23 Juli 2025

Meine/Blechtrommel

Die Blechtrommel von Günter Grass ist längst mehr als Literatur. Sie ist ein Symbol des Widerstands, der Unbequemlichkeit, der Erinnerung. In einer Welt, die im digitalen Rausch das Wesentliche verlernt, braucht es neue Trommler – und laute Pfeifen.


Ich trommle. Tag und Nacht. Günter Grass hat sie mir gegeben – die innere Blechtrommel. Sie liegt nicht still, wenn die Welt beginnt zu verdrängen. Ich trommle auf das, was liegenbleibt: auf die Heuchelei, das Mitläufertum, das abgestellte Gewissen. Und ich pfeife. Mit einer Trillerpfeife. Hart, schrill, unangenehm. Gegen das Wegsehen. Gegen das Sich-Abfinden.


Ich schweige nicht, wenn Werte verdunsten, wenn Menschenrechte verhandelbar erscheinen, wenn Geschichte sich leise zurückmeldet. Ich trommle gegen den Krieg und pfeife die Gleichgültigkeit ab. Ich trommle das Nachdenken herbei. Langsam, aber hörbar. Vielleicht entsteht so ein neuer Takt. Ein menschlicher. Ein aufmerksamer.


Und wenn Wachheit keine Anstrengung mehr bedeutet, wenn Empathie wieder Raum gewinnt – dann, vielleicht dann, pfeife ich ein Lied.


Bis dahin trommle ich.

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