13 Juni 2025

Die Krönung

Es gibt diese Tage, da kommt man sich vor wie der Zeremonienmeister seines eigenen Lebens. Man steht da, legt sich selbst einen Kranz aufs Haupt, weil niemand sonst es tun wird – nicht aus Trotz, nicht aus Eitelkeit, sondern aus einer gewissen Notwendigkeit heraus. Ich habe begonnen, mein Leben zu krönen. Nicht mit Gold. Nicht mit Glanz. Mit Vielfältigem.


Es ist meine Art, mit dem Unfertigen umzugehen. Zumindest zwinge ich mich dazu. Selten. Immer öfter. Ohne die anderen zu verhöhnen, ohne mich mit ihnen zu versöhnen. Ich bin nicht auf der Suche nach Einigkeit, nicht nach Zustimmung. Ich suche den Raum, in dem man weder sich selbst verrät noch die Welt beklatscht, weil das gerade so üblich ist.


Was mein Leben mir aufzwingen will, lehne ich nicht aggressiv ab – aber ich nehme es auch nicht widerspruchslos hin. Man kann zulassen oder nicht. Man kann sich auf einen Weg begeben, von dem man denkt, man habe ihn gewählt – bis man merkt: Die Richtung war von Anfang an vorgezeichnet. Weil man so erzogen wurde. Weil die Gesellschaft das erwartet. Weil man dazugehören will, ohne zu wissen, wozu eigentlich.


Ich warte nicht auf ein Amt, nicht auf eine Krone im herkömmlichen Sinn. Ich bin weder König von Deutschland noch Kaiser von Europa. Ich kröne etwas anderes: meine Bereitschaft, durchzuhalten. Meinen leisen Widerstand gegen das Immer-mitmachen. Mein seltenes, aber bewusstes Mitgehen – wenn ich es mit mir vereinbaren kann.


Vielleicht ist das eine Form von Würde in einer Zeit, die das Private politisiert und das Politische personalisiert. Vielleicht ist es bloß eine Geste. Aber sie gehört mir.

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