08 Januar 2026

Wer immer geht.....

Ihr nennt es Fortschritt, doch es ist Erosion. Wer immer weitergeht, entzieht dem Ankommen die Basis. Das Ziel ist kein Ort in der Ferne, es ist die Schwelle, die man erkennt und besetzt. Doch eure Eitelkeit braucht den Horizont als Ausrede, um eurem Territorium zu entkommen.

Wer immer geht, kommt niemals an. Ihr seid nicht zu weit weg, ihr seid schon darüber hinaus. Man kann das Glück nicht finden, wenn man es überholt. Der Drang im Vorwärts ist die Angst vor der Relevanz, ein Fluchtreflex, den ihr mit Ambition verwechselt.

Wer steht, der weicht nicht zurück – er nimmt den Raum erst ein. Der Mainstream lehrt euch die Sehnsucht nach dem Nächsten, damit ihr das Vorhandene als Rückschritt begreift. So wird das Gehen zur Tilgung der Substanz. Das Ziel war kein Punkt, es war der Moment des Verweilens.

Die Reichweite wächst, doch der Mensch verkommt in der Weite des Seins. Was früher neu und unheimlich war, ist heute die Mechanik der Globalität. Wer das Haus im Gehen nicht erkennt, wird auf jeder Strecke heimatlos bleiben. Umkehren ist kein Versagen. Es ist die Korrektur einer sinnlosen Flucht.

Wer immer geht, kommt niemals an. Das Zuhause liegt längst hinter euch. Ihr seid nicht zu weit weg, ihr seid schon darüber hinaus. Ankommen ist das Ende der Bewegung. Wer steht, der weicht nicht, aber auch das Stehenbleiben hat seine Tücken, nämlich dann, wenn man irrt.

Rainer Schulz im Jänner 2026 dem 8.

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