17 Dezember 2022

nicht/dabei

wenn die lyrik die literatur frisst, wenn die schuhe zu klein, die kneipe am eck nur eine fata morgana im falschen sein, den putz verliert, den du nicht beachtet hast, ein leben lang, dann werden die minuten ebenso zu stunden und tagen, wie alle tage deines seins, bergkämme sind nicht im tal.

flüsse steigen ohne dich an, fließen an dir vorbei, dein boot steht am falschen kai. diese sperren stören dich nicht, du gehst einen eigenen weg, der führt dich nicht in diese kneipe, wo nur die falsche politik auf dich wartet, die dich so erzürnt, wegnimmt vom geschehen, das du nicht für dich in anspruch nimmst, weil deine gedanken bei diesem bergkamm sind, von dem du alle berge sehen kannst.

das gewitter belästigt dich nur flach, fegt über dein wellblechdach und deckt die wiese weiß ein. hörst du nicht das telefon, sie wählen dich an.

leute sind stark, sie erlauben sich zu dir hin, glaube dir wenn du ihnen zu verzeihen suchst.

ich wünschte du wärst hier; mein freund; neben mir. schweigend könnten wir den kuchen von der falschen oma kosten, die dich als findelkind begrüßte und dein leben versüßte, bis der wanderer deinen vater erfand und sie dessen wunden verband.

nein, nein mein freund, glaube mir; dieser mann war damals nicht da; diese zwei sonnen im sonnenuntergang sah er nie. 



12 Dezember 2022

positiv/boten oder aus/getrunken

positiv betrachtend, positiv sein, wer positiv ist glänzt vor sich und den anderen. diese struktur hilft und scheinbar ständig. wer kritisiert ist negativ. negativ geht nicht. nicht gesellschaftlich, denn wer will das schon. also laufen wir positiv in der gegend herum und lügen uns in die eigene tasche, weil negatives positiv wird; gemacht wird.

positiv zu wirken, heißt nicht unbedingt positiv zu sein, nur wird es nicht angesprochen, negiert, um das leben leichter zu machen. der ansatz ist per se nicht so schlecht. wir schütten also negatives zu und formulieren positiv. 

negatives wird nicht mehr, oder weniger geäußert, ergo gibt es das fast nicht mehr. wohin führt es also, wenn man sich fast alles schön redet? wenn missstände nur dann negativ bewertet werden, wenn sie einen selbst betreffen?

positivboten sind also gesellschaftlich privilegiert, nur nicht von denen, denen es schlecht geht, denn die fühlen sich verarscht und murren zunächst um dann aufzustehen und den überlebenskampf aufzunehmen. 

das muss für die positivboten schwierig werden, denn das hauen und stechen beginnt, zunächst verbal, spätestens an der wahlurne und ändert sich dann auch nichts, wird es richtig gefährlich.

die moral aus dieser argumentation erschließt sich denen, die bereit sind darüber nachzudenken und nicht von missständen ablenken, denn früher oder später ist jeder involviert; ich denke das ist längst passiert. 

wer gesellschaftlich nicht beachtet wird, solidarisiert sich zunächst mit denen, die genauso fühlen. wenn dann proteste verebben wird die demokratie herausgefordert und gesetze zumindest gedehnt. 

letztlich beginnen anarchische verhältnisse und es wird sich der freiraum genommen, diejenigen zu bekämpfen, die doch nur positiv ihre eigene welt betrachteten und die nöte der anderen dadurch nicht ernst genug nahmen und somit auch zu den verlierern gehören werden.

wenn ein glas ausgetrunken ist, ist es nicht halbvoll und nicht halbleer; "denn es gibt gar kein wasser" mehr.