Die eigene Meinung – ach, welch anmaßender Luxus im Zeitalter des betreuten Denkens! Einfach so, ohne Begleitformular und Triggerwarnung, ins gesellschaftliche Spektrum geschleudert – wie unzumutbar! „Schaut her“, ruft da einer, „ich bin nicht wie ihr!“ Und schon rattert das große Kategorisierungswerk. Passt er zur Mehrheit? Nein? Dann bitte: isolieren, etikettieren, abschießen.
Denn wer sich nicht an das hält, was einst als alternativlos geadelt wurde – diese sakrale Formel unserer Gegenwart –, der ist gefährlich. Nicht, weil er recht hat, sondern weil er stört. Und Störung ist das neue Verbrechen.
Natürlich duldet man solche Figuren nicht. Man stellt sich mit moralisch blitzblank geputzter Rüstung „voran an die Front“ und schießt – ausnahmslos. Auf Argumente, auf Töne, auf Zwischentöne. Alles muss weg, was nicht vorher in der Filterblase weichgespült wurde.
„Hier“, sagt man dann, „wird gesagt, was wir sagen dürfen. Was ich sage.“ Und ich? Nun, ich lasse mich von dieser choreografierten Empörung nicht beeindrucken. Ich werfe meine Meinung wie ein als Heuchler ertappter Reisender ins Publikum und genieße das Echo. Weil ich darf. Noch.
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