23 Mai 2022

brief/an/die/deutsche/gesellschaft



sehr geehrte deutsche gesellschaft,

ich schreibe diesen brief an sie um mich von ihnen zu entlasten, obwohl ich ihnen angehöre. zumindest erlaube ich mir, erlauben sie mir das noch und solange das noch so ist, möchte ich dieses privileg nutzen, obwohl ich sehr genau weiß, dass sich alles und jegliches, jede wertannahme und jedes geglaubte wort, jede ankündigung und jegliches gesetz so verschieben und ändern lässt, dass das was heute als sicher und gefestigt galt, morgen als gegenteil wirksam wird. 

man kann nicht allen ernstes kritisieren, was siebzig jahre funktioniert hat? was den deutschen wohlstand zementierte? die freie marktwirtschaft? die ach so sozial ausgewogenen demokratiebemühungen? 

den umgang der menschen mit sich, den stärkeren unter ihnen, den schwächeren? der deutsche ansatz als maßstab für die welt? die tatsache, dass es den meisten deutschen auch auf kosten anderer staaten relativ gut ging und geht wird bestritten? 

was ist gut? ist gut dann gut, auch wenn man wegguckt und nur das eigene gut betrachtet, oder ist das nicht gut? "

nur mut zur analyse!" 

andere menschen geht es deshalb nicht gut, weil es uns gut geht? es entstehen kriege weil es uns gut geht und die anderen länder das erstreiten müssen was die deutschen im überfluss haben? 

das geht uns nichts an? kriegsland geht uns nichts an? weil wir mehr wert sind, mehr wert haben? weil das was weg von uns ist; nur im kino passiert? 

liebe deutsche gesellschafter, oder gegendert (was wichtig ist?) gesellschafter*innen habt ihr euch schon einmal sorgen um die eigene existenz machen müssen? sorgen um das leben eurer kinder und kindeskinder? wirkliche existenzielle sorgen? wenn ihr diese frage mit ja beantwortet, seid ihr nicht gemeint! 

liebe deutsche gesellschaft ich setze hier keine schuldzuweisung in das so "menschenwichtige" soziale netzwerk, das ist nicht der grund für diesen brief. den grund kenne ich selbst nicht und schon gar nicht lösungen zu etwaigem permanentem missstand. 

diese zeilen rauschen einfach und frei durch den globalen raum wie das kleine raumschiff ohne treibstoff, das in den großen schwarzen kosmos flieht und nie wieder gesehen wurde, weil niemand weiß welches (schwarze) loch seine anziehungskraft aktivierte. 

liebe gesellschaft, ich weiß nicht ob der kosmos bebt, die deutsche gesellschaft so überlebt, oder die fragen falsch gestellt wurden, die relevanz falsch verdichtet rüberkommt, oder jemand verstehen will was hier steht, ich weiß nicht ist es zu früh, zu spät, was kommt bei wem wie an und wer gewichtet welches problem, das er (nicht) hat,  denn das sind alles dinge bei denen steht man nebenan, außen vor und schaut recht dumm in diese welt, die deutsche gesellschaft allenfalls; hat sich darauf eingestellt? 

mit freundlichen grüßen 
rainer schulz   
im mai 2022

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