23 Juni 2025

"Alte Akten."

Ich beschuldige niemanden. Dafür entschuldige ich mich. Weil ich Ruhe und Frieden haben möchte, weil Kräfte, wenn sie im Alter zu schnell bemüht werden, verfliegen. Man braucht sie vielleicht später noch. 

Manchmal. Ja, manchmal vergesse ich meinen Ansatz – dann nämlich, wenn mein Inneres wieder zurückkehrt, das, was ich zu fühlen habe, um bei mir zu sein. Dann wehre ich euch ab. Dann ist es mir egal, was euch egal ist, wem ich egal bin und wer sich meiner Gegenwart entzieht. 

Dann liege ich auch mal falsch. Nein, nicht immer. Das mögt ihr denken und euch freistellen – von Schuld, von Verantwortung. Ihr nutzt den Moment meiner Unaufmerksamkeit aus. Dann ist das eben so. Dann soll es wohl so sein, so kommen und jeder wirkt benommen – auch ich. Dann wieder sage ich mir:

„Das kann es dir doch nicht wert sein!“ 

Doch! In diesem Moment glaube ich mir das nicht, mache nicht das, was erwartet wird, verhindere mich nicht, behindere mich nicht, verzweige mich nicht, verstecke mich nicht, wirke hinderlich – so lange, bis ihr mich dann zu den Akten legt. 

Zu diesen verstaubten, altersschwachen Akten grauer Vorzeit, die in euren so modernen Schränken und Schubladen verstaut geblieben wären, wenn mich nicht mein Selbstwertgefühl veranlasst hätte, noch einmal das zu sein, was mich ausmacht.

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