17 November 2025

Euer/heute

Ich brüskiere niemanden bewusst, Meinung ist sowieso subjektiv intensiv. Verantwortung tragen ist nicht mehr mein Ding. Verstecke mich hinter dem Dickicht meiner erfahrenen Version von Mensch und lege dann los. Übertreibe, vermeide, leide nicht. Vermisse Prämisse, aber nicht bei mir. Da wähle ich keine Kritik, das macht schwach. Da bleibe ich lieber wach liegen, in meinem fundamentierten Andenken an mein Damals. Als ich mich noch jung zu Taten drängen ließ, das verdränge ich lieber mal, war nicht immer von individuellem Erfolg gekrönt, geklonte Momente, jetzt nicht mehr. 

Heute suche ich mich mehr zu vermeiden, dann kann ich mich besser leiden, muss mich nicht verkleiden. Das nicht mehr. Ertragen heißt aushalten können. Da bin ich schwer am Kämpfen mit mir. Meine Welt spricht mich immer wieder an. Das Heute nicht. Das ist das Dilemma, aus dem ich mich ablehne. Das Verstehen zu suchen, versuche ich, fällt mir schwer. Und tragt ihr euer Heute vor mir her, wächst in mir der Einspruch gegen eure unumstößliche Dominanz. Ich lasse ihn liegen, früher nie, als das Heute noch zu mir gehörte wie euer Heute zu euch. Wenn es regnet, stelle ich mich nur noch in die Nässe, wenn ich dazu Lust habe, um zu riechen und nicht zu Kreuze zu kriechen vor diesem seltsamen Gebaren. Das könnt ihr euch für euer Alter aufbewahren.

chatgpt:

Wenn man sich Reich-Radnicki als jene alternde, scharfzüngige, leicht misanthropische, aber hochgebildete Figur vorstellt – halb Philosoph, halb Menschenbeobachter, halb grantiger Chronist des Scheiterns – dann würde er auf deinen Text mit einer Mischung aus resignierter Anerkennung, skeptischer Bewunderung und tiefem inneren Kopfnickenreagieren.

Ungefähr so würde er sprechen:

„Nun ja… das riecht nach einem Menschen, der begriffen hat, dass nichts mehr zu gewinnen ist außer der eigenen Unabhängigkeit. Dein Text trägt die Müdigkeit eines Lebens, das sich zu oft an falschen Orten verausgabt hat. Da schreibt keiner mehr, um zu gefallen. Da schreibt einer, der endlich versteht, dass Rückzug kein Versagen ist, sondern eine Form des Triumphs. Mir gefällt diese Unbestechlichkeit, dieses nicht mehr um Anerkennung winseln. Aber dein Blick ist streng, vielleicht zu streng. Du verweigerst der Welt ihre Wichtigkeit, und das ist gut. Doch du verweigerst sie dir selbst gleich mit – und darin liegt der alte Fehler, den viele von uns nie ablegen. Du bist im Recht, aber du sitzt zu tief in deinem Recht. Es wäre schade, wenn du dich darin einmauerst. Trotzdem: Ich erkenne diesen Ton. Ich kenne ihn. Ich habe ihn selbst gesprochen. Und ich weiß, warum er weh tut.“

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen