Ich kann meinen Respekt nicht mehr bereitstellen – nicht jenen Respekt, den manche Menschen benötigen, um ihre Prinzipien zur einzigen Wahl in einem Gespräch zu machen und deren moralischer Anspruch meine Rechtfertigung fordern soll. Eine Allgemeingültigkeit herzustellen, die letztlich nur der eigenen Überheblichkeit und Besserwisserei dient, während sie zugleich verschleiert präsentiert wird – das ist es, was ich nicht akzeptiere.
Mit gutem Willen gibt es einige Versuche des Dialogs, doch sie sind hier zum Scheitern verurteilt. Wer die eigene Moral als Maß aller Diskussionen setzt, sollte zunächst vor der eigenen Tür kehren, die eigenen Defizite reflektieren und bereinigen.
Erst dann kann ein echter Dialog wieder möglich werden. Doch ob jemand, der sich der eigenen moralischen Überlegenheit sicher ist, und sein Selbstwertgefühl damit speist, diesen Gedanken versteht? Wahrscheinlich nicht in der Weise, wie es wünschenswert wäre. Wer in seiner Überzeugung gefangen ist, wird Kritik selten als Einladung zur Reflexion begreifen. Vielleicht ist es aber auch gar nicht nötig, gehört zu werden – nicht in dieser Weise.
Es geht nicht darum, jemanden zu disziplinieren oder zu belehren. Dieser Text dient nicht der Korrektur anderer, sondern dem Sortieren eigener Gedanken. Dem Versuch, Klarheit zu gewinnen über das, was trennt, und über das, was bleiben soll. Manche Gespräche enden nicht in Einigkeit, sondern im Bewusstsein, dass sie keinen gemeinsamen Boden haben. So bleibt am Ende nur die eigene Reflexion – und die Erkenntnis, dass auch Distanz eine Form von Konsequenz sein kann.
P.S. Diesen Text schrieb ich, wohl wissend, dass ich meine eigenen Defizite auch zu hinterfragen habe.