28 Juli 2022

roter/mantel

man sieht den roten mantel sehr weit, weil das rot ziemlich grell wirkt. rot im schnee, rot im regen und bei sonnenschein. diesen roten mantel trägt immer der selbe mensch. wir sind diesen wiederkehrenden mantel gewohnt, denn er geht immer zur selben zeit aus, vermutlich zur arbeit.

es gibt viele menschen mit vielen mänteln die immer zur selben zeit vorbeigehen und zur selben zeit zurückkehren. es gibt gelbe, grüne, blaue bunte mäntel, menschen in mänteln. 

da ist er wieder der rote mantel, gott sei dank. heute etwas verspätet, wahrscheinlich wurde die bahn nicht erwischt.

wenn wir den roten mantel im winter nicht sehen, sind wir fast schon traurig, fragen uns weshalb das so sei und versinken in den gedanken darüber. dieser rote mantel scheint wie ein teil von uns.

rote mäntel gehen oft an unserem haus vorbei, wir beachten sie nicht, doch wenn dieser rote mantel fehlt, fehlt uns unsere gewohnheit, vor allem aber dann, wenn der rote mantel sich im juni zeigt.

p.s. rot ist nicht rot und mantel nicht gleich mantel. roter mantel ist nicht gleich roter mantel, aber darum geht es ja auch nicht.

24 Juli 2022

bruder/kuss zum todes/schuss

sie küssen sich, die alten männer aus dem osten. das ist nichts wert. sie umarmen sich als wären sie ein paar. das ist nichts wert. sie versprechen sich, sie reden und hören sich nicht zu. das ist nichts wert.

der bruderkuss unterbricht den kunstvollen anfang von vergifteter konversation. sie schleimen sich an den selben tisch und essen kalten fisch, der vorgekostet die seelen der alten männer vergiftet hatte, bevor sie sich zum dinner trafen und der fisch schon vom kopf her stank. 

die verkleidung ist stets neu geschneidert und auf den punkt gebracht, denn hier gibt es nichts von der stange alles ist maßgeschneidert und arrangiert, damit auch kein falscher zungenschlag passiert. den wählen sie dann zum abschied beim erneuten bruderkuss und dann fällt doch der todesschuss. 

wasted oder zeit für das egal

das leben zu verschwenden dazu bedarf es eines nachhaltigen umgangs mit sich und den dich zeitlich begrenzt umgebenden menschen und gelegenheiten. 

verschwenden heißt nicht effektiv genutzt. na und. wer lebt, verschwendet doch immer und sei es nur seine verbrauchte zeit, die nie mehr zurückkehrt. 

so hängen wir uns an dinge die wir nicht verschwenden wollen. man könnte dieses und jenes schaffen und tun um sich zu beruhigen, das sehen wollen und dort hinreisen und dort noch geld abgreifen, seinen geschmack präsentieren und die gesellschaft als den einzigen prior betrachten um genügen zu dürfen. 

wann hat man denn genügend genügt, um seine zeit gesellschaftlich nicht verschwendet zu haben und wer entscheidet das?

ich verschwende mein leben gern, bin faul, langweilig und tue das was mir gefällt.  jeder geht so seinen weg. es ist nicht so, dass ich resourccen verschwende, es geht nur um das was ich mit meiner zeit anfange.

meine zeit verschwende ich für dinge die ich tue oder nicht tue und ich sende mein nichtstun an meine synapsen, die sich freuen ausruhen zu dürfen und wenn ihnen das nicht mehr passt, höre ich die musik, die mir die freude gibt; mein verschwenderisches leben weiter so lange zu genießen, bis der tod das alles beendet.

wer will denn entscheiden, wer wann was verschwendet und wer das leben den normen nach lebt, die irgendwer irgendwann mal zu seinem vorteil als das non plus ultra in unser leben platzierte. 

man kann menschen auch achten, wenn man deren lebensweise nicht versteht, man kann weggehen, man kann unzufrieden sein, sich kritisieren, andere kritisieren, wenn andere ihre werte für sich anpassen wie sie es wollen und die gesellschaft dorthin zwingen möchten; es bleibt egal.

das "egal" bleibt wieder einmal der eigentliche fixpunkt, denn unter dem aspekt der sterblichkeit aller erdenbürger ist unser handeln in unserer lebenszeit hier auf erden doch letztendlich völlig egal. 

die zugemessene wichtigkeit von handlungen von menschen wird überschätzt, denn die zeit deckt alles und jegliches mit dem vergessen zu, als sei das so gewünscht; aber egal.