Sie oder ich! Wortfetzen. Fragmente von etwas, das sich nur andeutet. Beim Zahnarzt, an der Anmeldung. Eine Mitarbeiterin, deren Miene von Miesmut und Schroffheit geprägt ist. „Mir doch egal“, sagt sie zu einer Kollegin, und ihre Haltung, fast körperlich spürbar, lässt kaum Raum für Widerspruch.
In meiner Sache jedoch ist sie präzise, beinahe scharfkantig, ohne Abweichung, ohne Umweg. Es ist keine Frage des Tonfalls, sondern der Klarheit. Ich stehe abseits, mein Blick verweilt, doch bleibt er auf Distanz – als ob ich die Szenerie nur aus der Ferne betrachte, ohne mich in ihr zu verlieren.
Doch mit den Worten „Sie oder ich“ im Raum entsteht eine ungreifbare Verschiebung. Eine Spannung, die fast greifbar wird, aber gleichzeitig entgleitet, unbestimmt, wie ein Schatten, der sich nicht fassen lässt. Es ist ein Gefühl, das sich erst im Raum aufbaut, ohne dass der Moment es wirklich erfordert. Ein Moment, in dem sich nichts tut, und doch alles verändert.
Es ist nicht meine Geschichte, so schließe ich, nicht mein Konflikt. Und doch, in dem bloßen Akt des Zuhörens, im Vorübergehen, finde ich mich in den Strudeln dieser Spannung wieder, ohne es zu wollen. Die Gedanken drängen sich auf – fremd, doch irgendwie auch vertraut. Ich verlasse die Praxis, das Gefühl von Unwohlsein bleibt, als hätte ich etwas berührt, ohne es fassen zu können. Ich ertappe mich bei dem Gedanken: Was, wenn ich in dieser Situation gewesen wäre? Was, wenn ich nicht nur Beobachter, sondern Teil des Spiels gewesen wäre?