07 August 2024

Bis/auf/Wenige

Wer sich mit menschlichem Leben und Erleben beschäftigt, kann nur Spannung erleben, wenn ihm Erfahrung fehlt. Das ist eine steile These. Menschen überraschen mich nicht mehr. Nicht weil ich nicht mehr neugierig bin, ganz im Gegenteil. Ich kenne alle Liebeleien und Abgründe des menschlichen Lebens und nur deshalb, weil ich schon lange erlebe.


Spannend war es, Dinge zu erleben, die man nicht für möglich hielt: Landschaften, Botschaften, Machenschaften, Liebesglück und das, was dazugehört. Heute überrascht mich niemand mehr, weil ich mir arrogant einbilde, die Menschen in ihren unterschiedlichsten Facetten zu kennen. Die menschlichen Schemata laufen stets gleich ab und erschöpfen sich so in den Wiederholungen in anderer Zeit. In nächster Zeit, vor langer Zeit – Menschen sind zu allem bereit und nicht nur aus Neid.


Wer an das strikt Gute im Menschen glaubt, ist ein naiver Fantast, und wer nur an das Schlechte glaubt, scheint zumindest besser beraten, um abzuwehren. Man stelle sich eine Tasse Kaffee vor, ein Glas guten Wein – um wie viel besser geht es uns damit, als mit dem Umgang von Menschen, selbst dann, wenn wir sie lieben. Und das nur, weil wir dabei entspannen lernen, Gedanken fliegen lassen lernen, hin zu den Sternen. Mit Menschen geht das so nicht. Und das nur, weil jeder Mensch sich ach so wichtig nimmt, bis auf wenige, und selbst die suche ich nicht immer auf. 20/24

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