25 Oktober 2025

Kümmerer

Und schon bin ich wieder woanders unterwegs. Mal sehen, wo? Nein! Anders ist dieses Wo. Ganz anders. Da frage ich nicht nach bei mir. Es gleitet, glaube ich, mal an mir vorbei, oder es erschrickt sich. Fatalismus – in ihm ergänze ich mich.

Wenn alles vorgegeben ist, brauche ich mich nicht kümmern. Es verkümmert ohnehin so viel. Die Kümmerer verändern ihr Leben ohnehin nur so lange, wie sie leben, und wenn sie sich nicht kümmern, geht es auch vorbei.

Nun könnte der Eindruck entstehen – nein, er ist längst da –, dass Menschen, die das erkennen, als faul definiert werden. Ja gut. Die Erkenntnis, dass das faule Dasein mindestens so viel wert ist wie das Leben der Kümmerer, könnte sich auch durchsetzen.

Das ist aber von den Kümmerern nicht gewollt, und sie kümmern sich schon darum, dass sie privilegiert sind oder werden, weil sie suggerieren, sich auch um dich zu kümmern – in ihrer manipulativen Planung.

Leise faul sein und das Leben genießen, das ist doch in Ordnung so. Die degenerierte Gesellschaft erhebt sich und unterstützt die Kümmerer, weil sich das seit Jahren bewährt hat und weil sich jeder kümmern möchte – bevorzugt um sich selbst.

Atlantis

Strophe 1

Wenn die Welt in Fluten versinkt

und alles Alte leise zerbricht,

öffnet sich ein Schimmer im Dunkel,

wer erkennt, was wirklich zählt?


Refrain

Atlantis, heb mich empor,

hinaus aus verbrauchter Zeit.

Neubeginn erfüllt mein Herz,

Neugier ohne Schmerz – ich bin bereit.

Ich bin bereit.


Strophe 2

Aus den Tiefen der Illusion

entsteht, was Weisheit trägt.

Verbrannte Wege glühen nach,

wer hinsieht, spürt die Kraft im Wandel.

Nie wieder Fesseln, nie wieder Zwang.


Bridge

O Atlantis, erhebe dich

aus den Tiefen der Endgültigkeit.

Lass mich spüren, wie wir wieder beginnen,

der Atem der neuen Welt pulsiert in uns.

Klar, stark, bereit für alles, was kommt.


Refrain – Wiederholung

Atlantis, heb mich empor,

hinaus aus verbrauchter Zeit.

Ketten fallen, alles schweigt,

Neubeginn erfüllt mein Herz,

Neugier ohne Schmerz – ich bin bereit.

Ich bin bereit.


Strophe 3 – Abschluss

Aus dem Meer geboren, klar und stark,

führt Atlantis uns ins neue Licht.

Alte Schranken fallen leise,

die Menschheit atmet auf – bereit zum Leben.

24 Oktober 2025

Langweiliges hoffen

Wieder hat mich ein neuer Tag aufgerufen. Macht er öfters. Wer ist da verantwortlich? Wer hat mich zum Tag hinzugefügt? Was soll das? Diese Fragen stelle ich mir nicht. Das negiere ich bewusst, glaube ich, vielleicht auch bewusst unbewusst. Ich bin mir dessen bewusst? Nur diese kurze Minute gebe ich dafür, oder eine mehr.

Mich umringt der faule Wille, faul zu bleiben. Das macht das Leben aus. Bringt keinen Applaus. Wer wichtig ist, muss sich regen, steht mal im Regen oder daneben. Sie versuchen, mich zu zwingen, mit ihrem Erleben zu ringen. Gelingt immer seltener. Ob ich da dankbar bin? Wieso? Sollte ich? Wem? Euch? Weshalb? Wofür? Vielleicht solltet ihr mir dankbar sein. Ich halte mich da mal raus.

Dank ist eh verbraucht. Er suggeriert zuwendende Tätigkeit für den, der den Dank dann ausspricht, und für den, der meint, Dankbarkeit erwarten zu können. Wer weiß schon, was richtig oder falsch ist? Manche Menschen wissen das – vor denen habe ich Respekt. Sie können das Leben lesen und weiterreichen, was sie an Erkenntnis gewonnen haben. Da höre ich doch gerne weg, hin, oder so. Die Ironie des Lebens umschleicht mich hier.

Die Reflexion breitet sich aus in eine verstrickte Dimension, die Quellen lahmen, der Kontext wirkt nach. Alkoholische Getränke bewerben mich. Zu Recht. Da bin ich offen. Alles andere ist langweiliges Hoffen.

Kinder

Das Kinderthema: Da hört alles Rationale auf. Kinder werden geschützt. Punkt. Kinder sind brutal. Auch Punkt. Ihr strikter Durchsetzungswille offenbart die asoziale Linie hin zum elterlich anarchischen Projekt, das das „Nein“ verschluckt.

Gott sei Dank

Wenn Gott gewollt hätte, dass ich ihn kenne, hätte er sich mir vorgestellt. Noch hat er eine Chance. Bisher habe ich nichts von ihm gesehen. Viele Menschen sind da anders. Freut mich für sie. Sie können an etwas glauben. Immerhin. Ich glaube, was ich will – oder nicht. Eher nicht. Dann werde ich auch nicht enttäuscht, so ich mich dazu veranlasst sehe. Das kann ich entscheiden. In dem Rahmen, der mich zulässt.

Wenn ich weg bin, dann nicht mehr. Wegsein ist lange, länger als Leben. Weshalb sollte ich mir über das Leben Gedanken machen? Vielleicht über das Wegsein, aber das macht ja auch keinen Sinn. Da entsteht keine Erkenntnis. Es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken. Weg ist weg, da ist da. Ganz einfach. Wer mehr daraus macht, täuscht sich vielleicht. Aber das kann ich nicht wissen – bin ja noch da. Und da geht wenig, vermutlich weniger als im Wegsein. Alles Spekulation.

Machen Menschen gerne. Ich auch manchmal. Weiß der liebe Gott, warum. Alle Philosophen haben sich nicht versteckt, haben ihre Welt entdeckt. Gestorben in der Norm eigener Anstrengung, um die Sinnhaftigkeit der eigenen Existenz. Welche Verschwendung an Zeit. Menschen gehorchen keiner Erkenntnis. Weshalb auch? Jeder ist individuell – solange er der Gesellschaft nicht auf den Keks geht. Sonst hilft auch Selbstmord, aber das trauen sich selten Menschen, weil Evolution so etwas möglichst ausschließt.

Keine Sorge, ich bringe mich nicht um. Wäre zwar spannend, aber meinen Glauben an die Friedfertigkeit der Klientel, die sich Menschen nennt ist erschöpft. Es muss ja auch nicht sein. Der eine macht Krieg, der andere geht weg, und ein anderer legt sich faul an den Ganges. Wer nachdenkt, hat schon Authentizität verloren, weil er sich damit fortwährend betrügt. Das rüge ich nicht – viele wissen das auch nicht. Gott sei Dank. Wenn es ihn denn gibt. Wie gesagt, er hat sich mir noch nicht vorgestellt.

Weiß nichts, will nicht

Ich lebe nicht im Moment. Oder doch? Heute ist ein Tag, an dem ich mir darüber Gedanken mache, ohne darüber nachzudenken. Das gönne ich mir immer öfter. Diese freie Meinungsäußerung kann mich mal …  Eine Meinung gönne ich mir zwar gelegentlich, wenn ich mir gerade die Zeit nehme, Kritik zu generieren. In der nächsten Stunde ist das wieder anders, und am Tag darauf geht mich das alles nichts mehr an. Da bin ich vielleicht ganz anders unterwegs – oder nicht. Also würde ich mir selbst nicht trauen; vieles fließt einfach ungefiltert durch mich durch.

Nachdenken ist langweilig. Ich versuche, mich loszulassen – misslingt oft, weil der Versuch schon anstrengend werden kann. Whatever. Wer Texte von mir liest, ist so überfordert wie ich, meistens. Denn ich verstehe mich nicht, selten selbst nicht – und das brauche ich auch nicht. Das In-sich-Ruhen hat sich ebenfalls verbraucht, eigene Wälder habe ich abgeholzt, und morgen stehe ich vielleicht einsam auf einem Berg, der mich nichts angeht.

Menschen wollen Klarheit. Klar ist wenig bis nichts – es sei denn in ihrem Benehmen nach eigenständigem Denken und der Konformität fremder Gedanken. Mir ist das höchst egal geworden. Erkennen? Ich erkenne nichts, weiß nichts und will nichts wissen. Ich treibe mich nicht an, bleibe nicht stehen, gehe – oder nicht – und schwebe im Raum herum. In dem Raum, den mir die Evolution zugewiesen hat.

Was sollte ich mich grämen, fremde Sorgen aufnehmen? Ich bin mal dazu bereit, meistens nicht – ganz nach Gutdünken und Laune. Morgen schreibe ich vielleicht einen konträren Text. Aber das weiß ich nicht. Wie gesagt: Ich weiß nichts.

23 Oktober 2025

Zeit fließt ab

Die Zeit fließt ab. Zufälle begegnen mir nur noch selten. Schade. Was sollte jetzt noch auf mich fallen, was nicht schon in mir wäre. In mir ist. Das kommt zu mir zurück, heim zu mir, mein Selbst und das, was in der Fremde lag. Bedingungslos nehme ich das Leben an. Meine Art liegt nicht jedem, und jeder hat auch kein Gesicht. Das weiß ich, das weiß ich. Meine Zuflucht, meine Gefahr war da, oft da. Es muss Mut sein, weil es hinter mir keinen Weg mehr gibt. Wie eine Schneespur ist er vergangen, nebelverhangen taste ich mich zu mir hin, weiter. Obwohl mein Sinn sich aus dem Nichts gebiert – das hat selten funktioniert. Schlaftrunken schlafwandle ich nun durch diesen Menschenraum, weil mir nichts übrig bleibt, außer mein Leben zu beenden. So greife ich das Angebot mit meinen beiden Händen, bis alle Wege enden.


Essay:

Die Zeit fließt ab, und mit ihr schwindet die Illusion, dass noch etwas Unerwartetes, etwas Zufälliges auf uns warten könnte. Was nicht längst in uns ist, wird uns auch nicht mehr begegnen. Diese Erkenntnis ist nicht resignativ, sie ist ernüchternd klar. In ihr liegt der Beginn einer Rückkehr, einer Heimkehr zu sich selbst. Alles, was in der Fremde lag, kehrt zurück. Man nimmt das Leben an – nicht weil es tröstet, sondern weil es bleibt. Bedingungslos.

Das Ich im Text erkennt seine Eigenart als Zumutung. Es weiß, dass es nicht jedem liegt und dass auch „jeder kein Gesicht hat“. Eine nüchterne Feststellung, keine Anklage. Zwischen Zuflucht und Gefahr verläuft keine klare Grenze mehr; beides war da, oft gleichzeitig. Die Bewegung nach vorn ist unmöglich geworden – „hinter mir gibt es keinen Weg mehr“. Und so tastet sich das Bewusstsein durch Nebel, durch den Rest des Daseins, wie durch eine Landschaft ohne Orientierung, aber mit stiller Beharrlichkeit.

Das Denken gebiert sich aus dem Nichts, und doch funktioniert es selten. Das ist die Tragik: dass Sinn immer wieder gesucht, aber nie stabil gefunden wird. Schlaftrunken, schlafwandelnd bleibt das Subjekt im Menschenraum, umgeben von anderen, aber abgetrennt durch das Wissen um die eigene Endlichkeit.

Der Gedanke, das Leben zu beenden, ist kein Ruf nach Erlösung, sondern die radikale Konsequenz eines Bewusstseins, das keinen Sinn mehr erwartet. Und doch: gerade dieser Gedanke führt zur Umkehr. Denn das „Angebot“, das hier ergriffen wird, ist das Leben selbst. Nicht das schöne, geordnete, hoffnungsvolle, sondern das nackte, rohe, unausweichliche Leben. Es wird angenommen, bis alle Wege enden – nicht in Verzweiflung, sondern in Anerkennung.

Dieser Text ist eine Meditation über Mut, über das stille Weitergehen, wenn nichts mehr trägt. Er steht zwischen Verlöschen und Erwachen, zwischen dem Ende des Selbstbetrugs und dem Beginn des eigentlichen Lebens.

Äußerster Notfall

Angenommen, Menschen würden das Denken erfinden. Sie würden darüber nachdenken, was gut und was schlecht ist für die Entwicklung der Erdbevölkerung. 

Wenn ein Asteroid die Welt zerstören würde, wäre auch das möglich, weil alle betroffen wären. Betroffen sein – das ist der erste Baustein zur Innovation. Denken erfinden, in diesem Sinne. 

Gedacht wird seit Jahrhunderten, nur eben nicht global. Global – zurzeit ein negativ besetztes Wort, nur haben das die wenigsten bemerkt. 

Wenn demokratiefremde Nationen etwas Elementares wie Arzneien zurückhalten, sind diejenigen, die der Arzneien bedürfen, abhängig. Diese Abhängigkeit kann global sinnvoll sein, aber nur im Kontext des Beispiels des Asteroiden, der die Welt zerstört. 

Betroffen sein ist der Fixpunkt. Wenn alle Menschen sich vergegenwärtigen, dass sie betroffen sind, was die Entwicklung der Menschheit angeht, wären auch alle bereit, progressiv nach vorne zu denken und zu gestalten. Doch dazu sind Menschen nur im äußersten Notfall bereit.

22 Oktober 2025

Heiter?

Verlange nicht, dass das, was geschieht, so geschieht, wie du es wünscht, sondern wünsche, dass es so geschieht, wie es geschieht, und dein Leben wird heiter dahinströmen. 

      Epiktet

20 Oktober 2025

Verbranntes Land

Die anmaßende, lethargische Depression – wir kennen sie schon, zu gut. Sie ist kein Zustand, sie ist ein Klima. Eine Atmosphäre aus Gleichgültigkeit und Überforderung, die unser Denken umstellt hat. Kritik ist müde geworden, nicht weil sie fehlt, sondern weil sie niemand mehr hören will. Das gesellschaftliche Grau hat sich verfestigt, ein Weißgrau aus Anpassung und Überdruss. Wir scrollen, wir liken, wir verlernen zu urteilen, weil jedes Urteil Angriff bedeutet.

Dieser Text bleibt im Netz, so wie alles bleibt, was keinen Ort mehr findet. Ein Rest von Sprache im Gewebe der Geduld, das einst Denken hieß. Noch reflektieren, noch zweifeln, noch etwas infrage stellen – das ist fast schon anstößig geworden, weil es stört, weil es die Würde der Angepassten bedroht.

Menschen haben zugelassen, dass Menschen Menschen hassen – der Meinung wegen. Meinung ersetzt Haltung, Lautstärke ersetzt Bedeutung. Die Verrohung trägt die Maske der Empörung und nennt sich demokratisch. Die Skulpturen unserer Werte sind noch da, aber sie atmen nicht mehr. Wir sind Produkte unserer eigenen Konstrukte – stolz darauf, erschöpft davon. Der Mensch hinkt weit hinter sich her, verloren im Meer derer, die nur noch nehmen, weil Geben als Schwäche gilt.

Da steht niemand mehr auf. Die Dekadenz hat ihren Dienst getan, das Ego hat gesiegt, getarnt als Selbstverwirklichung. Es folgen die Folgen, sichtbar, berechenbar, ohne Überraschung. So wird das Land verbrennen. Nicht in Flammen, sondern in Gleichgültigkeit. Nicht durch Hass, sondern durch das Schweigen, das ihn ermöglicht.

Warum also auswandern, wenn Menschen überall gleich sind. Es gibt keine Flucht vor der Wiederholung des Menschlichen. Entwicklungen werden verschleppt, gebremst, aufgeschoben, bis sie nur noch Verwaltung sind. Und irgendwann wird alles gleich gemacht – aus Bequemlichkeit, aus Angst, aus Kalkül. Gleichheit als Werkzeug, nicht als Ideal. Damit man besser überwachen kann, leichter messen, vergleichen, kontrollieren.

Sicherheit ist die eleganteste Form der Kontrolle. Sie kommt nicht mit Zwang, sondern mit Zustimmung. Sie verspricht Ruhe, und die bekommt man – im Tausch gegen alles, was lebendig war. Das Denken wird nicht mehr gefordert, es wird ersetzt. Systeme übernehmen, was früher Gewissen war. Und die, die noch zweifeln, gelten als störend, als nicht teamfähig, als gefährlich für den Ablauf.

Das Gleichmachen ist kein Versehen, es ist Strategie. Alles wird normiert, vereinheitlicht, geglättet – damit keiner mehr auffällt. Vielfalt wird zur Oberfläche, zur Farbschicht über der Struktur der Monotonie. Die Welt wird berechenbar, und wir nennen das Fortschritt.

Vielleicht ist Auswandern nur die Illusion eines Außen. Das Netz, das uns hält, reicht längst um den Globus. Du kannst die Geografie wechseln, nicht die Mechanik. Der Mensch bleibt, wo er ist – in sich selbst gefangen, zwischen Anpassung und Erschöpfung, in einem Zeitalter, das alles sieht und nichts versteht.