28 Februar 2025

Moment/der/Distanz

Nimm ausreichend Platz. Setze dich zu mir. Wir denken gemeinsam in eine Richtung. Strengen uns an, vielleicht kommt was Gutes dabei für uns heraus.

Du willst nicht neben mir sitzen. Es interessiert dich nicht, was ich denke, wie ich argumentiere. Du negierst mich. Es entsteht kein gemeinsames Verständnis. Vorgefasste Negativität begleitet deine Entscheidung. Du kannst mich nicht ausstehen. Nicht riechen. Das gibt es. Einfach so.

Vielleicht hätte es eine Brücke gegeben. Ein Moment, ein Wort – genug, um den Abstand zu verringern. Vielleicht wäre es aber auch nicht passiert.

Schade.

27 Februar 2025

Kilometer/acht

Mit diesen Wanderschuhen ist das auch so eine Geschichte. Neu sind sie. Die Beratung war ausgezeichnet, die Dame hat sich Mühe gegeben – ich bin kein leichter Kunde. Mit Wanderschuhen hatte ich immer mal Probleme. Einlaufen müsse man die, hieß es. Neunzig Minuten bin ich im Geschäft im Allgäu herumgeturnt. Sie hatten Steinpassagen, Erhöhungen – ein Parcours, um das Auf und Ab zu testen. Ich habe es gründlich gemacht. Lockerer, fester, mit meinen Wandersocken, ohne. 

Die Schuhe waren perfekt. Ich hatte das perfekte Paar gefunden. Gekauft. Teuer, aber was soll’s – drückende Wanderschuhe will man nicht. Ist so ähnlich wie bei Skistiefeln. Ich war so glücklich, denn sie saßen wie angegossen. Soll einer sagen, gute Beratung sei nichts wert, von wegen Onlinebestellung. Kilometer um Kilometer schwebte ich auf Wolken – bis Kilometer acht. Sie drücken, sie scheuern. Jetzt stehen sie im Schrank.

26 Februar 2025

"Irgendwann kämpft man nicht mehr."

Irgendwann kämpft man nicht mehr. Nicht mehr darum, seine Ansichten durchzusetzen. Nicht mehr darum, zu siegen. Nicht mehr darum, Werte zu vermitteln. Der Kampf erschöpft sich langsam, in der Jugend schon, und schließlich im Alter. Ein jahrzehntelanger Kampf verliert an Feuer, weil das Interesse an ihm weicht – hin zur Einsicht, dass sich nichts Grundlegendes ändern lässt, solange der Konsens im Kompromiss ruht.




25 Februar 2025

"Mein Berg."

Man muss in der Lage sein, sich vom Tal zu entfernen und den „Berg“ zu erklimmen, um das, was unten geschieht, aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Das Tal, mit all seiner Hektik, seinen persönlichen Konflikten und den ständigen Ablenkungen, prägt das Bild vieler Menschen. Hier wird das Leben in einem konstanten Fluss aus individuellen Interessen und kurzfristigen Bedürfnissen erlebt. Doch der Blick, der hier im Tal zu finden ist, ist oft ein verzerrter, geprägt von der Unmittelbarkeit und dem Trubel des Alltags.

Der Berg hingegen bietet die Möglichkeit, sich von diesen Anforderungen zu lösen. Er ist kein Platz für Überheblichkeit, sondern ein metaphorischer Raum, der es erlaubt, den Blick von oben, ohne den Nebel der persönlichen Vorteile, zu werfen. Wer es schafft, den Berg zu erklimmen, der kann von oben auf das Tal blicken, nicht mit dem Blick der Verurteilung, sondern mit dem der Klarheit. Hier oben verschwimmen die Wahrheiten nicht mehr in den Details des Tagesgeschehens, sondern werden in ihrer Gesamtheit begreifbar.

Es ist keine Frage des Überhebens, sondern des Loslösens – eine bewusste Entscheidung, den Blick von der enge des Tals zu befreien. Vom Berg aus gesehen ist es möglich, das, was gesellschaftlich passiert, klar zu erkennen und zu verstehen. Die im Tal vorhandene Selbstsucht und das ständige Ringen um persönlichen Vorteil erscheinen aus dieser Distanz wie flimmernde Nebel. Wer in der Enge des Tals lebt, wird von diesen Nebeln umhüllt und kann die größeren Zusammenhänge nicht erkennen. Der Berg jedoch bietet eine klare Sicht, frei von Ablenkung.

Natürlich ist es nicht leicht, diesen Berg zu erreichen. Viele bleiben im Tal, sie sind mit den Anforderungen und den Strukturen dort verwoben, und ihre Wahrnehmung wird von den ständigen Forderungen des Lebens beeinflusst. Nur wenige schaffen es, den Berg zu erklimmen, und noch weniger bleiben lange oben. Doch diejenigen, die es schaffen, bekommen eine andere Sichtweise – sie erkennen das Tal und das Leben darin, aber nicht aus der Perspektive des Verstricktseins, sondern aus der der Beobachtung. Und dieser Blick, der klar und ungetrübt ist, wird zu einem tiefen Verständnis dessen, was wirklich wichtig ist.

Hier oben gibt es keine Illusionen. Wer vom Berg aus schaut, sieht nicht nur die Einzelteile, sondern das Ganze. Es ist der Versuch, den Nebel zu durchbrechen und zu verstehen, was jenseits des täglichen Trubels und der persönlichen Interessen wirklich zählt. Und genau das ist es, was wir zu erreichen trachten.

24 Februar 2025

Zwischen Gestern und Morgen

Und wieder löst ein fremder Tag den Vortag ab. Fremd deshalb, weil er erst beginnt und keiner weiß, wie er sich entwickeln wird. Er wird von einem weiteren fremden Tag abgelöst werden, und so geht es weiter. 

Vielleicht ist “fremd” das falsche Wort. Vielleicht ist “neu” passender. Neu und fremd. Neu und alt. Das Alte löst das Neue ab und das Neue nimmt das Alte auf. Der morgige Tag ist nicht bekannt, er ist ungewiss. 

Aus Bekanntem wächst das Fremde, das gleichzeitig jung und alt ist. Kategorien von Menschen – die, in denen sie leben, die sie leben wollen, in denen sie sich entschulden möchten, von Verantwortung befreit sein wollen, sich von allem Belastenden lösen möchten. 

Alles wird zur Schuld: Das Neue, das Alte, vor allem das Fremde, und das Bekannte wird doch zu unserem Freund. So sind wir Menschen. Die Verantwortung scheint zu neu, zu fremd, zu sehr belastend, weil sie das Risiko birgt, kritisiert zu werden. 

So wird sie fremd, uns immer fremder. Wir möchten sie neu beleben, bekannt machen, doch dann naht wieder der Abend, der den nächsten Tag ankündigt, an dem wir wieder neu bewerten wollen, das Fremde negieren wollen und weitermachen wie bisher.

23 Februar 2025

Die Freiheit des Zweifels

Weisheit entsteht nicht durch das Sammeln von Fakten, sondern durch die Fähigkeit, das Unbekannte zu akzeptieren. Wir neigen dazu, in festen Überzeugungen zu verharren, auf der Suche nach Sicherheit. 

Doch wahre Klarheit kommt nicht von starren Antworten, sondern von der Bereitschaft, unsere eigenen Sichtweisen zu hinterfragen. In der Ungewissheit liegt der Raum für Wachstum. 

Weisheit ist der stetige Prozess des Fragens und Zweifels, nicht das Ziel. Wer dies begreift, versteht, dass Wissen nie vollständig ist – und das ist die Freiheit, die uns letztlich voranbringt.

"Frühlingsanfang – Zeit für Neues"

Der Frühling klopft an. Es wird wärmer. Menschen nutzen die ersten Sonnenstrahlen. Der Winter bleibt noch etwas, will noch nicht gehen. Die Laune wird beeinflusst. Sonne ist nicht gleich gute Laune. Oder doch? Man fühlt sich befreiter, befreit von dem Nebel, der wochenlang das Gemüt angriff, die positiven Gedanken nur ungern fließen ließ, die Anstrengung erhöhte, eine ausgeglichene Balance, eine stimmige Lebensführung zu erreichen.

Das Wetter scheint entscheidend zum Wohlgefühl beizutragen. Vielleicht ist meine Begegnung mit diesen Gedanken subjektiv. Jedenfalls lasse ich den Frühling zu mir kommen, ich lade ihn ein, erwarte ihn herzlich, entwickle ein Willkommen, wohl wissend, dass auch im Frühling nicht immer die Sonne scheint. 

Aber er macht wieder mehr möglich. Begegnungen, die im Winter selten wurden, lassen sich leichter zulassen. Die Freude darauf wächst, vielleicht gerade weil sie sich zuvor so schwer angefühlt hat. Und vielleicht geht es auch darum, nicht nur den Frühling draußen zu begrüßen, sondern ihn ebenso in sich selbst zuzulassen – als Möglichkeit, als Bewegung, als ein leises, neues Beginnen.