02 April 2026

Wahnsinn

 Die Problematik liegt oft im inneren Zirkel der Vernunft, die – ausgeblendet und nicht erkennbar gemacht – den Wahnsinn fördert oder gar befeuert.

Oder anders:

Nicht reflektierte Rationalisierungsprozesse können dazu führen, dass Menschen irrationale oder destruktive Handlungen als vernünftig rechtfertigen.

April26`

01 April 2026

EINFACH MAL

Stellt euch eure Fragen. Überlegt. Mit wem und wann. Wie lange. Weshalb. Antwortet euch einfach mal.


Das ist die ultimative Aufforderung zum Systemcheck. Wenn die Welt um uns herum nur noch aus programmierten Reizen besteht, ist die ehrliche Selbstbefragung der einzige Akt der Sabotage, der noch Gewicht hat.

​Hier ist das Protokoll für den Blick in den eigenen Spiegel – ohne Filter, ohne mediales Rauschen.

​I. Die Inventur der Einflüsse (Das "Mit wem")

  • Die Frage: Wer sitzt eigentlich am Mischpult meiner Gedanken? Sind es meine eigenen Werte oder die Echos derer, denen ich (digital) folge?
  • Die Antwort: Wir sind oft nur die Summe der fünf Menschen, mit denen wir die meiste Zeit verbringen – und der fünf Algorithmen, die unseren Feed füttern. Wer das nicht erkennt, wird fremdgesteuert.

​II. Die Taktung der Stille (Das "Wann und Wie lange")

  • Die Frage: Wann war ich das letzte Mal eine Stunde lang ohne Input? Kein Handy, kein Podcast, kein Hintergrundrauschen?
  • Die Antwort: Echte Reflexion braucht die Leere. Wer die Stille nicht aushält, flieht vor sich selbst. Die Dauer der eigenen Konzentrationsfähigkeit ist das Maß der Freiheit.

​III. Die Suche nach der Kausalität (Das "Weshalb")

  • Die Frage: Warum tue ich, was ich tue? Ist es Überzeugung oder soziale Angleichung – das bloße Nachahmen von Erfolgsschablonen, um dazuzugehören?
  • Die Antwort: Das "Weshalb" ist der Stecker. Wenn man tief genug gräbt und nur noch hohle Phrasen findet, ist man Teil der Hardware. Findet man einen Funken Widerstand, beginnt die Menschwerdung.

​Der radikale Selbstversuch

​Um aus dem Modus des "biologischen Empfängers" auszubrechen, hilft kein Konsum, sondern nur der Entzug.

Antworte dir einfach mal:

Wenn heute alle Bildschirme schwarz blieben und jede externe Bestätigung wegfiele – was bliebe von deiner Identität morgen früh übrig?


​Wer auf diese Frage keine Antwort hat, sollte schleunigst anfangen, die eigene Software neu zu schreiben.

Was ist die eine Frage, die du dir heute stellst, vor der du eigentlich Angst hast?


HIRNTOT


95 Prozent der Menschen sind hirntot. Unfähig zur Reflexion. Massenware des medialen Wahnsinns.

​Wenn die Masse nur noch als biologischer Empfänger für vordefinierte Impulse existiert, reduziert sich die Gesellschaft auf ein rein mechanisches System. Es ist keine Gemeinschaft mehr, sondern ein Getriebe, das von äußeren Taktgebern am Laufen gehalten wird.

​Die Architektur der Massenware

​Dieses System basiert nicht auf komplexen Diskursen, sondern auf simplen Reiz-Reaktions-Schemata. Die Struktur dahinter lässt sich in drei wesentliche Pfeiler unterteilen:

​1. Medialer Wahnsinn

​Er fungiert als der zentrale Taktgeber. Die Notwendigkeit zur individuellen Reflexion wird durch ständige, künstliche Erregung ersetzt. Wer permanent im Modus der Reaktion gehalten wird, findet keine Zeit für die Analyse.

​2. Hirntod als Dauerzustand

​Hierbei handelt es sich um keinen medizinischen Befund, sondern um einen kognitiven Totalausfall. Wer nur noch spiegelt, was gesendet wird, nimmt am aktiven Prozess des Denkens nicht mehr teil. Die Identität verschmilzt mit dem Rauschen der Leitung.

​3. Reflexionsverbot

​Die Unfähigkeit zur Reflexion ist der notwendige Schutzmechanismus des Systems. Echte Analyse würde die künstliche Konstruktion des „stabilen Einerleis“ sofort entlarven und zum Einsturz bringen.

​Das Fazit: Hardware ohne Geist

​In dieser Rechnung bleibt nur ein minimaler Prozentsatz übrig. Wer den nötigen Pragmatismus besitzt, sieht das System als das, was es ist:

​Eine menschengemachte Struktur ohne tieferen Sinn. Sie läuft einfach weiter, solange niemand den Stecker zieht.


​Wer nicht reflektiert, leidet nicht an der Sinnlosigkeit – er ist schlicht Teil der Hardware. Während der Rest der Welt in der Bedeutungslosigkeit rotiert, bleibt die Frage: Bist du Beobachter oder nur ein weiterer Schaltkreis im System?

April '26


Èuch

Ihr mit euren Träumen. Träumt ruhig, ich lebe. Lebe noch etwas durch euch durch, an euch entlang. Vielleicht lehne ich das auch ab. Das liegt an euch. An mir.

Ich definiere euch nicht, denn jeder ist ein anderes euch, aber manche auch nicht. Sie wählen ihr gemeinsames "euch" immer wieder.

So atme ich mich entlang meiner Kennlinie, mal bleibe ich bei euch, diesem euch oder den anderen, oder bei den euchs, die mir passen, bei denen bleibe ich gerne länger.

April26`



30 März 2026

Gewissen/haft

„Hehe“, sagt mein Gewissen zu mir. Mit dem rede ich aber nicht. Sei ruhig, sagt es. Gewissenhaft prüfe ich meine Optionen. Niemals im Leben mache ich das – ich mache mir doch kein schlechtes Gewissen. Kommt nicht in Frage. Vage spüre ich den Hinterhalt. Ich drehe mich weg. „Gut gemacht“, sage ich zu mir und lobe mich.

Optionen, die sich lohnen, gibt es mit mir nicht. Ich fliege ein und bin dann da. So ganz und gar, bar. Uneinnehmbar. Ich verkläre mich zum Ritter der vorgespulten Bereitschaft, mich zu vergnügen, nicht zu genügen.

Von mir aus verfüge dich, so sagt mir mein Ich, aber beeile dich nicht.

März 26`

Halbe/halbe

In der Asketenhälfte tummle ich mich nicht herum. Das kommt nicht in Frage. Ich bin da auf der anderen Seite. Wer wo ist ... das ist nicht meine Aufgabe zu beurteilen. Ich beurteile meine Hälfte schon nicht; was sollte mich das alles angehen? Dieses „Angehen“ ist mir ohnehin zu viel. Es gibt eh nur zwei Hälften, die das Ganze zu einer runden Sache verdichten wollen. Das gelingt nicht – kann es ja auch nicht.

Mir gefällt das Gegengewicht, auch wenn es gegen mich spricht – oder gerade deswegen nicht. Eine kleine Rolle oder das große Ding wirbelt da herum. Gut so. Ich schaue zu, von meiner Seite aus, von meiner Hälfte. Gut, dass ihr drüben bleibt. Das muss so sein, sage ich mir und belüge mich vielleicht selbst dabei. Ich sage mir: „Höre mal zu, das geht dich alles nichts an.“ Doch meine Hälfte sagt: „Doch.“ Die habe ich noch nie so richtig gemocht, und deine erst recht nicht.

Ein Ganzes gibt das nie. Und das ist auch gut so. „Ganz und gar“ gibt es nämlich nicht. Eine Hälfte vielleicht, oder die Hälfte von der Hälfte – dieser Teil, der sich in unser aller Herzen schwingt. Ich halbiere nichts mehr, schaut her, nicht mehr. Zusammen sind wir stark, sagt meine Hälfte zu deiner.

März26`

Weltuntergang

Es ist wieder Zeit für den kollektiven Weltuntergang. Die Menschheit pflegt das wohlige Schaudern vor dem Abgrund und erhebt die aktuelle Sekunde zur ultimativen Katastrophe, als wäre das Leiden eine Erfindung der Neuzeit. Man schreit „Angst“ und meint damit eigentlich nur die eigene, erschrockene Vergesslichkeit darüber, dass vor uns schon Milliarden im Schlamm standen und denselben Himmel verfluchten. Wer heute den Untergang beschwört, tut dies oft mit einer bizarren Form von Eitelkeit – als sei unsere Epoche so besonders, dass sie das Recht gepachtet hätte, die letzte zu sein.

Dabei ist dieser Narzissmus der Apokalypse nichts weiter als eine selektive Amnesie. Wir starren in das mediale Grauen, lassen uns von den Vernichtungsstrategen der Schlagzeilen bespielen und glauben ernsthaft, dass Syrien, Afghanistan oder der Irak „neu“ seien. Es ist eine Beleidigung für die Geschichte, so zu tun, als hätten Dschingis Khan, Napoleon oder die Vernichtungsmaschinerie eines Adolf Hitler weniger Weltuntergang bedeutet. Die Welt ist schon tausendmal untergegangen – in den Schützengräben von Verdun, in den Steppen der Mongolei, in den brennenden Städten des Dreißigjährigen Krieges. Nur damals waren wir nicht dabei, und was wir nicht fühlten, scheint in der Arroganz der Gegenwart nicht existiert zu haben.

Heute wird das Grauen gestreamt und in Echtzeit in die Wohnzimmer projiziert, bis die psychologische Brandmauer nachgibt. Man lässt alles an sich ran, füttert die eigene Panik und übersieht dabei, dass man lediglich ein Statist in einer endlosen Wiederholung ist. Die Welt stirbt nicht erst morgen; sie befindet sich in einem permanenten Zustand des Zerfalls und des Werdens. Sie hat den Burenkrieg überstanden, den Genozid in Ruanda und das mörderische Beben des 20. Jahrhunderts. Dass sie sich heute für uns so „einzigartig schlimm“ anfühlt, liegt nur an der Gnade unserer späten Geburt und der Unfähigkeit, über den eigenen Tellerrand der Zeit zu blicken.

Der Schritt zurück, den das Alter oder die bittere Erfahrung anbietet, ist daher kein Zeichen von Schwäche, sondern die einzige logische Antwort auf diesen Lärm. Es ist die Verweigerung, sich in die Reihe derer einzustellen, die ihre eigene Überforderung für eine historische Singularität halten. Wer die „immer gleichen Lieder“ erkennt, die schon so oft gesungen wurden, gewinnt eine kühle Distanz. Man muss nicht mehr jedes Mal mitsterben, wenn die mediale Trommel gerührt wird. Man darf zuschauen, sich umdrehen und erkennen: Die Welt geht unter, ja – so wie sie es schon immer tat, während das Leben trotzdem hartnäckig weiterging.

März26`

29 März 2026

Sorte von Worten

Die Beliebigkeit der Worte

„Luftgetrocknet ist nicht immer eine tolle Idee. Manchmal ist geräuchert gut oder durchgebraten – ganz nach Belieben. Oder vakuumiert, frittiert, einkassiert. Whatever. Um was es hier geht? Keine Ahnung, da werden Buchstaben aneinandergereiht. Ergeben sich Worte, die man greifen kann, immerhin; begreifen will – das ist dann schon die Steigerung hin zum Interesse. Vorsicht davor: Wer Interesse hat, ist manipulierbar, egal welche Worte er hört. Oder das stimmt alles nicht, je nach Belieben: da oder zurückgeblieben.“

Der Lärm der Masse

„Eingeschlafen und hellwach, Stille, lauter Krach. Worte eben zu Sätzen. Benotung? Dann setzen. Weiter hetzen. Weiter nicht zuhören, weiter sich selbst stören. Worte betören, doch wer die spricht, verzichtet nicht. Extrovertierte, heiß frittierte Massenware; innovativ negiert – auch das passiert.“

Die Fassade der Professionalität

„Du bist kein Profi, nur weil du etwas lange machst. Du hast nur gelernt zu übervorteilen. Die angemessene Form wird durch Profis kaschiert – das ist es, was passiert. Der gemeinsame Ansatz schmilzt schnell, je mehr darüber nachgedacht wird.“

Das Gewicht der Existenz

„Weisheiten zuhauf nehmen zu viel Platz weg. Lebensraum – deshalb beachtet man sie kaum. Die Konzentration ist eine Ausgeburt von Angst zu versagen.“

Die finale Verweigerung

„Im Rahmen von "Selbstverwaltung" habe ich jetzt den Punkt der energielosen Belanglosigkeit präferiert – und das hat seinen Grund. Den verrate ich aber nicht; soll sich doch Gedanken machen, wer will, oder es bleiben lassen.“

März26`

Vegetarier

Medium = ~58 °C im Kern. Gern!

März26