19 Juni 2026

Meine Damen und Herren

Gedankennotiz:

Bewertung scheint unerlässlich zu sein, sagen wir. Aber ist sie wirklich die Grundlage für ein gutes Zusammenleben, wenn Menschen ihre unterschiedlichen Fähigkeiten koordinieren wollen?

Auf den ersten Blick funktioniert Bewertung hervorragend: Sie ordnet, vergleicht und schafft Orientierung. Doch genau darin liegt ihre Ironie. Denn in der Realität führt Bewertung nicht immer zu besserer Zusammenarbeit – manchmal verhindert sie sie sogar.

Ohne Bewertung können wir keine Entscheidungen treffen. Aber jede Bewertung braucht Maßstäbe. Und diese Maßstäbe stammen aus unserer Vergangenheit, aus Erfahrungen und Vorstellungen davon, was richtig oder wertvoll ist.

Bewerten wir Menschen und Ideen nur nach dem, was wir bereits kennen, belohnen wir vor allem Anpassung. Das Neue erscheint dann schnell als Fehler oder als Mangel.

Bewerten wir dagegen nach Kriterien, die wir selbst noch nicht verstehen, betreten wir unsicheres Terrain. Wir müssen dann akzeptieren, dass etwas wertvoll sein kann, bevor wir seinen Wert vollständig erkennen.

Die eigentliche Herausforderung ist deshalb nicht, ob wir bewerten sollen. Wir müssen bewerten. Die entscheidende Frage ist: Wie bewerten wir, ohne das Unbekannte zu zerstören?

Meine Damen und Herren: Vielleicht ist nicht die Bewertung das Problem, sondern die Illusion, dass unsere Maßstäbe endgültig sind.

Juni26`


Ansatz Nietzsche:

Nicht die Bewertung an sich ist fragwürdig, sondern die Unfähigkeit des Menschen, seine eigenen Bewertungsmaßstäbe als historische und begrenzte Konstruktionen zu erkennen.


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