06 Oktober 2025

Untätige Faulheit

Meine Untätigkeit, die mir angeborene Faulheit, unterstützt mich darin, alles abzulenken, was mich einer Beschäftigung näherbringen möchte. Ich halte das für eine Form geistiger Integrität. Wer arbeitet, entzieht sich dem Denken; wer denkt, dem bleibt gar nichts anderes übrig, als untätig zu sein.


Tätigkeiten sind mir per se suspekt. Sie verraten zu viel von einem Willen, der sich selbst missversteht. Ich rate niemandem, dagegen kritisch zu argumentieren – das wäre, als wollte man die Ruhe überreden, laut zu werden.


Der Volksmund irrt: Nicht jeder Mensch ist des Arbeitens wegen auf dieser Welt. Manche sind bloß dazu da, die Betriebsamkeit der anderen zu bezeugen – und sich an ihrer Lächerlichkeit zu wärmen. Das Herstellen umtriebig-untätiger Erlebnislosigkeit ist eine Kunst, die man gesellschaftlich missachtet, weil sie nichts hervorbringt als Spiegel. Sie wachen über dich. Und wehe, du entziehst dich ihrem Werk – dann morden sie dich mit ihrer Moral, meucheln dich mit ihrem Sinn.

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