22 Mai 2025

Ameisenkolonie

Keiner will Ameise sein, und doch wandern wir durch ihre Gänge, als wären wir geboren, zu kriechen und zu tragen.

Teil einer Kolonie, die niemals schläft, ein Kosmos aus winzigen Füßen, die Berge erklimmen, für eine Königin, die nie spricht, nur herrscht.

Wir jagen den Ameisen nach, folgen unsichtbaren Pfaden, ohne zu wissen, dass wir selbst das Summen sind, der Pulsschlag eines Baus, der uns verschlingt.

Viele schuften im Verborgenen, ihr Streben fremdbestimmt, ihre Mühen namenlos, ein Tanz ohne Applaus, ein Leben ohne Spiegel.

Und so bleibt die Angst – die Furcht, die eigene Spießigkeit zu erkennen, das schmerzliche Wissen, nur ein kleines Rädchen zu sein, ersetzbar, austauschbar, doch unentbehrlich zugleich.

Manche flüstern von Ausbruch, von Rissen im Bau, von Furchen, die nicht mehr zu glätten sind. Doch wer es wagt, legt sich mit der Stille an, mit der Königin, die schweigt, doch alles hört.

Wir fliehen vor dem Bild, eine Ameise zu sein. Doch können wir entkommen, wenn wir selbst deren Wege pflastern? Du kannst laufen. Klettern. Fliegen. Doch dem Berg entkommst du nicht.

So kreist das Spiel weiter. Wir sind die Ameisen, die wir nicht sein wollen. Doch ohne uns läuft nichts. Die Königin bleibt stumm, während wir schweigend versuchen das Gewicht der Ordnung zu tragen. 

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