22 Februar 2025

"Distanz als Konsequenz."

Ich kann meinen Respekt nicht mehr bereitstellen – nicht jenen Respekt, den manche Menschen benötigen, um ihre Prinzipien zur einzigen Wahl in einem Gespräch zu machen und deren moralischer Anspruch meine Rechtfertigung fordern soll. Eine Allgemeingültigkeit herzustellen, die letztlich nur der eigenen Überheblichkeit und Besserwisserei dient, während sie zugleich verschleiert präsentiert wird – das ist es, was ich nicht akzeptiere.

Mit gutem Willen gibt es einige Versuche des Dialogs, doch sie sind hier zum Scheitern verurteilt. Wer die eigene Moral als Maß aller Diskussionen setzt, sollte zunächst vor der eigenen Tür kehren, die eigenen Defizite reflektieren und bereinigen. 

Erst dann kann ein echter Dialog wieder möglich werden. Doch ob jemand, der sich der eigenen moralischen Überlegenheit sicher ist, und sein Selbstwertgefühl damit speist, diesen Gedanken versteht? Wahrscheinlich nicht in der Weise, wie es wünschenswert wäre. Wer in seiner Überzeugung gefangen ist, wird Kritik selten als Einladung zur Reflexion begreifen. Vielleicht ist es aber auch gar nicht nötig, gehört zu werden – nicht in dieser Weise.

Es geht nicht darum, jemanden zu disziplinieren oder zu belehren. Dieser Text dient nicht der Korrektur anderer, sondern dem Sortieren eigener Gedanken. Dem Versuch, Klarheit zu gewinnen über das, was trennt, und über das, was bleiben soll. Manche Gespräche enden nicht in Einigkeit, sondern im Bewusstsein, dass sie keinen gemeinsamen Boden haben. So bleibt am Ende nur die eigene Reflexion – und die Erkenntnis, dass auch Distanz eine Form von Konsequenz sein kann.

P.S. Diesen Text schrieb ich, wohl wissend, dass ich meine eigenen Defizite auch zu hinterfragen habe. 

Unnützer/Geselle

Der ist der Allerbeste, der selber alles durchdenkt. Doch wacher ist auch der, der richtigem Rate sich anschließt. Aber wer selbst nicht bedenkt und was er von anderen vernommen hat, sich auch nicht zu Herzen nimmt, ist ein unnützer Geselle.

Aristoteles

19 Februar 2025

Familie

Der Bannstrahl persönlicher Ereignisse, die sich zu einem Fiasko verdichten, trifft nicht nur mich. Ich hinterfrage mich noch – aber seltener. Vielleicht aus Bequemlichkeit. Vielleicht, weil Gedanken manchmal verschwimmen, Worte sich formen und entgleiten, kaum dass ich sie greifen will. Wie der Versuch, innezuhalten und auszuruhen.

Ich merke auf. War zu sehr im eigenen Trott, um zu sehen, was mich eigentlich trägt, wenn es schwierig wird. Was mich hält, ohne dass ich es täglich bemerke.

Meine Familie. Sie ist keine Ausnahme, kein Alleinstellungsmerkmal. Einfach meine Familie. Ein verlässlicher Ort, ein Gegengewicht. Mal Ruhepol, mal Rückhalt, mal Widerstand. Sie passen auf. Auf mich. Aufeinander. Greifen ein, lassen los. Erinnern mich an das, was ich selbst übersehe. Nicht, weil sie es müssen. Sondern weil es selbstverständlich scheint. 

Ich bewege mich in ihrem Raum, profitiere, stoße mich ab, kehre zurück. Die Grenze ist durchlässig, aber ich verlasse sie nicht. Zu vieles formt sich hier, wird aufgefangen, hinterfragt, gespiegelt. "Diese Projektionsfläche ist kein Schutzschild, sondern ein Bezugspunkt. Einer, der bleibt, solange ich ihn erkenne."