06 Juli 2024

einfache/lösung


Das Leben erscheint oft einfacher mit einfachen Lösungen. Menschen werden gewertet und bewertet, um nicht jeden Einzelnen komplex beurteilen zu müssen. Eine Gruppe von Menschen wird so beurteilt, eine andere so. Das erleichtert schnelle Urteile.


Schon 1250 v. Chr. erfanden Menschen sogenannte Gotteszeichen und änderten ihr Leben dementsprechend. Die Astrologie war geboren. Plötzlich konnte man andere aufgrund ihres Sternzeichens einordnen und ganze Menschengruppen beurteilen. Passten Menschen nicht in diese Analyse, wurden Unterkategorien erschaffen, um das eigene Weltbild zu bewahren.


Viele Menschen wissen nicht, dass die Astrologie vor langer Zeit von Menschen entwickelt wurde, und halten sie für eine sinnvolle Beurteilungsmethode. Ja, sie glauben sogar daran, dass man Menschen danach trennen kann.


Doch wenn dieses Verhalten zur Allgemeingültigkeit erhoben wird und kein Widerspruch zugelassen ist, weil von Menschen gemachte Sternzeichen angeblich nie lügen, dann wird es gefährlich. Jeder Mensch ist individuell im Rahmen seines Menschseins.


Pauschale Beurteilungen von Gruppen wie Frauen, Männern, Weißen, Schwarzen, Christen, Juden, Buddhisten und Muslimen sind und waren immer problematisch. Sie führten oft auf falsche Fährten, in Sackgassen und zu Glaubenskriegen. Gruppenkategorisierungen wurden oft genutzt, um Menschen zu vereinfachen und zu manipulieren.


Es ist frustrierend zu sehen, wie Horoskope und Astrologie immer noch ernst genommen werden. Heute betrachten viele Menschen Horoskope als unterhaltsame Lektüre, doch gleichzeitig gibt es auch diejenigen, die Horoskope und Astrologie als ernsthafte Instrumente ansehen. Dieser Widerspruch spiegelt die Komplexität der menschlichen Suche nach Bedeutung und Selbstverständnis wider.


Wir müssen aufhören, Menschen nur durch die Linse dieser alten und überholten Konzepte zu sehen. Es ist wichtig, die Balance zu finden und Menschen als individuelle Wesen anzuerkennen, statt sie nur durch Kategorien und Pauschalisierungen zu beurteilen. Individualität und der Respekt vor dem Einzelnen sollten immer im Vordergrund stehen. Astrologie mag unterhaltsam sein, doch sollte sie niemals die Grundlage für ernsthafte Bewertungen und Entscheidungen sein. 2024


https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2021/12/astrologie-der-ursprung-von-horoskopen


https://de.wikipedia.org/wiki/Barnum-Effekt

05 Juli 2024

schwäne/dieser/welt

Ich mache keine Komplimente. Schmeicheln liegt mir nicht. Das will ich nicht. Ich umarme nicht. Begradige nichts. Biete ich Seelenangebote? Ja, doch sehr differenziert. Fast nie. Sehr, sehr selten. Ausgesucht und ausgewählt. Dann intensiv und nachhaltig.


Ich sehe mich als einen Sadhu der gemeinschaftlichen Gesellschaft, im Abseits sitzend. So könnte ich mir das vorstellen, was ich mir wünsche. So von nebenan. Die soziale Teilnahme sehr ausgewählt. Übe stetig.


Es geht nicht um mich. Diese Welt ist ein Ort sich bewegender Gegenstände. Ein Hort jedweder Information. Die Natur kümmert sich nicht um Verträge. Hier klingelt keine Tür, kein Handy, nur dort, wo Menschen sind.


Schwäne kennen nur die Natur. Sie besinnen sich auf das Überleben. Nahrungsaufnahme. Sie fahren keine Autos, sind treu dem Partner und der Natur verbunden. Das eingeschränkte Bewusstsein erlaubt keine Gedanken. Bewusstlos sind sie dennoch nicht.


Niemand macht ihnen schmeichelnde Komplimente, obwohl sie mehr mit der Natur leben als der Mensch. Und sie leben doch, ohne zu wissen, dass sie sterben werden. Der Mensch hat ein Bewusstsein, wenn auch nur eindimensional. Er glaubt, das würde ihn über die Natur stellen. Er denkt, er könne die Natur manipulieren und zu seinen Gunsten verwenden, wie er es evolutionär erlernte. Kein Schwan will die Natur verändern. Im Gegenteil, er gleicht sich ihr an. Akzeptiert. Wenn es nur Schwäne gäbe, wäre diese Welt unbelastet schön.


Warum sollte man dann Menschen Komplimente machen, die sie anspornen, noch mehr unnütze, selbstmörderische Ideen zu entwickeln? Mein einziges Kompliment gilt den Schwänen dieser Welt. 2024


03 Juli 2024

Jeder/Zeit

Triff dich nicht mit mir. Das wäre schön. So muss ich mich nicht so anstrengen, dich zu verstehen. Oder ich lasse es einfach, das Anstrengen. Triff dich mit mir. Erwarte nichts von mir. Ich nicht von dir. Treffen treffen Erwartungen. Herausgeputzt. Wer nicht trifft, erwartet nicht. Begleitet die fremde Meinung nicht und bleibt geschützt.


Bleibe einfach weg vom Treffen. Du könntest sonst die Falschen treffen, die noch falscher als die falschen Richtigen sind, wenn die überhaupt richtig sind. Das erfährst du dann nie. Neugierig? Dann musst du hin. Musst durch den Dschungel fremder, eigener Eitelkeiten, die bereitgestellt werden, jederzeit, ohne dich oder mit dir.


Glaube mir nicht und treffe dich. Sie treffen dich, nicht deinen Verzicht. Sie wählen dich, beraten dich, verraten dich, vielleicht auch nicht. Bist du gut beraten, dann gehe nicht hin und lass sie warten. 20/24

silber/oder/gold

Dieser Text prallt wirkungslos am Fortschritt ab. Geschichten und Bücher verblassen im Lauf der Zeit. Zeitungen bleiben zurück. Die vielfältige Darstellung der Welt durch Schrift geht verloren. Manche Leute hängen nostalgisch fest, aber digitale Botschaften überholen sie. Filme ersetzen Texte, und der Text weint längst nicht mehr.


Nur alte Fantasten schreiben noch, wohl wissend, dass kaum jemand ihre Worte liest. Vielleicht werden sie in Hunderten, Tausenden von Jahren, wenn die Welt anders ist, wiederentdeckt. Nostalgisch belacht, oder auch das nicht, weil Lachen nichts mehr gilt.


Texte sind ein antiquiertes Spiel für Menschen in der ausschließlich digitalen Welt. Zukünftige Chips kennen klassische Texte nicht mehr. Intellektuelle Ansprüche an Texte sind längst verblasst im Licht der zukünftigen digitalen Vorgaben.


Physische Präsenz von Schrift zählt nicht mehr, wenn Chips die Welt regieren. Eine Frage bleibt jedoch: Wer hat den besten Chip? In Silber oder Gold? Oder besser noch: Wer ist der Chiphersteller?

genaues/ungenau

So lebe ich in bewusster Unschärfe. Die Verpflichtung zur Ungenauigkeit kratzt an den Grenzen meiner intellektuellen Selbstwahrnehmung. Ich stütze mich darauf, das Ungefähre zu beobachten, ohne von den abgedroschenen Phrasen zu Lebensentwürfen beeindruckt zu sein.


In dieser Unschärfe finde ich mich selbst wieder, obwohl ich lieber distanziert neben mir stehe und auf mich herabblicke. Ich schätze mich ein, auch wenn ich es nicht will. Die Verpflichtung, das zu unterlassen, kann ich nicht eingehen, nur um mir selbst Erleichterung zu verschaffen. Doch ich versuche es immer wieder.


Es ist mehr als nur eine Beschäftigung geworden, meine eigene Wahrnehmung nicht als bindend zu empfinden. Die Zeit nicht “nutzen” zu wollen, den Nutzen nicht ständig zu reflektieren, selbst wenn es sinnvoll wäre. Ungenau zu sein, heißt für mich, das Leben beiläufig zu belauschen, die Begegnung mit der eigenen Seele durch fremde Worte einfach geschehen zu lassen.


Die wachsende Freude, nicht fest in den Lebenssituationen verankert zu sein, berauscht mich. Doch meine Handlungen hinken hinter der Erkenntnis her, im Moment zu sein, ohne in Esoterik abzugleiten. Das offenbart meine Schwäche, Menschen zu wichtig zu nehmen.


Was mir wie viel wert ist, ist nicht der Ansatz, den ich mir wünsche. Ein erklärbares Leben auch nicht. Das Leben erklärt sich nicht, Menschen selten. Scheu hindert den ersten Schritt, doch das ist nicht der Punkt. 


Ich glaube, ich strebe nicht nach einer finalen Antwort. Unschärfe zuzulassen, das ist mein Ziel. Und wenn “ungenau” das falsche Wort ist, dann war ich vielleicht einfach zu genau. 20/24

So/und/So

„Es ist mal so mit mir, oder mal so und so mit mir. Es kommt auf mich an, das mit mir; glaube mir.“


„Es kann so sein mit mir, ganz anders sein mit mir, lebend in meinem Wald in mir, Klippen, die ich nicht überspringe, keine Botschaften, die ich überbringe. Es ist mal so mit mir, oder mal so und so mit mir.“


„Es kann mal traurig sein mit mir, oder du trinkst ein Gläschen Wein mit mir, oder lacht der Vagabund in mir, oder ein leeres Blatt Papier vor mir; es ist mal so mit mir, oder mal so und so mit mir.“


„Beschreibst du das leere Blatt von mir, oder ist es mal so mit dir? Oder ganz anders so in dir, vielleicht auch nur so und so in dir?“ 2024