19 April 2025

der/freigeist

freigeist. wer sich so nennt, benennt sich selbst im licht der unabhängigkeit. das ist erlaubt. das steht jedem zu. ich selbst verzichte darauf – nicht aus widerstand, sondern weil ich das denken nicht zum mittel erhebe. 

ich nehme mir nicht die freiheit zu denken, sondern die freiheit, es manchmal zu lassen. nicht, um weniger zu sein, sondern um näher am sein zu bleiben.

wer sich freigeist nennt, markiert sich als anders, als erkennend, als unabhängig im geist. das kann eine haltung sein, ein weg, ein versuch. und das sei ihm gegönnt. 

vielleicht findet freiheit sich aber eher in der stille – nicht in der bezeichnung, sondern im erleben. der geist ist dann frei, wenn er nicht beweisen muss, dass er es ist.

die/frage

eine frage steht im ausgefüllten raum. starr. da wird nichts verrückt. nicht, weil man sich fürchtet, sondern weil man längst weiß, dass bewegung nichts verändern wird. vielleicht ahnt man, worum es geht. doch aus der ahnung entsteht keine geste, kein satz.

die worte, die jetzt fehlen, sind keine lücke. sie sind absicht. weil das sprechen über das, was nicht gesagt werden kann, zu laut ist.

manchmal kippt etwas, fast unmerklich. ein ton zu weich, ein augenblick zu lang. es könnte bedeutung haben – vielleicht hat es das auch –, aber niemand traut sich zuzufassen. denn das stört, was im unbewussten bewegt: lebt.

und doch – manchmal flackert es auf, ein wort, ein satz mitten im schweigen. zu direkt, zu echt, zu wenig geschützt. niemand will das gehört haben, aber alle spüren dem nach. für einen moment ist alles offen, fast gefährlich. dann – zurück in die ordnung.

vielleicht ist das die einzige form von wahrheit, die bleibt: nicht benennen, nicht besitzen, nicht richten. nicht einmal denken – nur lassen. und wer dann noch fragt, hat schon zu viel gesagt.

18 April 2025

" hier und jetzt."

„das hier und jetzt war früher da, ist jetzt da und wird zukünftig da sein. deshalb hat es nicht das gewicht, das es manchmal in prophetischen worten erhält. das hier und jetzt ist in dieser sekunde schon nicht mehr. wie kann man das heroisieren, was nicht mal eine sekunde lang hält?“

nicht/mehr

das ernstnehmen ist mein kleines, einziges problem, das ich zulasse. wen und was sollte ich ernst nehmen? 

und so beschloss ich: ich lasse es einfach. diese welt und die menschen in dieser welt will ich nicht ernst nehmen – und mich erst recht nicht. 

und schon bildet sich freiheit ab. zornig verteidige ich meinen humor. es muss ja nicht jeder wissen, dass ich ihn nicht ernst nehme. und wenn das bei allen so ist, ist ja auch keiner wirklich ausgenommen – oder eine ausnahme.

mein neues spiel beginnt. nichts ist mehr das, was mich zum ernst der lage veranlasst, weil ich es einfach nicht mehr zulasse. 

mal sehen, wie weit dieses neue spiel trägt. das spiel eines mannes, der die gelegenheit erkennt das zu tun, was ihm gefällt. 

wenn mein einziger ernst darin besteht, nichts mehr ernst zu nehmen, dann bin ich doch gesellschaftlich außen vor – und wenn ich das niemandem sage, erst recht. 

deshalb veröffentliche ich es ja jetzt, damit es niemand weiß. selbst diesen text nehme ich nicht mehr ernst. ihr solltet das auch nicht tun.

p.s. wer jetzt noch an meiner ernsthaftigkeit zweifelt...

der/unterschied

und wenn ich dann wieder in der formalen realität ankomme, bin ich nicht mehr angefixt vom eindimensionalen erleben mancher menschen. alle menschen sind gleich. niemand steht darüber. wer das mit sich, in sich, abmacht, kann nicht wackeln. 

nichts ist gleich in eurer welt. ich nehme das hin. stabilisiere mich dafür. schwer genug, wenn man sieht, wie menschen menschen behandeln, nur weil sie meinen, die besseren zu sein.

dieser irrtum, den niemand für sich zugeben will, durchzieht alle sozialen schichten – bis hin zur negierung anderer lebensformen, sei es religiöser art oder ganz allgemein. 

klarkommen damit – das ist es, was gefordert, was geboten ist. für mich, nur für mich. denn ich entscheide für mich, in meiner verantwortung vor mir selbst, die ich suche, und deshalb meistens demütig bin. es sei denn, ich verlasse meine mitte.

dann muss ich mit meinem längst verbrauchten ego kämpfen, meine stimmung dämpfen um meinem impuls, kritik zu laut nach außen zu tragen zu begegnen. 

nicht weil es falsch wäre – sondern weil es sinnlos ist, dort laut zu sein, wo niemand hinhört. das habe ich gelernt. zu begreifen, dass nicht jedes wort den raum findet, den es braucht. und dass stille manchmal das lauteste ist, was ich geben kann.

"es ist mir egal, was gewollt ist oder nicht – aber ich greife nicht mehr ein. oder selten. weil ich nichts mehr beweisen muss. ich kann damit leben nicht recht zu haben. ich möchte ruhe in mir, nicht ruhe um mich. und das ist der unterschied."

17 April 2025

zwischen/raum

es ist diese gesellschaftliche ermüdung, die mich in einen raum zieht, in dem leben und traum miteinander verschmelzen. 

hier gibt es keine klare trennung zwischen wachsein und träumen – es ist ein fließendes miteinander, das sich nicht festhalten lässt. es fühlt sich an, als würde ich gleichzeitig verlieren und finden, ohne zu wissen, wo eines endet und das andere beginnt.

dieser raum gehört nur mir, ein freiraum, in dem äußere einflüsse ihre macht verlieren. es ist der ort, an dem ich keine fragen stelle, an dem ich nicht festlege, was ich bin. ich lasse einfach zu, was kommt – ohne an den gewohnten normen des seins festzuhalten.

der traum ist nicht länger nur eine flüchtige nächtliche vision, sondern ein bestandteil des lebens, der mich prägt. das leben selbst wird zum traum, der mich weiterträgt. 

es ist kein separater raum, sondern ein fließen, das das eine ins andere überführt. in diesem raum gibt es keine trennung zwischen dem, was wir sehen, und dem, was wir fühlen.

ich bin ein träumer geworden, aber nicht im sinne eines philosophischen säufers, oder kultgeartetem  minnesänger der träume in worte versteckt, vielmehr habe ich den raum für mich gefunden, in dem das leben und der traum sich gegenseitig befruchten und erweitern. 

hier gibt es keine aufgezwungene grenze zwischen dem realen und dem surrealen – sie fließen ineinander. der illusionäre träumer, der ich geworden bin, ist nicht abgekapselt, sondern im leben eingebunden, ohne den drang, es zu kontrollieren oder zu verstehen.

ich betrete diesen raum: im ewigen tanz zwischen leben und traum, wo jeder moment eine neue möglichkeit ist, zu sein und mich zu verlieren, nur um mich in der nächsten fließenden bewegung wiederzufinden.

der/augenblick

ein augenblick – und der blick zurück. so beginnt der anfang. nie anders. zwischen zwei augenpaaren liegt ein raum, so fein gewebt, dass kaum jemand ihn bemerkt. und doch geschieht in ihm alles. ein schauen trifft ein sehen. ein erkennen tastet sich durch schweigende sekunden. keiner spricht, keiner muss. denn da ist dieses kleine, kaum fassbare nicken des moments, der sich selbst versteht.

der eine schaut. der andere hält stand. kein spiel, kein zufall – sondern etwas, das sich selbst inszeniert, noch während es geschieht. 

was war, zählt plötzlich nicht mehr. was sein wird, ist offen. aber genau hier, im gegenseitigen erkennen, beginnt etwas, das nie ganz vergeht. kein wort fällt, und doch ist alles gesagt. der anfang – er trägt immer einen blick in sich, selbst wenn ihn niemand erwidert.

16 April 2025

das märchen vom digitalen verlust

es war einmal, in einem land, das sich selbst vergaß, ein mensch, der sich aus dem rauschen der welt zurückzog. nicht aus trotz, nicht aus groll – vielmehr aus dem leisen bedürfnis, endlich wieder zu hören, wie still das eigene denken klingen kann. er lebte in einem haus ohne bildschirmzauber, ohne benachrichtigungen, ohne die flackernden farben der ewigen eile.

seine uhr war alt, sie tickte und schwieg zugleich. sie maß nicht den schlaf, nicht die schritte, nicht die flüssigkeit in seinem körper – nur die zeit, ganz schlicht, ganz ehrlich. das genügte ihm. denn er hatte verstanden: wer ständig wissen will, wie es ihm geht, hat womöglich vergessen, es einfach zu spüren.

die dorfbewohner tuschelten manchmal über ihn, nannten ihn kauzig, vielleicht sogar ignorant. doch er hörte sie nicht – oder hörte sie und lächelte. denn seine welt war keine absage an die ihre. sie war nur ein anderer weg. ein schmaler pfad, der nicht beleuchtet war, aber auch nicht verirrt.

manchmal kam jemand vorbei, neugierig, ratlos, auf der flucht vor sich selbst. sie fragten ihn, was er so triebe, so ganz ohne netz, ohne trending options, ohne likes. er zuckte mit den schultern. sprach von ruhe, von dankbarkeit, von einem denken, das nicht dauernd kommentiert werden will. er sagte: „ich konsumiere, was mir bekommt. oder eben nicht. es geht auch so.“

die kinder mochten ihn. sie nannten ihn „den mit der echten sprache“. denn er sprach einfach – und sagte doch so viel. er bewarf niemanden mit meinung, er erklärte nicht, er klagte nicht an. er lebte. in einer sprache, die niemand genderte, weil sie niemandem gehörte. 

so verging die zeit. leise. sanft. unerbittlich. wie sie das immer tut. und der mensch in seinem kleinen haus wusste, dass man nichts verändern muss, um etwas zu bewahren. man muss es nur erkennen – und loslassen, was nicht zu einem gehört. und so wurde aus einem ausstieg kein protest, sondern ein ankommen. nicht im gestern, nicht im morgen, sondern dort, wo der eigene verstand wohnen darf. märchenhaft vielleicht – aber keineswegs erfunden.

hinaus

wertebasis. jeder entwickelt sie selbst – immerhin, in seinem bescheidenen heim. doch wehe, man geht hinaus. dann knebeln sie dich, die besserwissenden. die erkenntnis darüber, dass das geschieht, ist zunächst blass. aber je tiefer man in diese welt eintaucht, desto spürbarer wird, welche gesetzmäßigkeiten nach dir greifen wollen.

sie zerren an deinem gerüst, brüskieren deinen verstand, testen deine widerstandskraft. und sie sind zäh. du kannst das zulassen – vorausgesetzt, du erkennst es. oder du wehrst dich. diese entscheidung nimmt dir niemand ab.

der witz ist: du musst gar nicht entscheiden. sie wollen nur, dass du dich positionierst. damit sie deinen wunden punkt finden. um immer weiter in dein innerstes zu rühren. um dich zum soldaten zu küren – einen, der ihre meinung, ihre werte, polarisierend in die welt treibt. so wie ein stachel. der in dir sitzt, wenn du erkennst, wo du dich aufhältst, was dich umringt. ein leben lang.

nie/wieder/vitamine oder wie/ihr

ich bin wieder so labil, im moment des jetzt. stolz bin ich aber darauf nicht, und eigentlich gar nicht. nie wieder vitamine um euren schnellen sport. fehler machen ist mein ding, im kreis drehen. verstehen und weitergehen. im lichte der substanz dessen, was andere meinen wollen – was gut sei und was nicht. mit mir geht das nicht. 

dieser teufelskreis ist so erbärmlich für mich, so denke ich, in meiner labilen, naiven struktur. nie wieder mummenschanz, lieber clown sein, das letzte leben lang. nie wieder leute belauschen, nur noch berauschen an der betankung von freiem sein im eigenen raum.. 

ich strebe nichts an, nicht mal das, was ich gut kann. keine vitamine im regen, kein handy im schlamm der verdrucksten kommunikation. 

ich will mich nicht mehr erinnern an die zeit, in der ich euch gefallen wollte. dadurch euch zu gefallen, bin ich aus meinem bild gerutscht. mein gesicht will ich mir wieder geben. mein letztes leben erleben, ohne euch, die ihr euch in eure normen wickelt. 

das kritisiere ich nicht – wie könnte ich. aufsummiertes leben im gleichklang mit  vorgegebener erwartung? um himmels willen: nein. ich bleibe lieber labil. naiv. wie ihr.

15 April 2025

das/leise/gewicht

es gibt gegenwart, die nichts fordert. sie nimmt keinen raum, sie gibt ihn. einfach so, nicht nur durch worte, nicht nur durch kleine gesten – sondern durch eine präsenz, die bleibt.

manche bedeutungen sprechen nicht. sie wirken, leise und unbeirrbar.

nicht alles, was fehlt, ist verloren. manches bleibt, auch wenn es nicht sichtbar sein will. es gibt ein wissen, das sich nicht nennt, aber spürbar wird dann, wenn andere sich entfernen. ein gleichgewicht, das auf dem wissen um ein zentrum beruht und niemals schwankt.

was man vielleicht spät erkennt, ist oft das, was längst da war. nicht als versprechen, nicht als erklärung – sondern als etwas, das trägt, wenn alles andere vielleicht mal  wankt. nicht laut, nicht glänzend, sondern still – wie der schatten zum licht.

und während andere weitersprechen, verstehen, vergessen – bleibt etwas zurück, das sich nicht nach vorne drängt. etwas, das nicht beschrieben werden muss, um bedeutung zu haben. man spürt es. nicht alle sehen es. aber manche wollen nicht mehr ohne sein.


14 April 2025

zeit mag ich nicht

die zeit verläuft exakt, unaufhaltsam, jede sekunde unumkehrbar. sie ist eine konstante, die ich kaum ertragen kann – so unaufhörlich, so methodisch, so gefangen in der unendlichen abfolge dessen, was sie selbst bestimmt. ich gebe meine zeit her, doch sie entzieht sich mir. sie tut, was sie will – mit mir. die zeit, die wir so gerne messen, entzieht sich jeder kontrolle. sie fließt weiter, auch wenn die uhr stillsteht. sie kennt keine pause, keine unterbrechung, keinen wandel.

die vorstellung, dass wir ihr herr sein könnten, ist ein trugschluss. stunden, tage, jahre – wir zählen sie, doch wir verlieren die beherrschung darüber. die uhr tickt, ob wir es hören oder nicht, ob wir uns der fließrichtung entgegenstellen oder uns ihr hingeben. die zeit bleibt unberührt. niemand kann sie verändern, keine macht, keine entscheidung. sie entzieht sich unserem einfluss. sie ist der einzige fixpunkt in einem leben, das in stetiger bewegung ist. alle anderen parameter mögen uns entglitten sein, doch die zeit bleibt, unerbittlich, unergründlich und doch so verführerisch nah.

anders/sein

es geht nicht ums anders sein, es geht um das selbst sein. was definiert das anderssein? sind es die kriterien des anderen, die uns das anderssein vorschreiben? ist es die ständig aufgeworfene frage, was wir in der masse noch als einzigartig empfinden können? aber was bleibt, wenn wir uns so sehr anpassen, dass wir das selbst aus den augen verlieren?

der drang, anders zu sein, ist ein flimmerndes ideal. er existiert nur, weil wir uns ständig daran messen. anders als wer? anders als andere? und warum überhaupt das anderssein zu einem wunsch erheben? anderssein ist keine erfahrung, sondern eine fläche, die wir auf unsere eigene unsicherheit legen.

und dann kommt das spiel mit der authentizität: die versprechung, sich zu befreien, indem man sich selbst lebt. aber was ist das – authentisch? wo hört das eigene selbst auf und wo beginnt das konstrukt, das uns die gesellschaft anbietet? sind wir wirklich authentisch, wenn wir versuchen, uns gegen etwas zu definieren, oder ist das nicht auch nur ein weiterer versuch der anpassung?

die idee des andersseins ist so flüchtig wie ein reflex. es kommt und geht, je nachdem, welches bild von uns gerade mehr wert hat. aber vielleicht geht es nicht um die frage, ob wir anders sind, sondern was es bedeutet, überhaupt zu sein. 

13 April 2025

weniger im mehr

mehr wird es, wenn wenige teilnehmen. weniger ist also mehr. war immer so – nicht nur oft.

also suche ich wenige, die das wenige mehr möchten, gar lieben. wenige im weniger – da wird es dann mehr. mehr substanz. mehr lebensfreude.

wer mehr für mehr will? auch gut. vermehrt euch. passt alles, jeder für sich. das ist keine plattitüde. alles passt. selbst der tod passt irgendwann. was soll denn schon passieren?

was passiert, passiert – weniger und mehr, mehr im weniger, weniger im mehr, alles spielt sich im auge des betrachters ab. er ist der prior, er entscheidet. vermehrt euch weiter – im weniger, im mehr. das fällt  doch nicht so schwer.