So lebe ich in bewusster Unschärfe. Die Verpflichtung zur Ungenauigkeit kratzt an den Grenzen meiner intellektuellen Selbstwahrnehmung. Ich stütze mich darauf, das Ungefähre zu beobachten, ohne von den abgedroschenen Phrasen zu Lebensentwürfen beeindruckt zu sein.
In dieser Unschärfe finde ich mich selbst wieder, obwohl ich lieber distanziert neben mir stehe und auf mich herabblicke. Ich schätze mich ein, auch wenn ich es nicht will. Die Verpflichtung, das zu unterlassen, kann ich nicht eingehen, nur um mir selbst Erleichterung zu verschaffen. Doch ich versuche es immer wieder.
Es ist mehr als nur eine Beschäftigung geworden, meine eigene Wahrnehmung nicht als bindend zu empfinden. Die Zeit nicht “nutzen” zu wollen, den Nutzen nicht ständig zu reflektieren, selbst wenn es sinnvoll wäre. Ungenau zu sein, heißt für mich, das Leben beiläufig zu belauschen, die Begegnung mit der eigenen Seele durch fremde Worte einfach geschehen zu lassen.
Die wachsende Freude, nicht fest in den Lebenssituationen verankert zu sein, berauscht mich. Doch meine Handlungen hinken hinter der Erkenntnis her, im Moment zu sein, ohne in Esoterik abzugleiten. Das offenbart meine Schwäche, Menschen zu wichtig zu nehmen.
Was mir wie viel wert ist, ist nicht der Ansatz, den ich mir wünsche. Ein erklärbares Leben auch nicht. Das Leben erklärt sich nicht, Menschen selten. Scheu hindert den ersten Schritt, doch das ist nicht der Punkt.
Ich glaube, ich strebe nicht nach einer finalen Antwort. Unschärfe zuzulassen, das ist mein Ziel. Und wenn “ungenau” das falsche Wort ist, dann war ich vielleicht einfach zu genau. 20/24
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