Verstehen – ein trügerisches Versprechen. Immer in Sichtweite, nie greifbar. Wer etwas wirklich begreift, müsste handeln. Und genau das wollen wir vermeiden. Also bewegen wir uns. Vorwärts, rückwärts, Hauptsache weiter. Die Richtung spielt keine Rolle, solange wir nicht stehen bleiben. Denn Stillstand bedeutet, sich zu stellen. Dem, was wir nicht sehen wollen. Und was man nicht sieht, muss man auch nicht tragen.
„Es geht vorüber“ – sagen wir. Eine Beruhigung, kein Trost. Denn was vorübergeht, bleibt nicht haften. Es verpflichtet zu nichts. Keine Erinnerung, keine Verantwortung. Alles vergeht. Nichts bleibt. Und das nennen wir Leben. Eine Abfolge von Ablenkungen, von Entscheidungen ohne Wirkung. Weil eh nichts übrig bleibt.
Vielleicht ist das alles, was wir haben: der Versuch, Bedeutung zu schaffen, wo keine ist. Wir hängen uns an Worte, an Bilder, an Gesten. Aber all das zerfällt. Der Tod ordnet nicht, er löscht. Es gibt keinen Bilanzierer, keine Instanz, die das sortiert, was wir waren. Und trotzdem handeln wir, als würde jemand zählen, werten, richten.
Der große Nihilismus kommt nicht als Bruch, sondern als langsames Verstehen. Dass nichts trägt. Dass alles, was wir aufbauen, vergeht. Auch das Beste. Auch das Wahrhaftige. Und trotzdem machen wir weiter. Nicht aus Überzeugung, sondern aus Trotz. Weil es schwerer ist, nichts zu tun. Weil es nicht erträglich ist, sich selbst als vorübergehend zu denken.
Wir wissen, dass nichts bleibt. Und leben trotzdem. Nicht, weil wir hoffen. Sondern weil wir nicht anders können. Wir bewegen uns, um das Schweigen nicht zu hören. Wir gestalten, um dem Leeren eine Form zu geben. Am Ende bleibt das große Egal. Und selbst das – vergeht.
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