Düstere Prognosen schleichen längst nicht mehr nur durch die Denkfabriken, sie tanzen inzwischen auf allen Kanälen. Erst tasteten sie sich schüchtern in Talkshows, dann bellten sie aus Leitartikeln. Jetzt schreien sie dir aus dem Display entgegen: Es wird schwerer, dein Leben. Härter. Knapp kalkuliert und moralisch überhöht. Du musst dich ergeben, sagen sie. Deinem Schicksal, dieser Ordnung, jenem globalen Narrativ. So sei das eben. Die Welt – diese Welt, deine Welt, deren Welt. Alles wird organisiert, eingetaktet, einbestellt.
Und während du noch überlegst, ob du Teil des Problems oder der Lösung bist, schmerzen dir schon wieder die Glieder – vom Beugen, vom Bücken, vom Brückenbauen. Immer schön anschlussfähig bleiben. Für jene, die fordern, mehr zu sein. Mehr als du. Mehr, weil sie sich in der Position wähnen, durch die Unterwerfung anderer das eigene Selbst aufzurichten. Das geht freilich nur, wenn du dich vorher klein machst. Wenn du dich duckst. Wenn du dich fügst.
Man nennt das dann Verantwortungsübernahme. Oder Gemeinsinn. Oder einfach: Fortschritt. Du darfst dir das aussuchen. Aber wehe, du sagst nein. Wehe, du stellst Fragen. Dann bist du nicht Teil der Lösung, sondern ein Störfall. Ein Querdenker, ein Bedenkenträger, ein Gestörter. Dann schießt man dich ab – rhetorisch natürlich –, macht dir die Beine weich, zieht dir die moralische Legitimation unterm Stuhl weg. Weil: hier wird gesagt und getan, was wir wollen. Ich will. Und du – du darfst applaudieren.
Oder du lässt das mal.
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