17 Mai 2025

Liebesverantwortung

Manchmal wirkt es fast naiv, in einer Welt, die sich ständig um das eigene Ego dreht, überhaupt noch von Liebesverantwortung zu sprechen. Aber genau das macht den Reiz aus: die leise Einladung an uns alle, diesen trotzigen Versuch zu wagen – nicht als Einzelne, sondern gemeinsam. Eine kollektive Haltung, die sich gegen den Strudel der Selbstbezogenheit stemmt und eine familiäre Liebe ins Gesellschaftliche trägt. Nicht perfekt, nicht heilig, sondern unvollkommen, widersprüchlich – eben menschlich.

Liebesverantwortung ist kein Vertrag, der von jedem eingefordert wird, sondern ein Angebot – ein zartes Pflänzchen, das trotz widriger Umstände wächst. Sie fordert dazu auf, die eigene und die fremde Unvollkommenheit nicht nur zu tolerieren, sondern als Fundament für ein Miteinander zu sehen, das mehr ist als die Summe seiner Teile. Ein Miteinander, das Wertschätzung und Respekt nicht als utopische Träume, sondern als notwendige Grundlagen begreift.

In Zeiten, in denen Aufmerksamkeit knapp und das Urteil schnell fällt, klingt das wie ein leises Aufbegehren gegen den Strom. Vielleicht braucht es genau diesen Hauch von Naivität, um die gesellschaftlichen Maßstäbe wenigstens ein wenig zu verschieben. Was, wenn wir anfangen, Wertungen zu denken, die der familiären Liebe ähneln? Einer Liebe, die Gegensätze aushält, Widersprüche umarmt und Raum schafft – für mehr Nähe, für mehr Verstehen.

Es ist ein Appell an uns alle, der Unachtsamkeit mit Gegensätzlichkeit zu begegnen – nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit einem Augenzwinkern und dem offenen Mut, das Unfertige anzunehmen. Denn vielleicht birgt gerade diese scheinbare Naivität das größte Potenzial für ein besseres Miteinander.

ala couleur

Haare sind mehr als Körper – sie sind Stimmungen, Geschichten, Verbindungen. Im Friseursalon das stille Ritual des Waschens, mehr als Schmutz geht ab – vielleicht ein Teil des Anspruchs an sich selbst. Haare schneiden heißt Loslassen, Veränderung sichtbar machen.

Scheren trennen Haare, Gewohnheiten, Sorgen. Der Friseur, ein stiller Zeuge, dem man heimlich intime Gedanken offenbart. Haare tragen Persönlichkeiten, zeigen Individualität und zugleich Eitelkeit, gesellschaftlichen Druck.

Haarwachstum, eine Selbstverständlichkeit, ein stiller Widerstand gegen Vergänglichkeit. Während wir trimmen, stylen, ordnen wir das innere Chaos.

Der Salon ist Ort der Transformation, des Bekenntnisses. Jeder Schnitt erzählt eine Geschichte, jede Strähne fällt. Haare, die Farbe wechseln, erzählen haarklein unsere Geschichten – à la couleur, beim Friseur.

P.S. Meine alte Mütze steht mir gut.


In hundert Jahren

Wenn ich in hundert Jahren wieder auferstehe, suche ich als Erstes mein Elektrodamenfahrrad. Ich hoffe, es gibt noch Strom in dieser Welt. Ich will nicht aufwachen in einer Welt ohne Spannung, ohne Fluss, ohne Summen.

Wenn das Licht nicht mehr fließt, wenn der Akku tot bleibt, schließe ich Frieden. Kein Widerstand, keine Verzweiflung – nur ein Nicken. Ich kehre zurück in den Tod. Ruhig, beinahe dankbar. Denn ich will nicht ohne Strom sein. Auch in hundert Jahren nicht.

Freiklettern

Erschreckend, wie sich Musterformen in das Erleben strecken, sich an den Gegebenheiten necken, und dann kommt das Zähneblecken und das Händeablecken. Oft.

Ein Schema übergibt sich an diejenigen, die sich zugänglich fühlen, wenn sie es bemerken, die sich in die Proportionen recken, als gäbe es kein Erbarmen.

Das ist mutig, so in fremder Hand. Eigentlich allerhand. Die Bewegung im umzäunten Bereich vermutet sich dankbar im Sonnenlicht gegen das graue Dunkel im freien Fall. Sichere Steigeisen? Freiklettern?

Bilateral

Bilateral könnte der Eindruck entstehen, man denke eindimensional. Doch sobald ein anderer hinschaut, verschieben sich die Linien. Neue Sichtachsen entstehen, ganz von selbst – wie Schatten, die sich mit dem Licht bewegen. Eine zweite Meinung? Vielleicht klug. Vielleicht überbewertet. Jedenfalls unbequem, denn zwei Meinungen ergeben eine Auswahl. Und auswählen bedeutet: entscheiden. Entscheidung erzeugt Druck, Druck erzeugt Stress – und Stress will niemand. Außer den wenigen, die Stress brauchen, um sich spüren zu können, die ihr Ego wie einen Preis aufs Podium heben.

Also bleiben wir lieber bei uns. Bei unserer Meinung. Sie ist bequem, bekannt, eingelaufen. Wir verteidigen sie mit Zähnen und Klauen, denn sie gibt uns Halt. Sie gibt uns Recht. Wenigstens uns selbst. 

So wohnen wir gedanklich in unserem kleinen Hotel, Zimmer mit Aussicht auf Gewissheit. Die Minibar ist gratis, der Aufzug freundlich, der Liftboy pomadig und schweigsam. Wir fragen ihn nichts. Er fragt nicht zurück.

So lebt es sich gut – denkt man. Denkt man? Ja, was denkt man eigentlich? Und wer denkt da wem was hinterher? 

Vielleicht ist das Leben selbst ein Gast, der nie wirklich eincheckt, sondern immer nur durch die Lobby streift, auf der Suche nach dem Zimmerschlüssel, den es nie verloren hat.


16 Mai 2025

Danke



Danke, Pink Floyd!

Traumbaum

Der Traum, der nicht bleibt – was taugt er? Ein Auswärtsspiel ohne Punkte, ein Feuerzeug ohne Stein, ein Arzt ohne Latein. Er schwindet, sobald du erwachst, trägt dich nicht mehr. Träume dich zurück. Vielleicht. 

Träume jagen ist die neue Realityshow. Stich in deine See. Lass dich gehen. Lass es geschehen, dann wirst du vielleicht sehen, dass wir nicht nur im eigenen Nebel stehen. 

Träume dich einfach dorthin, wo die Orange reift – so süß. Stehe nicht nur unsicher und wartend am Hafen, auch der Versuch, den Anker auf hoher, aufgewühlter See auszulegen, findet keinen Halt. 

Erst im Auf und Ab der Wellen, im unruhigen Gleiten, formt sich das Ufer, an dem dein Traumbaum wachsen wird – der Baum, den du sehen willst. 

Der fremde Wald, eine ferne Schattenwelt, bleibt dabei nebensächlich, weil der Weg noch verborgen ist.

P.S. Wünschen entsprechend stelle ich ab sofort auf formale Schreibweise um und verzichte auf Kleinschreibung, da mir die Lesbarkeit wichtiger ist als das Stilmittel der Kleinschreibung an sich.“

11 Mai 2025

Aber/trotzdem

Ich erinnere mich an dich. An dich, der du nicht nur meine kritische Haltung, meine Nerven und meine arrogante Konfrontation überprüft hast. Ja klar, du hattest deinen eigenen Stern. Jetzt verstehe ich, weil ich meinen fast erkennen kann. Nur anders. Verstehst du mich jetzt? Ich versteh dich. Nun. Vielleicht? Aber trotzdem bleibt so vieles übrig. Dazwischen. Dabei.

Ich erinnere mich nicht mehr so sehr an dich. Die Weile überdeckt jetzt dein Gesicht. Das Gesicht, was mir so vertraut schien. War. Nicht war. Meinetwegen liebe Zeit, deine Macht verursacht. Das ist mir lange klar.

Aber trotzdem denke ich an dich zurück, manches Mal. Begreife mehr von dir. Jetzt in meinem Hier. Du konntest gut weg sein.

Aber trotzdem warst du immer da. Für mich und für dich. Standest in meinem Licht. Diese Kerze geht nicht aus.

Und wenn – dann zünde ich die Flamme der Erinnerung immer wieder in mir und danke, wem auch immer, dafür, dass es dich gegeben hat.

Manchmal, nämlich dann, wenn ich an dich denke. Wenn ich dich zu vergessen drohe.

Es war nicht leicht, aber nie ganz schwer mit dir. Aber trotzdem. Bist du nicht mehr hier. Doch immer bei mir. Aber trotzdem………“