Wenn ich fünfzehn Kamele hätte, wären das fünfzehn zu viel. Denn ich würde nicht nach Damaskus reisen wie Ibn Battuta — denn Ägyptens Anstrengungen auf dem Tahrir-Platz, Demokratie zu erreichen, wurden nach Mubaraks Rücktritt nicht belohnt. Viele Jahre regiert nun al-Sisi, ein Autokrat, der alle Anstrengungen der ägyptischen Bevölkerung zunichte machte und ähnliche Strukturen schuf wie seinerzeit Mubarak. In Syrien wird es sich nach Assads Abgang womöglich ähnlich verhalten. Da helfen auch fünfzehn Kamele nicht. Vermutlich würde sich Ibn Battuta diese Reise unter den heutigen Zuständen auch nicht mehr antun.
Juni 26`
Ibn Battuta:
Ibn Battuta bereiste im 14. Jahrhundert auf geschätzten 120.000 Kilometern die damals bekannte Welt — zu Pferd und Kamel, zu Schiff, im Ochsenwagen und in der Sänfte. Siebenundzwanzig Jahre lang reiste der Marokkaner bis an die Grenzen der bekannten Welt und lernte Heilige, Wandermönche, Könige, Sultane und Despoten kennen.
Damit übertraf er die 24.000 Kilometer von Marco Polo und jeden anderen Entdecker der vormodernen Geschichte bei Weitem. Seine Beziehung zum Reisen war von spiritueller Neugier, politischer Intrige und religiösem Eifer geprägt.
Sein erstes großes Ziel war Mekka. Auf dem Weg dorthin bereiste er Gaza, Hebron und Jerusalem, bevor er in Damaskus bei angesehenen Gelehrten studierte, Diplome erwarb und die allgemeine Lehrerlaubnis erhielt. Die Umayyaden-Moschee von Damaskus bezeichnete er als die „wundervollste Moschee der Welt". Mekka war die erste von insgesamt sieben Pilgerreisen, die er dorthin unternahm — während die meisten Pilger danach heimkehrten, zog es ihn stets weiter.
Später führten ihn seine Reisen bis nach Konstantinopel, wo er Herrscher Andronikos III. begegnete und die Hagia Sophia von außen betrachtete — es war die erste Reise, die ihn über die Grenzen der islamischen Welt hinausführte.
Stationen wie Bagdad, Mekka, Kairo, Damaskus, Indien, die Malediven und China prägten sein Reiseleben. Nach einem kurzen Besuch Spaniens und einer zweijährigen Reise nach Mali und Niger legte er den Wanderstab endgültig zur Seite. Den Bericht seiner Reisen diktierte er nach seiner Rückkehr — das Werk trägt den Namen ar-Rihla und gilt bis heute als einzigartiges Zeugnis der mittelalterlichen islamischen Welt.
„Ich brach allein auf, ohne Gefährten, dessen Gesellschaft mir Freude
gemacht hätte, ohne einer Karawane anzugehören, der ich mich hätte
anschließen können — allein getrieben von einer überwältigenden
Sehnsucht und dem festen Vorsatz in meinem Herzen."
„Ich träumte, ich sei auf den Schwingen eines riesigen Vogels. Er flog mit mir Richtung Mekka, dann in den Jemen, dann nach Osten, dann weiter nach Süden, dann weit nach Osten abermals, landete
schließlich in einem dunklen, grünen Land — und setzte mich dort ab."
„Das Reisen hinterlässt dich sprachlos, dann macht es dich zum Geschichtenerzähler."
Ibn Battuta
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