21 Oktober 2024

Oder/Beides

Nun ja, ich kann mich doch nicht ständig betrinken. Mein Intellekt mahnt mich zur Vernunft: „Das geht so nicht!“ Und ich weiß es. Aber es wird mir zunehmend gleichgültig. Was in dieser Welt geschieht, ist unerträglich – unnötige Kriege, unfähige Politiker. Eine toxische Symbiose. Ohne Alkohol? Kaum auszuhalten.

Also gut, ihr Gutmenschen, sagt mir, wie egoistisch, selbstherrlich und feige das ist. Ihr habt recht. Und dann? Nüchtern sehe ich die Welt klarer, aber es macht nichts schärfer. Es wird nur härter.

Gaza, Ukraine – nur die Spitze des Eisbergs. Der Mangel an menschlicher Empathie ist in die Geschichte gebrannt. Für mich ist das zu viel. Wahnsinn regiert. Verantwortung übernehme ich als Mensch nicht mehr, obwohl wir alle betroffen sind.

Erzählt mir, was ihr wollt, ich höre nicht hin. Ändern? Unmöglich. Ich kann Kreuze auf Wahlzettel malen, als wäre ich ein Analphabet, doch Kinder sterben trotzdem. Menschen sterben. Die Sirenen heulen durch meine leeren Straßen, aber ich höre sie nicht. Will das nicht. Nicht, wenn ich mich betäube, um diesem Elend zu entkommen.

Graue Anzüge, Schlipse, saubere Hemden, nicht mal verschwitzt – die Klimaanlage regelt das für euch. Prost! Ihr Verrückten, die ihr euer Menschsein verloren gebt. Die ihr euer falsches und verspätetes Erleben belebt.

Eure Moral habt ihr verstauben lassen. Eure Ansprüche an euch selbst? Lächerlich. „Das war schon immer so“, sagt ihr. Doch das rettet euch nicht. Ihr seid Sklaven eurer Instinkte, während ihr eure Macht glorifiziert.

Schämt euch! Ich sehe es. Erkenne. Also betäube ich meinen Geist, lasse ihn durch das Sieb der Unerklärlichkeit rinnen. Entweder betrinke ich mich, oder ich sinke in den Tod – oder beides. 2024

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