was ist ein gutes leben? was ist das gegenteil davon? diese fragen beantworten keine zwei menschen gleich.
in diesen unseren feigen zeiten leugnen wir die größe des universalen und verteidigen und verherrlichen unsere lokalen engstirnigkeiten, und darum können wir uns nicht auf vieles einigen.
in diesen unseren degenerierten zeiten sind die menschen allein auf großtuerei und persönlichen gewinn aus - hohle aufgeblasenen menschen, für die nichts tabu ist, wenn es ihre kleine sache voran bringt -, sie behaupten, große anführer und wohltäter zu sein, im sinne des gemeinwohls zu handeln, und bezeichnen alle, die sich ihnen widersetzen, als lügner, kleingeistige neider, dummköpfe, spießer - und in der bewussten verkennung der wahrheit als unaufrichtig und korrupt.
wir sind so uneins, so feindlich gegeneinander, so getrieben von scheinheiligkeit, und verachtung, so versunken in zynismus, dass wir unsere großspurigkeit idealismus nennen, so enttäuscht von unseren herrschenden, so bereit, die institutionen unseres staates zu verspotten, dass genau das wort tugend seine bedeutung und notwendigkeit verloren hat, vielleicht, um für eine zeit beiseitegeschoben zu werden wie alle anderen vergifteten wörter, spiritualität, zum beispiel, endlösung, zum beispiel, und freiheit.
quelle: buch "golden house" von salman rushdie
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