Jeder redet sich diese Welt so schön, wie er es braucht, weil er selbst darin lebt. Was er selbst macht und wo er selbst ist, hat Gewicht für sich selbst, für die anderen nicht.
Jeder beeinflusst. Diese Beeinflussung fließt ins Leben ein, auch wenn man sich nur selbst belügt. Es gibt viele Menschen, die das ihr Leben lang machen. Nicht, dass sie das zugeben würden, das lassen sie nicht zu. Im Gegenteil: Die eigene Fassade muss um jeden Preis aufrechterhalten bleiben.
Ich behaupte, niemand auf der Welt ist authentisch. Dies zu verneinen gehört zur Fassade dazu. Man kann und will sich nicht selbst anklagen oder seine Missstände ausbreiten, sonst würde der Selbstbetrug ja nicht wirken.
Es ist nicht mal gesagt, dass dieser Betrug an der eigenen Person bewusst passiert oder unterbewusst. Es ist im Leben implementiert, eingeschweißt. Jeder kann sich seine Beispiele selbst suchen; er findet sie, wenn er es ernsthaft versucht. Dann ist es wie bei einem alten Haus: Wenn einmal die Fassade bröckelt, bricht irgendwann das Gebäude zusammen.
Menschen bestehen aus Fassaden, die das oft verrottete Innere des Hauses kaschieren sollen. Sie übertreffen sich an Scheinheiligkeit und Selbstgefälligkeit. Es gibt sicher auch andere Menschen: gute Menschen, Seelenmenschen. Hingebungsvoll adressieren sie Empathie und schützen die Schwachen. Sie stellen sich vor die Schafe, die oft keine sind, und wollen sie vor dem bösen Wolf beschützen. Doch das wollen die Fassadenstreicher erst recht nicht.
Es ist niemandem zu wünschen, doch alle Schönreden greifen dann ins Leere, wenn das Schicksal den eigenen heiligen Gral beschädigt. Dann gibt es keine Fassade mehr und das (falsche) Mitleid bestimmt. 20/24
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