen.

die mächtigen der welt stellen diesen käfig dort hin, wo sie ihn brauchen. sie hängen den schlüssel an ihren bund. die sonne trocknet selten, und auch sie kann nichts daran ändern, dass der käfig bleibt. und wir? wir glauben noch immer, dass wir den ausweg finden, während wir nie wirklich gelernt haben, wie wir den käfig erkennen können.

weinen später, wir erkennen, dass wir uns selbst in den käfig gesperrt haben. und dann? bauen wir den nächsten, noch enger. begreifen lange schon zur nebensache und wir sind nicht bereit. wann endlich ist es soweit?

11 März 2025

der/seesack

„mann, sie sollen mit dem seesack laufen, nicht der seesack mit ihnen.“ diese erste ansage eines vorgesetzten unteroffiziers wird mir immer in erinnerung bleiben. warum auch nicht? für mich symbolisiert sie den beginn einer erfahrung, die mich auf eine harte probe stellte und die tief im gedächtnis haften blieb. zur erklärung: ein seesack ist ein etwa 1,50 meter langer, meist grüner sack, in dem alles verstaut wird, was in der kleiderkammer ausgegeben wird, um es dann zur unterkunft zu transportieren. das zimmer, in dem wir uns befanden, war eng – mit drei dreierhochbetten, neun spinden, einem tisch und vier stühlen, sowie einer birne, die ungeschützt an einem kabel von der decke hing. der blick aus diesem zimmer war unser erster eindruck der „welt“ der bundeswehr.

wir durchliefen eine grundausbildung, die für mich schwer in der zeit zu fassen ist – drei monate? sechs wochen? es ist schwer zu sagen, weil der zeitraum sich dehnte, als sei er eine andere dimension. jedenfalls fühlte es sich lang genug an. 

als ich damals mit meinen 72 kilo den 40 kilo schweren seesack ohne vernünftigen griff über die 700 meter bis zum kompaniegebäude schleppte, merkte ich, was es bedeutet, den eigenen körper  zu spüren. es war insgesamt eine harte zeit. aber diese erfahrung hat mich nicht gebrochen, sondern geformt.

was bleibt, ist die frage: was bedeutet es, in einer solchen zeit auszuhalten? was bedeutet es, sich in einem system zurechtzufinden, das auf disziplin und strenge setzt? und ist das wirklich noch relevant? wenn wir heute zurückblicken, erscheint vieles vielleicht überholt – doch die frage nach disziplin, nach der eigenen körperlichen und geistigen belastung, ist eine, die uns immer wieder einholt, ganz gleich, in welchem zeitalter wir uns befinden. 

vielleicht hat uns das, was wir erlebten mehr geprägt, als wir es damals begriffen. und vielleicht sind es genau diese erfahrungen, die uns eine wertvolle perspektive auf die gegenwart und die zukunft geben konnten.

insane/with/me

„vertraue ich meinem anspruch oder bin ich zu unbeweglich geworden? zu instabil? des wissens fähig, des umsetzens müßig. was hält mich, hält mich auf? nein, ich tanze nicht mit euch, folge euch nicht, wenn ihr weggeht, um zu verlassen. 

der ansatz zur neuen ansage liebt mich unverkündet. jener, der mich nur noch in die hände jener treibt, die den richtigen platz gefunden haben, um in ihrem leben anzukommen. vielleicht tanze ich dann doch mit jenen den tanz zur ruhelosen dynamik.“

"ich blinke nicht."

„ich blinke nicht. biege ab. wer blinkt, zeigt dem anderen, wohin er will. den eigenen weg verlassen und auch noch blinken – das passt nicht zu mir. abbiegen ist mein hobby. spontan. dynamisch. dann fühle ich mich wohl. wer weiß schon morgens, wo er abends ist? wie mit dem motorrad. früher. weg vom eingefahrenen zielanspruch. ich biege weiter ab. das habe ich mir vorgenommen.“

schlupf/löcher

schlupflöcher finden – das macht spaß. wenn sie dann noch gesellschaftlicher art sind, umso mehr. es gibt optionen genug: konfrontation zum beispiel. oder schweigen. weggehen. weglaufen. nicht wiederkehren. später wiederkommen, das thema nicht mehr reaktivierend. es wegtragen in eine zeit, in eine gegend, die anderes erwartet – bis es dann langweilig wird, wie zuvor.

es müssen keine löcher sein, und es muss auch nicht schlüpfrig werden. hauptsache, es bleibt interessant. dort bleibe ich. vorübergehend. selbstgewählt. von euch initiiert, die ihr den sog der zeit nicht so spürt. da setze ich mich mal hin – um aufzustehen, doch wenn sich ausgetretene pfade auch dort zeigen, dann gebe ich freiwillig mein terrain an euch zurück und wünsche euch viel glück.

der geruch verbrauchter gegensätzlichkeit – der passt nicht zu mir. lieber streite ich. mit dir. oder nicht. wenn ich zu euch komme, schweige ich. zunächst. eure wolken will ich sehen, die abbildung eurer selbst am firmament, bevor ich mich ins abendrot sehne und dynamische nähe zuzulassen verspreche. was ich nicht einhalten kann, wenn der anlass nicht passt, oder wenn sich bereitschaften als falsche einheit entpuppen. 

„geschwindigkeit mit geduld“

die eigene performance auf die straße bringen. erkennen, wo das „wer“ mit dem „wie“ und „wann“ funktioniert. darauf kommt es an, so der volksmund.

die menschen geben also gas, die räder drehen durch, die reifen qualmen – und doch kommen sie keinen meter weit. weniger ps sind da manchmal mehr. da dreht nichts durch und der wagen setzt sich kontinuierlich in gang – vielleicht eher langsam, aber dennoch erreicht er irgendwann die höchste geschwindigkeit. vielleicht spät, aber doch.

egal, welchen wagen man sein eigen nennt, alle fahren dieselbe straße. manche haben mit den ampeln glück, andere werden durch rot gebremst.

wer die geschwindigkeit dem ampeltakt angleicht, kommt genauso schnell an wie der ewig wartende sportwagen, der dann auch durch das ständige anfahren und bremsen schneller verschleißt.

kürze/weitsicht

 „die brille liegt auf dem tisch. ich sehe verschwommen. das ist absicht. klares sehen bedeutet erkennen. doch ich erkenne zu viel, zu wenig, mit oder ohne brille. momentan will ich nicht klar sehen, nicht das erkennen, was offensichtlich ist, selbst wenn die brille helfen könnte. ich benötige das gesichtsfeld nicht, erahne mehr und lasse es dabei. den sonnenschein erkenne ich auch ohne hilfe, den regen jedoch will ich nicht sehen. letztlich spielt es keine rolle, ob man kurzsichtig oder weitsichtig ist, wenn die brille auf dem tisch liegt, vielleicht verschmiert oder mit einem geklebten bügel. jeder trägt seine eigene brille, seine eigene stärke, und manche menschen sind ohne diese fast blind. sie sind auf dieses hilfsmittel angewiesen, um wenigstens einen teil der welt zu erkennen, ihren eigenen weg zu finden, den sie dann als „klar“ benennen, wenn sie glauben, genau das zu sehen, was ihnen entspricht.“

lost/places

verlassene gebäude. faszination der vergangenheit. ruinen der menschlichen auseinandersetzung mit den verschiedenen lebensformen in einem gebäude, das alles beherbergte, was den menschen ausmacht: intrigen, liebe, hass, neid – die facetten, die das menschsein beinhalten. diese gebäude, die sich die natur zurückholt, ganz egal, wie lange sie frequentiert waren, was sich in ihnen abspielte, es vergeht alles wie diese gemauerten werke vergangener interaktionen, kommunifikationen, die sich als geschichtliche wahrnehmung verhalten, in denen lebenskontrukte impliziert waren, bis sich diese „lost places“ irgendwann auflösen, und die frage, welche wahrheit hier früher wohnte, schon lange niemanden mehr interessiert.

zu/dir

die welt verhält sich. bilder fallen von der mauer, die ich noch vor kurzem dort platzierte. ihre zeit ist längst vorbei. gruppenbilder. weltbilder. jahresbilder. bilder von mir und euch. sind wir blind? seht doch, die welt verhält sich. vielleicht nicht wie erwartet.

lass sie liegen, sie hatten keine zeit zu vergilben. schon jetzt nicht mehr. kopfbilder. sieh dir den pickup an, so alt wie er ist. ein platz wird sich finden, egal, wie sich die welt verhält. menschen, weit weg von mir, fliehen vor dem krieg -zu dir.


10 März 2025

schiff ohne hafen

„dankbarkeit ist kein innehalten, sondern ein vorwärtsschreiten. wer sich erinnert, verweilt nicht in der vergangenheit, sondern bewegt sich in richtung der zukunft. das vergangene bleibt nicht unverändert, es lebt in allem, was noch kommen wird. ich kann nicht danken, ohne an das kommende zu denken – ebenso wenig wie ein schiff den hafen verlässt, ohne einen neuen kurs zu setzen. stille mag eine illusion sein, doch nur die bewegung trägt die wahrheit in sich.“

nicht/rom

in der ukraine brennt das europäische haus. nicht in rom, noch nicht.

moral/apostel

der mensch isst das schwein, das schwein stirbt. der tiger frisst den menschen, der mensch stirbt.

fragst du den tiger nach seinen beweggründen? der tiger handelt aus instinkt, der mensch aus einer komplexen mischung aus moral und bewusstsein.

die distanz zwischen bloßem handeln und dem versuch, zu verstehen, verführt den menschen, das natürliche geschehen zu hinterfragen. doch dabei übersieht er, dass er selbst teil dieses unaufhaltsamen flusses ist. 

er unterliegt denselben kräften, die das leben der tiere bestimmen. und dennoch erschießt der mensch den tiger – nicht aus not, sondern aus einem moralischen urteil, das sich von der natürlichen ordnung entfernt hat.