Ich diskriminiere schon mein Leben lang. Wie kann man das abstellen? Wie erahnt man, welcher Mensch sich wann durch wen diskriminiert fühlt?
Wenn neue Geschlechter erfunden werden, wenn es in Amerika beginnende Menschen gibt, die als Katze leben wollen, wenn jemand sein T-Shirt heroisiert, woher soll ich bitte dann wissen, was er hören will, wie er behandelt sein möchte? Soll ich mir ein T-Shirt kaufen, auf dem „Miau“ steht?
Wenn ich zum Bäcker gehe und zwei Brötchen verlange, fühlt er sich dann diskriminiert, weil ich seine Backkunst anzweifle, so ich sonst doch mehr Brötchen gekauft hätte?
Wie viele Seelen habe ich wohl schon diskriminiert, dadurch brüskiert und letztlich des Selbstvertrauens beraubt? Ich fühle mich so schuldig und entschuldige mich bei allen Steinen, die ich jemals weggestoßen habe, die durch mich an ihrem ihnen angestammten Raum nicht mehr weiter bestehen durften.
Ich entschuldige mich bei dem Wasser, das ich durch Schwimmstöße verdrängte, bei dem Papst, dessen „Urbi et Orbi“ ich verpasste, und mir würde so vieles mehr einfallen, was ich verändert habe und was ich dadurch vielleicht auch diskriminiert habe.
Im Übrigen entschuldige ich mich bei Alfred, dem ich gesagt habe, dass sein Hosenladen aufsteht, und bei allen Menschen, mit denen ich jemals geredet habe, denn wer redet, diskriminiert, wenn es thematisiert und eingefordert wird.
Ich gestehe ein, ein Mörder zu sein, weil ich im Laufe meines Lebens tausende Schnaken eliminiert habe, Schnaken, deren Lebensraum von diesen Schnakenhubschraubermenschen bekämpft werden, diesen Phötusjägern der besonderen Art. Ich möchte sie nicht diskriminieren, aber die Schnaken eben auch nicht. Und nun? Ein Dilemma überfällt mich.
Ach, ihr Gender- und Diskriminierungspropheten unserer Zeit, helft mir doch durch diesen Schlamassel! Ich schlage vor, die Menschen weiter zu klassifizieren, je nach Gutdünken der einzelnen Gruppierungen.
Man könnte auch die Gesellschaft in deren Sinne umstrukturieren, aber fühlt die sich dadurch nicht diskriminiert, und welcher Gruppierung wird das denn dann erlaubt?
Ich schlage vor, jeder Gruppe ihre eigene Sprache zuzugestehen und somit der Allgemeinheit „weiterzuhelfen“, doch der eine fühlt sich diskriminiert, weil er divers ist und um gesellschaftliche Anerkennung kämpft, der nächste lebt als Katze und möchte das in Ruhe tun dürfen, und der dritte wünscht keine eigene Sprache, weil das dann zu weit führt und er/sie/es keine Lust zum Lernen hat.
Katzenmenschen an der Supermarktkasse lecken an fremder Milch und fühlen sich dann diskriminiert durch diejenigen, die ihre Würde nicht respektieren?
Bei einer Bewerbung würde ich dem m/w/d noch das k für Katze hinzufügen wollen und das h für Hund und das s für Schnaken und das sj für Schnakenjäger.
Vielleicht definiert sich ja auch noch jemand als Affe, und mit Affe endet dann die Bewerbung? Also: m/w/d/k/h/s/sj/a. Wie bitte gehe ich mit der Würde eines/einer Affenmenschen/affenmenschinnen um? Ich gendere mal nicht weiter, weil mich das überfordert.
Ich würde alle Katzen, Schnaken, Schnakenjäger, Hunde und Affen (und sicher habe ich noch tausende andere Definierungsdelikte vergessen) auch sprachlich schützen, indem ich gesellschaftlich anlege, dass mindestens die Gestik von Affen und die Laute von Katzen und Hunden in unseren Schulen gelehrt werden.
Auch das Fliegen sollte endlich als Lehrfach angedacht werden, damit auch die Fraktion Tierschutz endlich zu ihrem Recht kommt und sich die Heranwachsenden somit entsprechend gegenüber den einzelnen Gruppierungen verhalten lernen, um zu vermeiden, dass sich ein Großteil der Bevölkerung gesellschaftlich stigmatisiert fühlt.
„Jeder Mensch, der eine freie Lebensform wählt, hat ein Anrecht darauf, in Würde zu leben und von allen anderen Menschen geachtet und respektiert zu werden.“
Vielleicht fühle ich mich ja auch diskriminiert dadurch, dass ich ein rotes Ampellicht beachten soll, obwohl ich mir doch die Freiheit gönnen möchte, schnell vorwärtszukommen.
In diesem Fall müsste man noch bei der Bewerbung ein „ra“ für rote Ampel hinten anstellen, damit auch diese Gruppierung gesellschaftlich abgebildet werden kann, die keinen Bock auf die Straßenverkehrsordnung hat. Ein Talk bei Lanz ist sicher schon terminiert.
P.S. Eben habe ich gelesen, dass die Gruppe „Froschaugen“ eine Petition an die Bundesregierung gesendet hat, in der sie wünscht, besonders in die Entscheidungsfindung des Kanzlers eingebunden zu werden, da sie durch ihre Einschränkung (Froschaugen) nichts mehr durchschaut und es ihr dadurch an Durchblick fehlt.
Daraufhin hat die Glaubensgesellschaft für angewandte Ästhetik beschlossen, dem Bundeskanzler mitzuteilen, dass sein spärlicher Haarwuchs nur dann zu akzeptieren sei, wenn er den Mund nur dann öffnet, wenn er Nahrung zu sich nimmt.
Ich überlege, diese Gruppierungen zu unterstützen, um den Minderheitenschutz aufrechtzuerhalten, und hoffe dadurch nicht den Kanzler, die Bundesregierung und deren Apparat zu diskriminieren.
Am besten aber schweigen sich die Menschen dieser Welt an, dann passiert nichts. Werden dann aber die Sprechenden diskriminiert und die Schweigenden beginnen deshalb zu reden?
Schwierig das Ganze. Schwierig gemacht das Ganze.
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