mensch. visionen und illusionen sind der schaumstoff, aus dem märchen entstehen. nicht aus spaß, nicht zur flucht, sondern weil sie der erste schritt in richtung möglichkeit sind. am anfang steht nie das system, nie der plan – es steht der gedanke, der sich noch nicht einordnen lässt.
der von vielen menschen heroisierte ehemalige bundeskanzler helmut schmidt sagte einmal: „wer visionen hat, sollte zum arzt gehen.“ es war ein satz, der ihm applaus brachte, ein wort für die vernünftigen, die mit beiden beinen auf dem boden stehen. er wurde zitiert, gefeiert, weitergereicht wie eine wahrheit. vielleicht, weil er sicherheit versprach in einer welt, die zunehmend unübersichtlich wurde. doch in diesem einen satz steckt eine ablehnung, die weiter reicht als seine politische haltung. sie trifft jene, die anders denken. die nicht nur in lösungen, sondern in möglichkeiten sehen. sie trifft das freie denken, das man nicht verwalten kann.
jeder fortschritt, jede neue richtung begann mit etwas, das noch nicht greifbar war. auch das internet war einmal eine idee. flugmaschinen waren einmal spinnerei. das rad war ein versuch. jedes werkzeug, das der mensch je gebaut hat, war zuvor eine störung im gleichgewicht des bestehenden.
dass visionen belächelt werden, hat tradition. doch es ist kein zeichen von stärke, wenn man das zukunftsgewandte mit krankheit verwechselt. es ist ein mangel an mut. pragmatismus ohne vision wird zu verwaltung. und verwaltung allein bringt keinen schritt nach vorn. es braucht mehr als ordnung – es braucht richtung.
der mensch ist begrenzt. materiell gebunden, träge im geist, abhängig vom zustand des jetzt. gerade darum braucht es das unvollkommene, das noch nicht machbare, das absurde. nicht weil es funktioniert – sondern weil es etwas öffnet. manchmal entsteht daraus innovation. oft bleibt es nur eine spur. aber jede spur beginnt mit einem schritt ins ungewisse. nicht jede vision wird wirklichkeit. aber jede wirklichkeit hat mit einer vision begonnen.
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