Man spricht gern von Leistung, von Aufstieg, von fair verteilten Chancen – als wäre das alles so linear, so sauber, so gerecht. Als würde Fleiß automatisch zu Erfolg führen, Anstrengung zu Anerkennung, Einsatz zu Ergebnis. Doch das stimmt nicht. Und es hat nie vollständig gestimmt. Wer es „geschafft“ hat, erzählt oft von Entscheidungen, von Disziplin, vom eigenen Weg. Und das ist nicht falsch. Leistung zählt, Qualifikation zählt. Aber sie reicht nicht allein. Es gehört etwas dazu, das selten erwähnt wird: der Moment. Der Ort. Das Glück.
Wer zur richtigen Zeit am richtigen Platz ist, dem öffnet sich eine Tür, die anderen verschlossen bleibt – nicht weil sie weniger wollten oder weniger konnten, sondern weil der eine Augenblick fehlte, in dem Können sichtbar, möglich, wirksam wird.
Und wer durch diese Tür geht, vergisst schnell, dass sie sich auch hätte verschließen können. Dass der Erfolg nicht nur auf Können beruht, sondern auch auf dem, was man nicht beeinflusst: auf Umständen, auf Zufällen, auf Menschen, die einem nichts verbaut haben.
Gerade deshalb ist es trügerisch, aus dem eigenen Gelingen eine allgemeine Wahrheit zu machen. Es war auch Glück dabei. Und Glück ist nie gerecht. Wer das vergisst, wird blind für jene, deren Weg nicht geebnet war – obwohl sie nicht weniger getan haben.
Wer das leugnet, verteidigt nicht den Aufstieg, sondern die Illusion von Verdienst. Es geht nicht darum, Leistung kleinzureden. Sondern darum, sie in ihrem ganzen Zusammenhang zu sehen. Wer den eigenen Aufstieg versteht, ohne ihn zu verklären, wird nie jemandem überlegen erklären, wie der Weg zu gehen sei. Denn er weiß: Kein Weg gleicht dem anderen. Und keiner beginnt am selben Punkt.
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