„mann, sie sollen mit dem seesack laufen, nicht der seesack mit ihnen.“ diese erste ansage eines vorgesetzten unteroffiziers wird mir immer in erinnerung bleiben. warum auch nicht? für mich symbolisiert sie den beginn einer erfahrung, die mich auf eine harte probe stellte und die tief im gedächtnis haften blieb. zur erklärung: ein seesack ist ein etwa 1,50 meter langer, meist grüner sack, in dem alles verstaut wird, was in der kleiderkammer ausgegeben wird, um es dann zur unterkunft zu transportieren. das zimmer, in dem wir uns befanden, war eng – mit drei dreierhochbetten, neun spinden, einem tisch und vier stühlen, sowie einer birne, die ungeschützt an einem kabel von der decke hing. der blick aus diesem zimmer war unser erster eindruck der „welt“ der bundeswehr.
wir durchliefen eine grundausbildung, die für mich schwer in der zeit zu fassen ist – drei monate? sechs wochen? es ist schwer zu sagen, weil der zeitraum sich dehnte, als sei er eine andere dimension. jedenfalls fühlte es sich lang genug an.
als ich damals mit meinen 72 kilo den 40 kilo schweren seesack ohne vernünftigen griff über die 700 meter bis zum kompaniegebäude schleppte, merkte ich, was es bedeutet, den eigenen körper zu spüren. es war insgesamt eine harte zeit. aber diese erfahrung hat mich nicht gebrochen, sondern geformt.
was bleibt, ist die frage: was bedeutet es, in einer solchen zeit auszuhalten? was bedeutet es, sich in einem system zurechtzufinden, das auf disziplin und strenge setzt? und ist das wirklich noch relevant? wenn wir heute zurückblicken, erscheint vieles vielleicht überholt – doch die frage nach disziplin, nach der eigenen körperlichen und geistigen belastung, ist eine, die uns immer wieder einholt, ganz gleich, in welchem zeitalter wir uns befinden.
vielleicht hat uns das, was wir erlebten mehr geprägt, als wir es damals begriffen. und vielleicht sind es genau diese erfahrungen, die uns eine wertvolle perspektive auf die gegenwart und die zukunft geben konnten.
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