Wenn Gott gewollt hätte, dass ich ihn kenne, hätte er sich mir vorgestellt. Noch hat er eine Chance. Bisher habe ich nichts von ihm gesehen. Viele Menschen sind da anders. Freut mich für sie. Sie können an etwas glauben. Immerhin. Ich glaube, was ich will – oder nicht. Eher nicht. Dann werde ich auch nicht enttäuscht, so ich mich dazu veranlasst sehe. Das kann ich entscheiden. In dem Rahmen, der mich zulässt.
Wenn ich weg bin, dann nicht mehr. Wegsein ist lange, länger als Leben. Weshalb sollte ich mir über das Leben Gedanken machen? Vielleicht über das Wegsein, aber das macht ja auch keinen Sinn. Da entsteht keine Erkenntnis. Es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken. Weg ist weg, da ist da. Ganz einfach. Wer mehr daraus macht, täuscht sich vielleicht. Aber das kann ich nicht wissen – bin ja noch da. Und da geht wenig, vermutlich weniger als im Wegsein. Alles Spekulation.
Machen Menschen gerne. Ich auch manchmal. Weiß der liebe Gott, warum. Alle Philosophen haben sich nicht versteckt, haben ihre Welt entdeckt. Gestorben in der Norm eigener Anstrengung, um die Sinnhaftigkeit der eigenen Existenz. Welche Verschwendung an Zeit. Menschen gehorchen keiner Erkenntnis. Weshalb auch? Jeder ist individuell – solange er der Gesellschaft nicht auf den Keks geht. Sonst hilft auch Selbstmord, aber das trauen sich selten Menschen, weil Evolution so etwas möglichst ausschließt.
Keine Sorge, ich bringe mich nicht um. Wäre zwar spannend, aber meinen Glauben an die Friedfertigkeit der Klientel, die sich Menschen nennt ist erschöpft. Es muss ja auch nicht sein. Der eine macht Krieg, der andere geht weg, und ein anderer legt sich faul an den Ganges. Wer nachdenkt, hat schon Authentizität verloren, weil er sich damit fortwährend betrügt. Das rüge ich nicht – viele wissen das auch nicht. Gott sei Dank. Wenn es ihn denn gibt. Wie gesagt, er hat sich mir noch nicht vorgestellt.
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