06 Februar 2025

Der kleine Lorenz

 „Wenn der kleine Lorenz erwacht, träumt er davon, groß zu sein. Er filtert die Chancen des Hier und Jetzt, setzt seine Gedanken in Bewegung – das Drängen nach Anerkennung, das Bedürfnis, gesehen und gehört zu werden. In seiner Struktur manifestiert sich die Überzeugung, dass nur so die Spanne zwischen Geburt und Tod zu durchschreiten ist, im Erfolg, der sich aus seinen eigenen Vorstellungen speist. Der kleine Lorenz nimmt keine Rücksicht, weder auf die Eltern noch auf die Geschwister. Er ist getrieben von einem Willen, der sich dem Handeln verschreibt, ausgerichtet auf das, was ihm dient. Ein kleiner Mensch, der ohne Erfahrung ist – eine Erfahrung, die erst noch kommen muss, durch das Gewühl seiner Lebenszeit und das Verhandeln im sozialen Gefüge, das er noch zu begreifen lernen muss.

Vielleicht gibt es viele von uns, in denen dieser kleine Lorenz immer wieder aufwacht, wenn wir uns von der Welt sehen und anerkannt wissen wollen. Manche haben gelernt, diesen Teil in sich zu erkennen, ihn zu zügeln oder ihn in Bahnen zu lenken, andere hingegen geben ihm unbewusst Raum, sodass er die ganze Richtung bestimmt. Der kleine Lorenz ist nicht nur das Kind, das nach Bestätigung verlangt – er ist auch der Teil in uns, der im stillen Moment danach fragt, was uns als Menschen wirklich ausmacht. Vielleicht sind wir alle ein wenig Lorenz, zwischen dem Drang nach Größe und der Notwendigkeit, zu begreifen, dass wahre Größe niemals in den Augen der anderen zu finden ist.“

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen