immer wieder streiten sich die geister darüber, ob das glas nun halb leer oder halb voll sei. doch dabei bleibt das wesentliche unbeachtet: das glas selbst. jenes zerbrechliche gefäß, auf das sich jede betrachtung stützt, als wäre es selbstverständlich. was, wenn es vom tisch gefegt wird? wenn es in scherben liegt, hilft keine perspektive mehr – dann lässt sich nichts mehr einschenken, selbst wenn wasser im überfluss vorhanden wäre.
wir sind das einschenken gewohnt, ebenso das austrinken – rituale einer ordnung, die nur solange funktioniert, wie das gefäß intakt bleibt. aber was, wenn das glas nicht zufällig zerbricht, sondern bewusst zerstört wird? wer nicht erkennt, dass genau darin der bruch beginnt, dem bleibt am ende nur die erinnerung an eine form, die nichts mehr fassen kann.
vielleicht liegt die frage gar nicht im füllstand, sondern darin, ob wir überhaupt noch sorgsam genug mit dem glas umgehen, das alles erst möglich macht.
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