Wenn die menschliche Dummheit ein Maß erreicht, das selbst meine Gleichgültigkeit verbraucht, beginne ich, mich zu wehren. Dann schwimme ich gegen den Strom – laut, wütend, mit dem Drang, diese Gesellschaft am Kragen zu packen, um mich zu befreien von einem Wahnsinn, der längst Struktur angenommen hat. Was da als Kultur durchgeht, ist in Wahrheit eine Farce: ein Wucherwerk aus Symbolpolitik, Empfindlichkeitsdiktaten und ideologischer Selbstgefälligkeit.
Es geht nicht um Respekt. Nicht um Menschen, die sich als Katzen definieren und öffentliche Katzenklos fordern. Nicht um jährlich mögliche Geschlechtswechsel in amtlich abgestempelten Formularen. Es geht darum, wie eine Welt entstehen konnte, in der randständige Forderungen zur Norm, ideologische Extreme zum Maßstab werden – während die Mehrheit schweigt.
Gendern, Straßenblockaden, moralische Erpressung als Alltag. Ein Aktivismus, der sich selbst heiligt und Kritik sofort als Angriff entwertet. Die Gesellschaft nickt, apathisch, als sei alles längst entschieden. Und wer regiert, sieht das. In der Pandemie hat man gelernt, wie schnell Grundrechte beiseitegeschoben werden können – nicht einmal aus bösem Willen, sondern weil der Boden längst vorbereitet war.
Wo kein Widerspruch ist, entsteht Macht. Und diese Macht fällt nicht den Klugen zu, sondern den Lauten, den Überzeugten, den Unnachgiebigen. So wächst aus dem Wunsch nach Gerechtigkeit eine neue Form von Zwang. Und irgendwann – unausweichlich – wird daraus Gewalt: politisch, sprachlich, real. Auch das wird man noch verkaufen – als Fortschritt. Und wer schreit, gilt als Störer. Aber was bleibt einem, wenn nicht der Schrei? Ich könnte dauernd schreien.
Vielleicht ist das Erschütterndste nicht die Dummheit, nicht einmal der Irrsinn, sondern die Art, wie sich alles normalisiert. Wie der Wahnsinn Einzug hält, Satz für Satz, Beschluss für Beschluss, Plakat für Plakat – bis keiner mehr weiß, wie es vorher war. Es braucht keine Diktatur, keine Gewalt. Es reicht, wenn alle mitmachen. Oder einfach nichts mehr sagen.
Denn das ist das eigentliche Gift: das kollektive Schulterzucken. Die Umdeutung der Wirklichkeit zur Meinungssache. Die Entwertung des Augenblicks durch permanenten Kontext. Was zählt schon noch, wenn alles relativ ist, relativiert wird? Wer noch fragt, wird verdächtig. Wer zweifelt, gilt als gefährlich. Wer nicht mitmacht, steht sowieso schon draußen.
Ich habe keine Lust mehr, Verständnis aufzubringen für eine Gesellschaft, die sich bereitwillig entkernt. Die nicht mehr weiß, wo ihr Körper aufhört und ihr Image beginnt. Die sich Definitionen vorsetzen lässt wie Nahrung – portioniert, sterilisiert, gesichert gegen jede Unverträglichkeit. Alles wird verdaulich gemacht. Alles muss ein gutes Gefühl geben. Selbst das Elend. Selbst der Irrsinn.
Aber ich will kein gutes Gefühl. Ich will Klarheit. Reibung. Wirklichkeit. Ich will, dass der Schmerz wieder schmerzt. Dass ein Wort wieder schneidet, ein Gedanke etwas kostet. Dass Sprache nicht bloß einlullt, sondern trifft, eintrifft. Ich will, dass sich Denken wieder lohnt – auch wenn es wehtut. Vor allem dann, aber was wissen "alte weiße Männer" schon.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen