24 November 2024

Die Ambivalenz des Andersseins

Veränderung kommt. Sie schleicht sich ein, ohne zu fragen, ob wir bereit sind. Sie stülpt sich quasi über uns ohne uns die Möglichkeit zu geben, uns darauf vorzubereiten. Und genau das macht sie so schwer – sie wird uns aufgedrängt, ohne dass wir etwas dagegen tun können. Der Mensch fürchtet das Unbekannte, das er nicht kontrollieren kann. Das „Anders“, das er nicht gewählt hat. Veränderung wird zu einer Bedrohung, weil sie die gewohnte Ordnung durcheinanderbringt, die wir uns mühsam aufgebaut haben.

Und doch strebt der Mensch selbst nach Veränderung. Er will sich abheben, etwas Neues sein, sich anders machen. Aber nicht, weil er sich einfach verändern will – er will Anerkennung, will gesehen werden. Das „Anders“, das er sich selbst wählt, gibt ihm das Gefühl, Kontrolle zu haben. Er verändert sich, um sich zu definieren, um zu zeigen, wer er ist und was er kann. Aber dieser Wunsch nach Veränderung hat seine eigenen Tücken. Denn oft ist es nicht das, was sich verändert, sondern wie es sich verändert. Und genau da fängt die Unsicherheit an.

Denn was, wenn die Veränderung nicht aus ihm selbst kommt? Was, wenn sie von außen kommt, ohne dass er es steuern kann? Wenn sich plötzlich alles um ihn herum verändert, ohne dass er eine Wahl hat? Dann fühlt er sich ausgeliefert. Dann wird das „Anders“ zu einer Last. Zu einer Veränderung, der er sich nicht entziehen kann.

So lebt der Mensch zwischen diesen beiden Polen. Einerseits der Wunsch, sich selbst zu verändern, um sich zu zeigen und sich zu definieren. Andererseits die Angst vor der Veränderung, die er nicht selbst in der Hand hat, die er nicht beeinflussen kann. Veränderung ist dann nicht nur eine Chance, sondern auch ein Risiko. Ein Kampf darum, nicht von dem, was kommt, überwältigt zu werden.

Und genau in dieser Spannung lebt der Mensch. Immer zwischen dem Drang, sich selbst zu gestalten, und der Furcht, von etwas verändert zu werden, das er nicht kontrollieren kann. Veränderung ist nicht nur das, was draußen passiert – es ist auch das, was in ihm selbst passiert, wenn er sich nicht entscheiden kann, ob er sich der Veränderung stellen oder sich ihr entziehen soll.


Verfasst im November 2024              https://dialogchatjpg.blogspot.com/

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