22 September 2025

Selbst/beruhigung

Wenn wir angesichts der gegenwärtigen globalen Herausforderungen das eigene Überleben in den Vordergrund stellen, erscheint dies zunächst als rationale Entscheidung. Doch bei näherer Betrachtung offenbart sich eine paradoxe Wahrheit: In dem Maße, wie wir uns auf unsere Existenzsicherung konzentrieren, entfremden wir uns von der Bedeutung und Tiefe des Lebens. Um dieser existenziellen Leere zu begegnen, konstruieren wir Narrative – wir schaffen die Vorstellung einer Seele und eines Gottes, der dieser Seele Bedeutung verleiht.

Doch dieser Versuch der Selbstberuhigung wird durch die Unbeweisbarkeit der Existenz der Seele infrage gestellt. Die Konstruktion eines solchen Narrativs dient nicht der objektiven Wahrheit, sondern vielmehr der subjektiven Beruhigung inmitten einer Welt, die zunehmend von Unsicherheit geprägt ist. Es ist ein Versuch, dem Chaos Struktur zu verleihen, dem Ungewissen Bedeutung zu geben.

In dieser Suche nach Stabilität wenden wir uns den vermeintlich Unverrückbaren zu – den Dogmen, den absoluten Wahrheiten, die uns Halt geben sollen. Doch paradoxerweise sind es gerade diese Dogmen, die uns in ihrer Starrheit gefangen halten. Sie bieten keine wirkliche Sicherheit, sondern lediglich eine Illusion davon.

Und so folgen wir denjenigen, die uns diese Illusionen verkaufen – den Besserwissenden, die uns versprechen, die Antworten auf die großen Fragen des Lebens zu kennen. Doch in Wirklichkeit wissen sie nicht mehr als wir selbst. Sie bieten keine Lösungen, sondern lediglich eine Beruhigung für unsere Ängste und Unsicherheiten.

In dieser Dynamik erkennen wir die Tragik unserer Existenz: Wir suchen nach Bedeutung und Stabilität in einer Welt, die von Unsicherheit und Wandel geprägt ist. Und in diesem Streben nach Sicherheit verlieren wir oft die Fähigkeit, die Wahrheit zu erkennen – die Wahrheit über uns selbst und die Welt um uns herum.

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