11 März 2025

kürze/weitsicht

 „die brille liegt auf dem tisch. ich sehe verschwommen. das ist absicht. klares sehen bedeutet erkennen. doch ich erkenne zu viel, zu wenig, mit oder ohne brille. momentan will ich nicht klar sehen, nicht das erkennen, was offensichtlich ist, selbst wenn die brille helfen könnte. ich benötige das gesichtsfeld nicht, erahne mehr und lasse es dabei. den sonnenschein erkenne ich auch ohne hilfe, den regen jedoch will ich nicht sehen. letztlich spielt es keine rolle, ob man kurzsichtig oder weitsichtig ist, wenn die brille auf dem tisch liegt, vielleicht verschmiert oder mit einem geklebten bügel. jeder trägt seine eigene brille, seine eigene stärke, und manche menschen sind ohne diese fast blind. sie sind auf dieses hilfsmittel angewiesen, um wenigstens einen teil der welt zu erkennen, ihren eigenen weg zu finden, den sie dann als „klar“ benennen, wenn sie glauben, genau das zu sehen, was ihnen entspricht.“

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